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Die Toten von Jericho Ein Fall für Inspector Morse 5 von Dexter, Colin (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Die Toten von Jericho

Inspector Morse, so genial er auch sein mag, hat eindeutig einen wunden Punkt: die Liebe. Irgendwie will es nie so recht klappen, und die richtigen ersten Worte finden sich auch nicht von allein. Umso verwirrter ist Morse, als er ohne die kleinste Peinlichkeit einen ganzen Abend in Gesellschaft der bezaubernden Anne meistert. Als er sie besuchen will, steht die Tür offen. Er geht hinein, doch niemand ist da. Wenig später wird er an einen Tatort gerufen: in dieselbe Wohnung. Anne wurde tot aufgefunden. Erhängt. Colin Dexter (1930-2017) studierte Klassische Altertumswissenschaft und war erst als Oberstufenlehrer und anschließend als Prüfer an der Oxford-Universität tätig. 1973 schrieb er Der letzte Bus nach Woodstock. Es folgten dreizehn weitere Fälle für Inspector Morse, die als Fernsehserie verfilmt wurden. Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mehrmals mit dem CWA Gold Dagger. Für sein Lebenswerk wurde Dexter mit dem CWA Diamond Dagger und dem Order of the British Empire für Verdienste um die Literatur ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293310285
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: Inspector Morse .5
    Originaltitel: The Dead of Jericho
    Größe: 2866 kBytes
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Die Toten von Jericho

Und ich frag mich,
wie hätten sie zusammenfinden sollen!

T. S. Eliot, La Figlia Che Piange

S chön ist sie eigentlich nicht, dachte er. Einmal vorausgesetzt, Schönheit ließe sich überhaupt objektiv messen: sub specie aeternae pulchritudinis sozusagen. Sie waren einander gleich zu Anfang vorgestellt worden und hatten dabei nur die üblichen Höflichkeitsfloskeln gemurmelt. Doch seither waren sich ihre Blicke über den Raum hinweg immer wieder begegnet, und sie hatten sich für Momente in die Augen gesehen. Nach seinem dritten Glas Rotwein - von nicht eben bester Qualität - gelang es ihm, sich dem kleinen Kreis von drei, vier flüchtigen Bekannten, mit denen er zusammengestanden hatte, unauffällig zu entziehen.

Die Gastgeberin Mrs Murdoch, eine stattliche tatkräftige Frau Ende vierzig, begann eben die ersten Gäste mit freundlicher Bestimmtheit in Richtung auf das Buffet zu dirigieren, das am anderen Ende des großen Raumes auf einigen Tischen angerichtet war. Als sie an ihm vorbeikam, trat er einen Schritt auf sie zu und sprach sie an. "Ein netter Abend!"

"Ich freue mich, dass Sie kommen konnten. Jetzt dürfen Sie aber nicht die ganze Zeit allein hier herumstehen. Sie sollten ein bisschen auf die Leute zugehen! Habe ich Sie übrigens schon bekannt gemacht mit ...?"

"Danke, lassen Sie nur. Ich werde mich umsehen. Versprochen."

"Ich habe den meisten hier schon von Ihnen erzählt."

Er nickte nur, ohne allzu große Begeisterung zu zeigen, und blickte ihr aufmerksam in das großflächige, nicht besonders anziehende Gesicht. "Sie sehen gut aus."

"Ich fühle mich auch gut."

"Was machen die Jungen? Die müssen doch jetzt auch schon (ja was eigentlich?) äh ... bald erwachsen sein?"

"Michael ist achtzehn. Edward siebzehn."

"Wie doch die Zeit vergeht! Da sind sie wahrscheinlich bald mit der Schule fertig?"

"Michael macht nächsten Monat Abitur." ("Das Buffet ist dort hinten, Rowena. Bitte bedien dich.")

"Ich hoffe, er verfügt über die nötige Ruhe und Zuversicht?"

"Mir scheint, als sei Zuversicht eine reichlich überschätzte Haltung. Finden Sie nicht auch?"

"Ja, vielleicht haben Sie recht", antwortete er etwas zögernd. Darüber hatte er noch nicht nachgedacht. (Täuschte er sich, oder hatte er in Mrs Murdochs Augen ein leichtes Unbehagen bemerkt?) "Weiß er schon, was er studieren will?"

"Biologie, Französisch und Wirtschaftswissenschaften." ("Ja, dort hinten. Bitte nehmen Sie sich selbst.")

"Ach, wie interessant", sagte er, während er sich im Stillen fragte, welche Gründe den jungen Murdoch bewogen haben mochten, eine derart merkwürdige Fächerkombination zu wählen. "Und Edward? Was ...?" Er sprach ins Leere, denn Mrs Murdoch war schon weitergegangen und kümmerte sich um andere Gäste. Er fand sich auf einmal allein. Seine Gesprächspartner von vorhin beugten sich inzwischen am anderen Ende des Raumes über diverse Häppchen, kalten Braten und Salate, stießen ihre Gabeln in Hühnerbrüstchen und beluden sich die Teller mit Krautsalat. Er fixierte ungefähr zwei Minuten die nahe Wand, und man hätte meinen können, er sei in eine kritische Betrachtung des dort hängenden Aquarells versunken, das offensichtlich das Werk eines dilettierenden Freizeitmalers war. Doch dann setzte er sich plötzlich in Bewegung. Vor dem Buffet hatte sich eine Schlange gebildet. Sie stand ganz am Ende, und er stellte sich hinter sie.

Er wagte einen Vorstoß. "Sieht gut aus, nicht?" Keine besonders originelle Bemerkung, aber sie hatte ihren Zweck erfüllt, denn sie wandte sich zu ihm um. "Hungrig?", fragte sie. Hatte er Hunger? Er wusste es nicht. Aus der Nähe sah sie noch anziehender aus mit ihren großen dunklen Augen und dem zarten, klaren Teint. Sie lächelte ihn an.

"Ein bisschen vielleicht", sagte er.

"Ich glaube, Sie essen zu viel." Sie legte ihre Hand dorthin, wo

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