text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die treue Freundin Thriller von Unger, Lisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die treue Freundin

Als Zwölfjährige entkam Rain Winter nur knapp einem grausamen Entführer, der danach selbst Opfer eines kaltblütigen Mordes wurde. Viele Jahre später - Rain arbeitet inzwischen als Journalistin - stößt sie auf einen rätselhaften Fall, der auffällige Parallelen zu dem Mord an ihrem Entführer aufweist. Am Tatort hinterließ der Mörder ein rotes Kristallherz, das Rain allzu bekannt vorkommt - und auf einmal ist das dunkelste Kapitel ihrer Kindheit wieder beängstigend nah ...

Lisa Unger ist eine amerikanische Bestsellerautorin, deren Romane in ihrem Heimatland vielfach begeistert besprochen wurden. Auch international kann die Autorin mit ihren Thrillern große Erfolge verzeichnen, ihre Bücher erscheinen in 26 Sprachen, werden millionenfach gelesen und wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Lisa Unger lebt mit ihrer Familie an der Westküste Floridas.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 508
    Erscheinungsdatum: 21.12.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732594474
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The Stranger Inside
    Größe: 755 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die treue Freundin

Gestern Nacht

Ich warte, weil ich nichts habe außer Zeit.

Vom ruhigen, dunklen Innenraum meines Autos aus beobachte ich die ruhige Nachbarschaft, drücke mich tiefer ins Polster. Herbst. Laub segelt durch die kühle Luft. Geschmacklose, gruselige Halloween-Dekorationen schmücken die Veranden und Rasenflächen, hängen von Bäumen - Skelette und Kürbislaternen, Hexen auf Besenstielen. Morgen ist Schule, also spielen keine Kinder Fangen mit Taschenlampen, kein spontanes Fußballmatch auf der Straße. Vielleicht machen Kinder das auch gar nicht mehr. Habe ich jedenfalls gehört. Sie sind jetzt alle iPad-abhängige Stubenhocker. Das ist die »neue Grenze« der Erziehung. Aber das wirst du besser wissen, als ich es vermutlich je tun werde.

In dieser Straße leben jüngere Familien. SUVs wurden eilig abgestellt, Basketball-Netze hängen in den Auffahrten, Fahrräder wurden auf den Rasen geworfen. Mittwochs warten die Wertstoff-Tonnen geduldig am Straßenrand, der Restmüll wird am Freitag abgeholt. Heute läuft ein Footballspiel. Ich kann es parallel auf drei Großbildfernsehern in drei verschiedenen einsehbaren Wohnzimmern verfolgen.

Doch das Haus, das ich beobachte, liegt im Dunkeln. Ein schöner silberfarbener Benz, der bald zwangsversteigert werden wird, steht in der Einfahrt. Es ist eins von diesen Autos - ein Traumwagen, ein Wagen für Aufsteiger, den man sich anschafft, wenn ... Aber er hat seinem Besitzer ganz sicher kein Glück gebracht. Der Typ, den ich beobachte - er ist deprimiert. Ich erkenne es an seiner gebeugten Haltung, wenn er das Haus betritt oder verlässt, an den dunklen Ringen unter seinen Augen, dem gehetzten Blick.

Ich kann kein Mitgefühl für ihn aufbringen. Und ich weiß, dass auch du keine Träne um ihn vergießt. Ich würde wetten, dass du fast so häufig an ihn gedacht hast wie ich - obwohl du jetzt natürlich anderes im Kopf hast.

Ein älterer Mann führt seinen Hund spazieren, eine weiße Flauschkugel an einer dünnen Leine. Eigentlich überhaupt kein Hund, eher ein übergroßes Meerschweinchen. Ich lasse mich etwas tiefer in den Sitz sinken und bleibe reglos wie ein Stein. Den Mann habe ich in dieser Straße noch nie gesehen, und ich verbringe schon seit einer ganzen Weile die meisten Abende und Nächte hier. Er ist von seiner Routine abgewichen, hat vermutlich beschlossen, heute mal einen anderen Weg zu nehmen. Allzu große Sorgen mache ich mir aber nicht. Mein beiger Toyota Corolla ist absolut unauffällig, praktisch unsichtbar, so verbreitet ist das Modell, und die Fenster sind getönt (aber nicht zu dunkel). Solange er mich nicht sieht, eine einsame Gestalt auf dem Fahrersitz, die offensichtlich nichts Gutes im Schilde führt, wird der Wagen ihm überhaupt nicht auffallen.

Ich habe Glück. Er starrt auf das Display seines Handys. Er ist schon älter, nicht damit aufgewachsen, es erfordert also seine ganze Konzentration. Dieses Gerät ist wirklich das Beste, was Leuten passieren konnte, die unsichtbar bleiben wollen. Er geht direkt an mir vorbei, ohne auf das Auto, mich oder überhaupt auf seine Umgebung zu achten. Sogar der Hund ist abgelenkt, nicht neugierig, hat die Nase dicht am Boden. Schnüffel, schnüffel, schnüffel. Endlich sind sie weg, und ich bin wieder allein.

Die Zeit vergeht. Ich atme in die Nacht.

Hinter einem Fenster nach dem anderen wird es dunkel, nur ein paar wenige Lampen brennen noch. In Nummer 704 wohnt ein Schlafloser und in Nummer 708 eine Krankenschwester, die mittwochs und freitags gegen drei Uhr nachts nach Hause kommt.

Kurz nach zwei steige ich aus, schließe leise die Autotür und schultere meinen Rucksack. Ich bin ein Schatten, der durch die Schatten der Bäume gleitet und lautlos zum Haus huscht. Es bereitet mir keine Schwierigkeiten, das Schloss am Seiteneingang aufzubrechen - heutzutage kann jeder auf YouTube lernen, wie alles Mögliche geht. Ich betrete da

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen