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Die Verdammten Thriller von Liney, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Verdammten

Clancey ist in die Jahre gekommen. Früher stand er als 'Mann fürs Grobe' in Diensten der Mafia. Doch nun zählt er zu den Ausgestoßenen: Er lebt auf einer Insel, auf die alle Alten und Gebrechlichen auslagert werden. Hier herrscht ein ständiger Kampf ums Überleben. Es gibt keinen Schutz vor den Scheusalen, die die Menschen in nebligen Nächten quälen. Eines Tages entdeckt Clancey ein geheimes Tunnelsystem, in dem ein Mädchen lebt. Sie gibt ihm Hoffnung. Und die Gelegenheit, endlich zurückzuschlagen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 383
    Erscheinungsdatum: 13.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838753737
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The Detainee
    Größe: 1517 kBytes
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Die Verdammten

KAPITEL 2

Den Rest des Tages richteten alle im Dorf ihre Aufmerksamkeit auf das Wetter. Die Sonne wird um diese Jahreszeit immer sehr geschätzt, weil sie den alten, knirschenden Gelenken ein wenig Erleichterung verschafft – wie ein Spritzer warmes Öl. Allerdings heißt das auch, dass der Nebel später zurückkehren und sie wieder herbringen könnte.

Ich erinnere mich, dass mir mal jemand erklärt hat, warum wir hier so häufig Nebel haben. Hat etwas mit den Strömungen und der Landmasse zu tun – ich weiß es nicht mehr so genau, hab damals nicht richtig zugehört. Ich weiß nur, dass man zu manchen Zeiten im Jahr das Festland manchmal eine Woche lang nicht sehen kann. Es ist seltsam, fast so, als wäre es denen auf der anderen Seite gelungen, uns von allem abzuschneiden. Die Welt dreht sich weiter, während wir in einer stillen, grauen, feuchten Raumblase treiben. Aus den Augen, aus dem Sinn, und daraus folgt, dass alles, was uns hier widerfährt, mit ihrem Segen geschieht.

Auf dem Rückweg von der Entsorgung der Leichen humpelte Jimmy unter einem Vorwand allein davon. Es überraschte mich überhaupt nicht, als er später an den Hütten entlang zurückgehumpelt kam, in den Armen eine Ladung Krempel, den er sich offensichtlich aus dem Verschlag der Opfer genommen hatte.

"Ich hätte es ahnen müssen", brummte ich, als mir schlagartig klar wurde, dass dies von Anfang an sein Hintergedanke gewesen war, warum er den Vorschlag mit dem Entfernen der Leichen gemacht hatte.

"Hab hier echt cooles Zeug", meinte er zu mir und zeigte auf die große Kiste, die er, obwohl er am Stock ging, irgendwie tragen konnte.

Er neigte sie zu mir hin, damit ich einen Blick hineinwerfen konnte. Flüchtig sah ich eine Ansammlung von Gegenständen, für die Ramsch noch eine höfliche Bezeichnung wäre. Ein Teil eines alten Radios, ein Metallrohr, Draht. Gott allein wusste, was er damit anfangen wollte.

Ich nickte nur. Es ist zwar nicht wirklich ein ungeschriebenes Gesetz, aber ich finde, nachdem er die Leichen wegzuschaffen geholfen hatte, konnte er jedes Recht darauf beanspruchen, ihre Habseligkeiten als Erster zu durchwühlen. Und er wusste, dass ich nicht daran interessiert gewesen wäre.

Jimmy warf die Kiste durch den Eingang seiner Hütte und wandte sich ab, um zurückzugehen und mehr zu holen. Er hatte noch kein Dutzend Schritte zurückgelegt, als Delilah her-ausgestürmt kam.

"Jimmy! Was zum Henker ist das?", brüllte sie und trat herzhaft gegen die Kiste.

Der kleine Bursche zog die Schultern hoch, klemmte den kahlen Kopf dazwischen wie eine verschreckte Schildkröte und humpelte weiter, als hätte er nicht das Geringste gehört. Womit er jedoch der Einzige auf dieser Seite der Insel gewesen wäre.

" Jimmy! "

Delilah ist Jimmys Lebensgefährtin. Ich würde ja Geliebte sagen, aber ich glaube, Lebensgefährtin trifft es eher, weil sie zwar viel Zeit miteinander verbringen, aber nicht erkennen lassen, dass sie sich sonderlich lieben. Sie ist ein langes Elend von einer Frau, so dünn, dass man sich fragt, woher sie die Kraft nimmt, überhaupt aufrecht zu stehen; aber in Wirklichkeit ist sie zäh wie Leder. Falls je die Gene aller Nationen in eine Person geflossen sind, muss wohl sie diese Person gewesen sein. Ihr Teint entspricht diesem bräunlichen Grau, das man erhält, wenn man zu viele Farben zusammengemischt hat und weiß, dass man von Neuem anfangen muss. Ihre breite Nase, ihre kantigen Wangenknochen, ihr riesiger Mund – eigent-lich all ihre Gesichtszüge – könnten ohne Weiteres einer ganzen Reihe von Volksgruppen entsta

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