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Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land Roman von Carofiglio, Gianrico (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2015
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land

Ein Roman von Weltklasse. Made in Italy. Giorgio ist ein mustergültiger Sohn und strebsamer Jurastudent, er hat eine nette Freundin und konkrete Vorstellungen davon, wie sein Leben einmal aussehen soll. Als er eines Abends jedoch auf den charismatischen Francesco trifft, einen undurchschaubaren Nichtstuer, ändert sich sein Leben auf fatale Weise. Denn Giorgio würde alles tun, um neben Francesco eine schillernde Figur abzugeben. Und so gerät er immer tiefer in den Sog der zwielichtigen Welt seines neuen Freundes: Konspirative nächtliche Treffen ziehen ihn unaufhaltsam in einen gefährlichen Strudel der Kriminalität ... Gianrico Carofiglio wurde 1961 in Bari geboren und arbeitete in seiner Heimatstadt viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. 2007 war er als Berater des italienischen Parlaments für den Bereich organisierte Kriminalität tätig. Von 2008 bis 2013 war Gianrico Carofiglio Mitglied des italienischen Senats. Berühmt gemacht haben ihn vor allem seine Romane um den Anwalt Guido Guerrieri. Carofiglios Bücher feierten sensationelle Erfolge, wurden bisher in 27 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen literarischen Preisen geehrt, u.a. mit dem Radio Bremen Krimipreis 2008. Er lebt mit seiner Familie in Bari.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 30.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641189105
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Il Passato è una terra Straniera
    Größe: 1936 kBytes
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Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land

Zwei

W ir saßen zu viert am Tisch. Ein dünner, trauriger Mann, der von Beruf Ingenieur war, dann Francesco, ich und der Gastgeber. Er hieß Nicola, war um die dreißig Jahre alt und dick, rauchte viel und hatte Atembeschwerden. Seine verstopfte Nase machte rhythmische, nervtötende Geräusche.

Er war dran mit Mischen und Kartengeben. Er zog wieder seine kleine Show ab, indem er die Karten in zwei Stapel teilte, zwischen Daumen und Zeigefinger hielt und dann ineinander schnurren ließ, aber er war müde. Und nervös. Eine Stunde zuvor hatte er sich schon fast einen Tausender erspielt, während der letzten drei oder vier Runden dann aber fast alles wieder verloren. Jetzt war Francesco dabei zu gewinnen, bei mir lief es mehr oder weniger auf null hinaus, und der Ingenieur verlor kräftig. Wir begannen gerade die vorletzte Runde unseres Telesina-Pokerspiels.

"Nichts geht mehr", sagte der Dicke nach dem Abheben. Er sagte es in demselben Ton, dessen er sich schon den ganzen Abend bediente. Wie ein Profi. Dachte er jedenfalls. Eine gute Methode, einen Einfaltspinsel an einem Pokertisch auszumachen, ist zu beobachten, ob er versucht, wie ein Profi zu reden.

Er teilte die Karten aus, die erste verdeckt, die zweite offen. Mit einer professionellen Handbewegung. Eben.

Der Ingenieur hatte eine Zehn, Francesco eine Dame, ich einen König. Er selbst hatte ein Ass.

"Hundert", sagte er prompt, warf einen metallic-blauen Chip in die Mitte des Tischs und befeuchtete sich mit der Zungenspitze die Oberlippe. Wir gingen alle mit. Der Ingenieur zündete sich eine Zigarette an, während der Dicke noch einmal gab.

Eine Acht, noch eine Dame, eine Acht, eine Sieben.

"Zweihundert", sagte Francesco.

Der Dicke bedachte ihn mit einem kurzen, hasserfüllten Blick und legte seinerseits zweihunderttausend Lire in den Pot. Der Ingenieur stieg aus. Er hatte den ganzen Abend verloren und wartete nur noch auf das Ende der Runde. Ich ging mit.

Eine Zehn, ein König, eine Zehn.

Ich war dran und sagte "Zweihundert." Die anderen gingen mit, und die letzte Karte wurde gegeben. Francesco hatte eine Acht, ich eine Neun, der Dicke auch eine Neun.

"Ich schiebe", sagte ich, und der Dicke setzte sofort den ganzen Pot. Hatte er etwa eine Straße mit den drei Achten, die draußen waren? Ich betrachtete sein Gesicht und sah angespannte, trockene Lippen. Unterdessen legte Francesco seine Karten hin, sagte, dass er nicht mitgehen werde, und stand einen Moment auf, als wolle er sich die Beine vertreten.

Das bedeutete, dass ich mich entspannen konnte, solange ich mehr als ein Paar hatte, und dass der Dicke keine Straße hatte. Er konnte sie nicht haben, weil die vierte Acht die verdeckte Karte von Francesco war. Also bat ich um einen Moment Pause. Um nachzudenken, sagte ich; in Wirklichkeit wollte ich nur einen Augenblick die rauschhafte Empfindung auskosten, die man verspürt, wenn man falsch spielt und sich sicher ist zu gewinnen.

"Dann muss ich ja wohl zeigen", sagte ich nach einer Minute resigniert, als ginge ich davon aus, die Runde verloren zu haben, weil ein anderer Spieler, der schlauer war als ich und mehr Glück hatte, mich eingewickelt hatte. Der Dicke hatte zwei Asse, ich aber drei Könige. Also nahm ich mir den Pot von mehr oder weniger drei Millionen Lire, was mehr war, als mein Vater zu jener Zeit im Monat verdiente.

Jetzt war der Fettkloß richtig sauer. Natürlich stank es ihm zu verlieren. Aber wirklich rasend machte ihn, dass er gegen einen Dummkopf verlor. Einen Dummkopf wie mich.

Die nächste Runde gewann der Ingenieur, aber der Einsatz war nicht der Rede wert. Dann war Francesco dran mit Geben. Er mischte wie immer ganz unspektakulär, ließ abheben und teilte die Karten aus.

Erst die verdeckte Karte, dann die offene. Eine Dame für mich, einen König für den Fettkloß, eine Sieben für den Ingenieur und ein Ass für ihn selbst.

"Zw

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