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Die vergessenen Kinder Kriminalroman von Redondo, Dolores (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.02.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die vergessenen Kinder

Der Mörder und Vergewaltiger Jasón Medina steht vor Gericht. Doch plötzlich bricht der Richter die Verhandlung ab: Der Angeklagte hat sich auf der Toilette im Gerichtsgebäude die Pulsadern aufgeschlitzt. Er hinterlässt eine rätselhafte Nachricht an Inspectora Amaia Salazar, die ihn ein Jahr zuvor überführt hatte. Die Nachricht enthält nur ein einziges Wort: 'Tarttalo' - den Namen eines einäugigen Ungeheuers aus der baskischen Mythologie.

Wer verbirgt sich dahinter? Und was hat Amaia Salazar mit ihm zu tun?

Die Autorin Dolores Redondo wurde 2016 mit dem Planeta-Preis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 575
    Erscheinungsdatum: 12.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838759326
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Amaia Salazar Bd.2
    Originaltitel: Legado en los Huesos
    Größe: 692kBytes
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Die vergessenen Kinder

1

Die Luft im Gerichtsgebäude war unerträglich. Die Feuchtigkeit, die in den Mänteln hing, verdunstete und vermischte sich mit dem Atem der vielen Leute, die sich auf den Fluren vor den Sälen drängten. Amaia knöpfte ihre Jacke auf und winkte Teniente Padua, der seine Begleiterin in den Saal vorschickte und sich zu ihr durchkämpfte.

"Inspectora, wie schön, Sie zu sehen. Wie geht es Ihnen? Ich war mir nicht sicher, ob Sie heute würden hier sein können", sagte er und zeigte auf ihren Bauch.

Sie legte ihre Hand auf die unverkennbare Wölbung, die verriet, dass sie kurz vor der Niederkunft stand.

"Noch scheint es nicht kommen zu wollen. Haben Sie Johanas Mutter schon gesehen?"

"Ja, sie ist ziemlich nervös und wartet drinnen mit ihrer Familie. Gerade hat man mich von unten angerufen, der Gefängnistransporter mit Jasón Medina ist eingetroffen. Ich muss also los. Wir sehen uns später", erklärte Padua und begab sich zum Fahrstuhl.

Amaia betrat den Verhandlungssaal und setzte sich in eine der hinteren Reihen. Trotzdem konnte sie die ganz in Schwarz gekleidete Mutter von Johana Márquez sehen, die wesentlich dünner war als damals auf der Beerdigung. Als hätte Inés ihren Blick gespürt, drehte sie sich um und nickte ihr zu. Amaia versuchte zu lächeln, aber das bleiche Gesicht dieser Mutter, die von der Gewissheit gequält wurde, ihre Tochter nicht vor dem Monster beschützt, ja es sogar selbst ins Haus gebracht zu haben, erstickte das Lächeln im Keim. Der Justizsekretär las laut die Namen der Vorgeladenen vor. Amaia entging nicht der bittere Zug im Gesicht von Johanas Mutter, als sie den Namen ihres Mannes hörte.

"Jasón Medina", sagte der Justizsekretär. Und dann noch einmal: "Jasón Medina."

Ein uniformierter Polizist trat ein, eilte zum Justizsekretär und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der beugte sich seinerseits zum Richter hinüber, der zuhörte, nickte, den Staatsanwalt und den Verteidiger zu sich rief, kurz mit beiden sprach und sich dann erhob.

"Die Sitzung wird vertagt", verkündete er und verließ ohne weiteren Kommentar den Saal.

"Nein", schrie Johanas Mutter auf. "Warum?" Sie drehte sich um und sah Amaia fragend an.

Die Frauen, die sie begleiteten, versuchten beruhigend die Arme um sie zu legen, aber vergeblich.

Ein Polizist näherte sich Amaia.

"Inspectora Salazar, Teniente Padua bittet Sie, zu ihm ins Untergeschoss zu kommen."

Als sie aus dem Fahrstuhl trat, drängte sich eine Gruppe von Polizisten vor der Tür zur Herrentoilette. Der Beamte, der sie begleitete, öffnete die Tür, und Amaia trat ein. Ein Polizist und ein Gefängniswärter lehnten mit bleichen Gesichtern an der Wand. Padua stand vor einer frischen Blutlache, die sich unter einer der Kabinen ausgebreitet hatte. Als er Amaia sah, trat er beiseite.

"Er bat darum, aufs Klo zu dürfen, und obwohl er Handschellen anhatte, ist es ihm gelungen, sich die Kehle durchzuschneiden. Es ging alles blitzschnell. Der Kollege, der vor der Tür gewartet hat, hörte ihn husten und hat sofort reagiert, doch er konnte nichts mehr tun."

Amaia warf einen Blick in die Kabine. Jasón Medina saß auf der Kloschüssel, den Kopf nach hinten gelehnt. Ein tiefer Schnitt verlief quer über seinen Hals. Das Blut hatte die Hemdbrust getränkt, was aussah, als wäre ihm ein roter Latz zwischen die Beine gerutscht. Die Leiche schien noch warm zu sein, und der Geruch nach Tod hing in der Luft.

"Womit hat er es gemacht?", fragte Amaia.

"Mit einem Teppichmesser. Als ihn die Kraft verließ, ist es ihm aus der Hand gefallen und in der Nachbarkabine gelandet", erklärte Padua und stieß deren Tür auf.

"Wie hat er das hier reingeschmuggelt? Das ist doch aus Metall, der Körperscanner hätte es entdecken müssen."

"Er hat es nicht reingeschmuggelt, Inspectora. Sehen Sie sich mal den Griff genauer an, da ist noch ein Stück Klebeband dran. Jemand war so freundlich, das Messer irgendwo z

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