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Die vierte Tochter Kriminalroman von Kuhn, Krystyna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.05.2017
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Die vierte Tochter

Tote bringen Franka Friedland nicht aus der Ruhe. Als Grabforscherin hat sie täglich mit ihnen zu tun. Sie kann in den Knochen lesen wie in einem Buch. Und sie liebt ihren Job. Doch dann liegt plötzlich die Leiche einer Frau vor ihr - und ausgerechnet Franka hat sie als Letzte lebend gesehen. Die Fremde bestand darauf, eine Urenkelin Kaiserin Elisabeths zu sein, und wollte es um jeden Preis beweisen. Franka begibt sich in Wien auf die Suche nach der Wahrheit und stößt schon bald auf ein schreckliches Geheimnis ... Tempo, Spannung und doppelbödiger Humor zeichnen Krystyna Kuhns Roman aus. Krystyna Kuhn, 1960 als siebtes von acht Kindern in Würzburg geboren, studierte Slawistik, Germanistik und Kunstgeschichte, zeitweise in Moskau und Krakau. Sie arbeitete als Redakteurin und Herausgeberin und schrieb Gedichte und Kurzgeschichten. Krystyna Kuhn lebt mit ihrer Familie im Spessart. Nach "Fische können schweigen" und "Die vierte Tochter" ist "Engelshaar" ihr dritter Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 282
    Erscheinungsdatum: 02.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492982436
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1598 kBytes
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Die vierte Tochter

2

Freitag, 9.30 Uhr

Ich konzentrierte mich darauf, das Klingeln zu überhören.

Das Klingeln des Telefons.

Das Klingeln der Türglocke.

Denn es war seit Aschermittwoch der 30. Tag, an dem ich mir nichts sehnlicher wünschte, als friedlich im Bett zu sterben. Wenigstens ein bißchen. Für einen kurzen Zeitraum. Ich war auch bereit zu verhandeln um die Zeit der Totenstarre, um die Dauer eines Verpuppungszustands, wie er Schmetterlingen vergönnt war. Nur wenige Wochen. Bis Ostersonntag.

Doch statt dessen stand ich auf, nahm das Telefon ab, brüllte hinein: "Moment!" und öffnete den Handwerkern. Sie erwiesen sich als militärischer Stoßtrupp. Stürmten mit Eimern, Leitern und Bohrmaschinen, wie Kalaschnikows unter den Arm geklemmt, die Treppe hoch, mit der Absicht, meine Wohnung erst zu zerstören und dann Wiederaufbau zu leisten. Ich ergab mich und zeigte ihnen das Bad. Dann kehrte ich ans Telefon zurück, in plötzlicher panischer Hoffnung, mit diesem Gespräch käme die Wende in meinem Schicksal. Die Metamorphose wäre abgeschlossen, das Gespinst aus Wut, Trotz und Selbstmitleid würde sich verwandeln in einen Schmetterling. Kurz: Magnus hätte es sich anders überlegt und teilte mir mit, er würde sofort zurückkommen, um mich vor den Handwerkern zu retten. Und wenn ich mein altes Leben wiederbekam, brauchte ich auch kein neues Badezimmer.

Doch es war Sigrid, die Sekretärin des Anthropologischen Institutes, fünfzig, Frühaufsteherin mit penetrant guter Laune.

"Guten Morgen, Franka! Was ist denn bei dir los? Ich dachte, du hast dich lebendig begraben!"

"Ich erlebe gerade den gezielten Angriff der Handwerkerzunft", antwortete ich.

"Um so besser, dann mußt du dein Haus verlassen!"

"Soweit bin ich noch nicht. Noch bin ich nicht reif für die Öffentlichkeit!" Meine Augen suchten den Spiegel, damit er widersprach, aber der war auf dem Dachboden.

"Ich finde, daß nach einem Monat die Trauerzeit überschritten ist."

"Hast du noch nie vom Trauerjahr gehört?"

"Du lebst in Mitteleuropa, Franka, in der gemäßigten Klimazone. Hier erwartet man kultivierte, angemessene Gefühlslagen. Aber ich rufe nicht an, um mein Beileid auszusprechen, sondern weil Fischer angerufen hat vom Morddezernat. In einer Altpapieranlage wurde ein Schädel gefunden. Kurz bevor er unter die Presse kam. Die Spurensicherung hat dich angefordert!"

Im Badezimmer setzte eine Art Preßlufthammer ein, der meine Entscheidungsfindung abkürzte.

"Ich komme!"

Das war er, der Anfang des Schicksalsfadens, der mich erneut mit der Wirklichkeit verband. Ich hätte ihn auch durchschneiden können. Doch nur Ariadne wußte, in welches Loch ich dann fiel.

Und so stieg ich in meinen roten Volvo und fuhr Richtung Bad Homburg, um dort nach der Anlage zu suchen, in der gerade noch rechtzeitig ein menschlicher Schädel davor gerettet worden war, zwischen recycelbaren Altpapierballen auf dem Weltmarkt verkauft zu werden. Guten Morgen, Deutschland!

Seit zwei Jahren kam es immer öfter vor, daß sich die Gerichtsmedizin, die Kriminalpolizei oder die Staatsanwaltschaft an das Institut für Anthropologie wandten, wenn sie Informationen über Knochenfunde brauchten. In Deutschland lag Frankfurt nach Berlin an der Spitze aller Skelettfunde nach Häuserabrissen. Die meisten von ihnen landeten im Leichenschauhaus, ohne daß irgend jemand gewußt hätte, was er damit anfangen sollte. Sie wurden dem Anthropologischen Institut übergeben, und jeder hoffte, daß es sich nicht um unentdeckte Mordfälle handelte, die den Aktenberg erhöhten, sondern um Reste eines alten Friedhofs.

Außerdem nahm unser Institut regelmäßig an Ringuntersuchungen teil, so daß Magnus und ich die nötige Kompetenz hatten, um DNA-Untersuchungen für die Polizei durchzuführen.

Am Eingang der Papierfabrik wurde ich von Kommissar Ron Fischer empfangen. Wir hatten uns einige Monate nicht gesehen. Das letzt

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