text.skipToContent text.skipToNavigation

Die Vipern von Montesecco von Jaumann, Bernhard (eBook)

  • Erschienen: 07.11.2013
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Vipern von Montesecco

Touristen verirren sich nicht in das verschlafene Dorf Montesecco. Nur ein paar Dutzend Menschen leben hier, im Hinterland der Adria. Es ist ein ungewöhnlich heißer Juli. Gewitter liegen in der Luft, denn einer aus ihrer Mitte ist tot: Eine giftige Viper hat Giorgio Lucarelli gebissen. Was wie ein Unfall aussieht, scheint ein wohlgeplanter Akt der Rache gewesen zu sein. Carlo, der Vater des Toten, untersagt die Beerdigung, bevor der Täter nicht gefaßt ist, und verunglückt kurz darauf selber tödlich. Ganz Montesecco sucht den Mörder - und nahezu jeder im Ort ist verdächtig. Und während in der Hitze des Sommers zwei Leichen ihrer Beisetzung harren, verbreitet sich das Gift der Vipern wie im Flug.
'Jaumann schmückt seine Bilder üppig und farbenprächtig aus. Nach dieser Ode hat der Leser nur noch einen Wunsch: Nachschlag!' Nürnberger Nachrichten

Bernhard Jaumann wurde 1957 in Augsburg geboren. Studium in München. Er war zehn Jahre Lehrer für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Italienisch in Bad Aibling, unterbrochen von einjährigen Auslandsaufenthalten in Italien und Sydney/Australien. Seit 1997 lebt er in Mexiko-Stadt.
Sein erster Kriminalroman, 'Hörsturz', erschien 1998; zweiter und dritter Band seiner Krimireihe um die fünf Sinne erschienen 1999 ('Sehschlachten','Handstreich').
Foto: © Isolde Ohlbaum

Produktinformationen

    Größe: 1093kBytes
    Herausgeber: Aufbau-Verlag
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 275
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783841207753
    Erschienen: 07.11.2013
Weiterlesen weniger lesen

Die Vipern von Montesecco

2

Selig, wer nie im Leben vom Fluch gekostet!

denn wo Gott ein Haus erschütterte, schwillt ihm

unablässig durch alle Geschlechter Unheil.

Sophokles: Antigone, Verse 583 - 585

Die Nachricht vom Tod Giorgio Lucarellis verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Dorf. Jeder Tod war ein Unglück, doch es war ein Unterschied, ob ein Achtzigjähriger friedlich im Bett verschied oder ob ein Mann in den besten Jahren an einem Vipernbiß krepierte. Niemand konnte sich an einen ähnlichen Vorfall erinnern. Nur Costanza Marcantoni behauptete, daß es lange vor dem Krieg in San Vito einen Fünfundzwanzigjährigen auf die gleiche Weise erwischt habe. Und das sei nur der Anfang einer Serie von Unglücksfällen gewesen, die über das Dorf auf der gegenüberliegenden Hügelkette hereingebrochen wäre.

"Ein schlechtes Omen", murmelte Costanza Marcantoni kopfschüttelnd vor sich hin.

Wenn ihr auch niemand Gehör schenken wollte, so gab es doch manch einen, der neben der Bestürzung über den Tod Lucarellis auch Unbehagen, ja einen Anflug von Schauder fühlte, weil der Vorfall in seiner Banalität so unbegreiflich schien. Sicher, die Vipern waren dieses Jahr besonders gefährlich, doch ein starker, gesunder Mann wie Giorgio Lucarelli starb nicht so schnell an einem Schlangenbiß.

Immer wieder wurde nachgefragt, und immer wieder schilderte Paolo Garzone, wie er Lucarelli gefunden hatte, den Biß am Unterarm abgebunden, eine verkrustete Platzwunde am Kopf, der ganze Körper verkrampft, kein Atem, kein Puls, nichts, er sei schon kalt geworden. Am Waldrand habe er gelegen, kurz vor der kleinen Brücke, ein paar Schritte vom Feldweg entfernt, der zu dem verlassenen Gehöft führte, in dem früher Milena Angiolinis Großonkel gewohnt habe. Garzone sei nach der Arbeit dorthin gefahren, um nachzusehen, ob die Pumpe aus dem Brunnenhäuschen noch funktioniere, und auf dem Rückweg habe er Giorgio Lucarelli am Waldrand liegen sehen. Er mache sich Vorwürfe, denn wenn er ihn schon auf dem Hinweg bemerkt hätte, wäre vielleicht noch Hilfe möglich gewesen. Er habe Giorgio auf den Beifahrersitz gehievt und ins Krankenhaus gefahren, obwohl er wußte, daß nichts mehr zu machen war. Der Arzt im Pronto Soccorso habe überhaupt keine Wiederbelebung versucht, sondern sofort die Behörden angerufen.

Man nickte im Dorf, als ruchbar wurde, daß der Vater des Toten auf einer Obduktion bestand. Carlo Lucarelli hatte am Abend das ehemalige Pfarrhaus betreten und sich die Nacht über dort eingeschlossen. Am Morgen kam er mit versteinertem Gesicht heraus, setzte sich auf seine alte Ducati und fuhr in die Stadt. Alle wußten, daß er stur wie ein Maulesel sein konnte. Er würde erst zurückkommen, wenn ihm die Todesursache offiziell und zweifelsfrei bestätigt worden wäre. Oder eben widerlegt. Bis dahin mußte man abwarten.

Die Männer des Dorfs erledigten, was unaufschiebbar war, doch ab elf Uhr saßen die meisten im Schatten der Esche vor der Bar. Was es zu sagen gab, wurde gesagt. Dann verebbte das Gespräch in einsamen, dumpfen Grübeleien. Als würde die Hitze Gedanken und Stimmbänder lähmen. Es waren die Frauen von Montesecco, die die Ärmel aufkrempelten. Sie erkannten, was zu tun war, teilten sich wie selbstverständlich die Aufgaben, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren.

Es schien fast, als hätten sie eine solche Katastrophe schon lange erwartet und sich gewissenhaft darauf vorbereitet. Vielleicht lag es auch am Erbe der Jahrhunderte, in denen sie nicht viel zu sagen gehabt hatten. Sie waren den Entscheidungen der Väter, Männer, Brüder unterworfen gewesen, seit sie de

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.