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Die Wüstenkönigin Der Richter in Angola von Wickert, Ulrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.07.2013
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die Wüstenkönigin

Eigentlich dachte Untersuchungsrichter Jacques Ricou, er wüsste, zu welchen Scheußlichkeiten Menschen fähig sind. Doch als er durch einen banalen Anlass auf angesehene Männer stößt, die alle menschlichen Werte missachten, kann er nicht mehr so tun, als handele es sich hierbei um Alltägliches. Jacques Ricou ist entschlossen, die Verbindungen zwischen Waffenhändlern und Ölmagnaten, zynischen Politikern und skrupellosen Geheimdienstagenten mit ihren illegalen Geschäften in Angola aufzudecken. Doch je näher er sich mit dem Fall befasst, je brisanter die Lage für seine Gegenspieler wird, desto gefährlicher wird sie für ihn. Konfrontiert mit den tiefsten Niederungen der menschlichen Habgier, schlägt er selbst die Warnungen von Lyse, der geliebten Frau, die mehr weiß, als gut für sie ist, in den Wind und fliegt nach Luanda. Und damit in den fast sicheren Tod. Ulrich Wickert, geboren 1942, ist einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands. Er war als Korrespondent in den USA und Frankreich tätig, außerdem langjähriger Anchorman der Tagesthemen . Er lebt in Hamburg und Südfrankreich, wo er neben Kriminalromanen auch politische Sachbücher schreibt. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen unter anderem die Bestseller Vom Glück, Franzose zu sein , Gauner muss man Gauner nennen und Der Ehrliche ist der Dumme . In seiner erfolgreichen Krimiserie um den Richter Jacques Ricou erschien zuletzt Das Schloss in der Normandie (Hoffmann und Campe 2015). Seit ihrer Gründung ist Wickert Secrétaire perpétuel der Académie de Berlin, die den kulturellen Austausch zwischen Frankreich und Deutschland fördert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 302
    Erscheinungsdatum: 22.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455812190
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 1946 kBytes
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Die Wüstenkönigin

Ein bescheidener Anfang

Freitag
J acques sah sie von fern aus dem Wohnmobil steigen. Sportlich sprang sie die drei Stufen auf den Weg hinunter, knallte mit einer schwungvollen Armbewegung die Tür hinter sich zu und lief auf eine dunkelgrüne Vespa zu, vor der zwei Polizisten in voller Montur standen. Nach einem kurzen Wortwechsel ließen sie die junge Frau mit der dunklen Hautfarbe aufsteigen. Sie setzte die große runde Sonnenbrille auf, dann den weißen alten Helm ohne Kinnschutz, nur mit Lederriemen.

"Die spinnt!", sagte Jacques zu seinem Freund Jean Mahon. Der Kommissar saß neben ihm am Steuer des Polizeiwagens, polierte einen Apfel, zog die Augenbrauen hoch und öffnete den Mund, als wollte er etwas anmerken. Aber mit dem Untersuchungsrichter über Frauen zu reden, schien ihm wohl jetzt nicht angemessen.

"Die spinnt", sagte Jacques noch einmal, als er zusah, wie die junge Frau mit ihren langen Beinen in engen Jeans und Turnschuhen auf dem Roller saß und einhändig losbrauste, während sie mit der linken Hand noch einen Schal in den Ausschnitt der knappen Lederjacke stopfte.

"Solche Helme gehören verboten", sagte Jean, "wenn du damit fällst, zerschneidest du dir dein ganzes Gesicht."

"Schade, bei dem Aussehen." Jacques betonte jedes Wort, und der Kommissar lachte.

"Stehst du jetzt nur noch auf Farbige?", fragte er. Die beiden Männer kannten sich schon lange. Als Untersuchungsrichter Jacques Ricou noch mit der eleganten Pariserin Jacqueline verheiratet gewesen war, fuhren die beiden Ehepaare jeden Winter gemeinsam in den Schnee – die Männer, um Ski zu rasen, die Frauen, um sich aufs "Après" vorzubereiten.

"Überhaupt nicht. Meinst du wegen Amadée?"

"Vielleicht. Sie ist doch schon weg, oder?"

"Ja, seit vierzehn Tagen. Nach sechs Wochen in meinem bescheidenen Appartement bekam sie Heimweh nach dem Blick von ihrer Terrasse auf den Atlantik."

"Wirst du sie besuchen?"

"Klar, im Winter, wenn es hier wieder grässlich nass und kalt ist. Dann ist es auf ihrer Plantation wie im Paradies."

Amadée, die Kreolin aus Martinique, hatte Jacques die linke Seite ihres großen Bettes angeboten, nachdem ihr Mann beim Sturz von seinem Pferd tödlich verunglückt war. Jacques hatte den Platz nicht zurückgewiesen. Von der Bananenplantage am Osthang des Mont Pélée hatte man den berühmten weiten Blick auf die von den Passatwinden hochgepeitschten Wellen im Atlantischen Ozean. Wenn Jacques davon sprach, geriet er ins Schwärmen.

Jetzt aber saß er neben dem drahtigen Kommissar und ärgerte sich über den – wie er fand – trivialen Einsatz gegen junge Leute, die bei einer Rave-Party ein bisschen Spaß haben wollten. Und er verstand nicht, weshalb die Polizisten die Frau in Leder nicht festgehalten hatten.

"Warum haben sie die schöne Dunkle wohl laufen lassen?" Er sah den Kommissar fragend an.

Der öffnete die Tür, rutschte trotz seines leichten Gebrechens, er stand kurz vor der Pensionierung, flink hinter dem Steuerrad hervor und ging mit den Worten – "Das lässt sich herausfinden" – auf die beiden Polizisten zu.

Jacques fand den Griff nicht, um die Tür des neuen Wagens zu öffnen, tastete hilflos an der Innenverkleidung herum und als er endlich draußen war, kam ihm Kommissar Jean Mahon schon wieder entgegen.

"Sie hatte eine Akkreditierung als Journalistin vom Figaro", sagte er.

"Und was wollte sie in dem Wagen?"

"Werden wir

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