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Dumm gelaufen, Martha Niederrhein Krimi von Kohl, Erwin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.09.2019
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Dumm gelaufen, Martha

Ein fast perfekter Mord und ein Privatdetektiv, der alles auf eine Karte setzt: treffsicher, ironisch und Niederrhein pur. Lukas Born, suspendierter Hauptkommissar, lebt als Dauercamper auf einem Campingplatz in Sonsbeck und verdient seine Brötchen mit Privatermittlungen. Als eine Notarsgattin ihn mit der Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann beauftragt, deutet zunächst alles auf einen Routinefall hin. Doch dann entdeckt Born den Vermissten im Wald - tief unterm Laub und mausetot. Die Spur führt zu einem der profiliertesten Mordermittler der Region und zu einer ominösen Motorradgang ... Erwin Kohl wurde 1961 in Alpen am Niederrhein geboren und hat diese herrliche Tiefebene seither nicht verlassen. Neben der Produktion von Hörfunkbeiträgen schreibt er als freier Journalist für die NRZ/WAZ und die Rheinische Post. Grundlage seiner Geschichten sind zumeist reale Begebenheiten, die Soziologie der Niederrheiner und ihre vielschichtigen Charaktere bilden den Hintergrund.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 19.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960415367
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2999 kBytes
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Dumm gelaufen, Martha

1

Zwanzig Minuten später biege ich auf die RWE -Straße im Weseler Ortsteil Obrighoven ein. Ich überhole einen Pulk Radfahrer, die vermutlich auf dem Weg zum "Quertreiber" sind, um sich mit der kleinen Fähre über die Lippe zu ziehen. Dann stehe ich auch schon vor dem, nennen wir es mal, Anwesen der Familie Jacobs. Noch während sich auf meine mündliche Vorstellung hin das schmiedeeiserne Eingangstor behäbig beiseiteschiebt, betrete ich den durchaus großzügig bemessenen Vorgarten. Eine gefühlte Viertelstunde später erreiche ich die Haustür. Unterwegs erfährt mein Honorar mit Blick auf das mondäne Gebäude eine deutliche Anpassung nach oben. Individualität ist halt eine meiner Stärken. Aus dem Hausflur vernehme ich Schritte. Ich erwarte eine mit Edelklunkern behängte Dame mittleren Alters, die zwischen Tennisplatz und Visagist gerade noch die Zeit findet, ihr Haus- und Hofpersonal zu instruieren, während der Gatte alle Hände voll damit zu tun hat, seine Firma zu leiten.

Als sich die Tür öffnet, platzt meine Erwartung jedoch wie eine zu groß gewordene Seifenblase. Mit offenem Mund staune ich sie an wie ein Mittelstufenschüler die schärfste Braut aus der Obersekunda. Sie trägt ein schulterfreies Kleid, dessen Anschaffungspreis selbst dann mein Honorar übersteigen dürfte, wenn ich den gesamten Sommer für sie tätig wäre. Ein seidener Traum, der die Eigenschaft besitzt, jeden Millimeter ihres makellosen Körpers mit einem Ausrufezeichen zu versehen. Lange blonde Haare fallen sanft herab und umrunden ihre ...

"Möchten Sie nicht eintreten, Herr Born?"

Auch das, denke ich und folge ihren wiegenden Schritten in eine Halle, die sich auf den zweiten Blick als das Wohnzimmer der Jacobs entpuppt. Ich muss unweigerlich blinzeln. Der seinerzeit konsultierte Innenarchitekt dürfte sich inmitten einer Art weißen Schaffensperiode befunden haben. Weißer Marmorboden, weiße Wände, weiße Decke, weiße Vorhänge, weißes Mobiliar und zur Krönung des Ganzen die lebensgroße Nachbildung der Venus von Milo neben der kinoleinwandgroßen Fensterfront, natürlich in Weiß. Mittendrin zwei blutrote Lippen, die sich in diesem Augenblick voneinander entfernen, um einen dem Anlass meines Kommens angemessenen Seufzer zu entlassen.

"Manchmal stelle ich mir vor, dass alles nur ein Alptraum ist. Die Tür geht auf, mein Mann kommt herein und sagt: 'Geht es dir nicht gut, Liebling?'"

"Seit wann vermissen Sie Ihren Mann, Frau Jacobs?"

"Seit dem 14. Mai."

Ich bin gerade im Begriff, Block und Kugelschreiber hervorzuholen, als die Antwort mich innehalten lässt.

"Das ist sechs Wochen her", stelle ich fest.

"Ja."

Ja? Ich ermuntere sie mit einem fordernden Augenaufschlag zu einer Erklärung.

"Ich habe selbstverständlich sofort, also das heißt am nächsten Tag, eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Was die Polizisten alles wissen wollten! Wie es um unsere Ehe bestellt sei, ob wirtschaftlich alles in Ordnung sei und ob mein Mann schon mal von Suizid gesprochen habe. Es war furchtbar", erzählt sie und fixiert dabei die weiße Obstschale auf dem Glastisch zwischen uns.

Ich erinnere mich an das erste halbe Jahr nach der Polizeiausbildung, in dem ich als Vermisstensachbearbeiter eingesetzt wurde. Solange nicht von einer Gefahr für Leib und Leben der vermissten Person auszugehen war, wurden die persönlichen Daten aufgenommen und ab damit in die Kartei.

Meine Gesprächspartnerin nestelt wie geistesabwesend an ihren Haaren. Eines dürfte klar sein: "Mal eben Zigaretten holen und tschüss", kann ich wohl als Grund streichen. Auf einer weißen Anrichte fällt mir das Foto eines älteren Mannes auf, vermutlich der Herr Papa. Mich beschäftigt die Frage, wo ich den Hebel ansetzen soll, als die Gastgeberin plötzlich erschreckt hochfährt.

"Entschuldigung, ich habe Ihnen noch gar nichts angeboten ..."

Ich winke beruhigend ab.

"Frau Jacobs, hat

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