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Dunkle Herzen Roman von Roberts, Nora (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Dunkle Herzen

Immer wieder wird die New Yorker Bildhauerin Clare Kimball von einem Alptraum aus ihrer Kindheit aufgesucht. Von dunklen Ahnungen getrieben, kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück ... Ein atemberaubender Psychothriller um satanische Rituale in einer amerikanischen Kleinstadt. Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland. Unter dem Namen J. D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 624
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641111663
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Divine Evil
    Größe: 755 kBytes
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Dunkle Herzen

Erstes Kapitel

Das Ritual begann eine Stunde nach Sonnenuntergang. Lange zuvor war der Kreis - exakt neun Fuß im Durchmesser - vorbereitet worden, man hatte Büsche und Schößlinge gerodet und geweihte Erde über den Boden verstreut.

Dunkle Wolken tanzten geheimnisvoll über die fahle Scheibe des Mondes.

Innerhalb des schützenden Kreises standen dreizehn in schwarze, kuttenähnliche Kapuzenmäntel gehüllte Gestalten. Draußen im Wald stimmte eine einsame Eule ihr Klagelied an. Als der Gong ertönte, verstummte auch sie. Einen Augenblick lang war nur das Flüstern des Windes in den jungen Frühlingsblättern zu hören.

In einer kleinen Grube zur linken Seite des Kreises flakkerte bereits das Feuer. Bald würden die Flammen hoch aufzüngeln, angefacht vom Abendwind - oder von anderen Kräften.

Man schrieb den Vorabend des ersten Mai, die Walpurgisnacht, jene Nacht, in der man den Göttern opferte, sie pries und um eine reichhaltige Ernte und den Fortbestand der Familie bat.

Zwei in rote Gewänder gekleidete Frauen traten in den Kreis. In ihren unverhüllten, leichenblassen Gesichtern leuchteten nur die Lippen scharlachrot. Sie wirkten wie Vampire, die sich gerade am Blut ihrer Opfer gelabt hatten.

Eine von ihnen ließ gemäß den genauen Anweisungen, die man ihr erteilt hatte, ihr Gewand fallen und stand einen Augenblick lang nackt im Licht des Dutzends schwarzer Kerzen, ehe sie sich auf dem hohen, polierten Holzklotz in Positur legte.

Heute nacht würde sie ihnen als lebender Altar dienen, die Jungfrau darstellen, die sie anbeteten. Einige von ihnen störten sich allerdings an der Tatsache, daß es sich bei der Frau um eine Prostituierte handelte, für die Keuschheit ein Fremdwort war. Andere genossen einfach den Anblick ihrer üppigen Rundungen und weit gespreizten Schenkel.

Der Hohepriester, der seine Maske Baphomet, dem Bock von Mendes, gewidmet hatte, stimmte einen monotonen Gesang in verfälschtem Latein an. Als er geendet hatte, hob er die Arme zu dem umgekehrten Pentagramm über dem Altar empor. Dann wurde, um die Luft zu reinigen, eine Glocke geläutet.

Von ihrem Versteck im Gebüsch aus beobachtete ein kleines Mädchen mit großen, neugierigen Augen die Szene. Von der Feuerstelle, wo die Flammen prasselten und Funken in die Luft stoben, zog ein unangenehmer Geruch herüber, und in die Bäume, die den magischen Kreis umgaben, waren seltsame alte Zeichen eingeritzt.

Das Mädchen fragte sich, wo sein Vater wohl war. Es hatte sich, vor Freude über den gelungenen Streich in sich hineinkichernd, auf dem Rücksitz seines Wagens versteckt. Und als es ihm durch den Wald gefolgt war, hatte es gar keine Angst gehabt. Nicht ein bißchen. Es hatte sich im Gebüsch verborgen und wartete auf einen geeigneten Moment, um sich in seine Arme zu werfen.

Doch er hatte, wie alle anderen, einen langen, dunklen Mantel übergestreift, und nun wußte es nicht mehr genau, wer aus der Gruppe nun eigentlich sein Daddy war. Die nackte Frau machte es verlegen und faszinierte es zugleich, doch das, was die Erwachsenen da taten, kam ihm nicht länger wie ein Spiel vor.

Das Herz pochte ihm bis zum Hals, als der Mann mit der Maske wieder zu singen begann.

"Wir rufen dich, Amon, Gott des Lebens und der Fortpflanzung. Und dich, Pan, Gott der Fleischeslust."

Jeder Name wurde von den anderen wiederholt. Die Liste war lang.

Die Gruppe begann, sich rhythmisch hin- und herzuwiegen und zu summen, als der Hohepriester einen silbernen Kelch ergriff, trank und den Kelch zwischen die Brüste des Altars setzte.

Dann nahm er ein Schwert auf und wies damit gen Süden, Osten, Norden und Westen, wobei er die vier Höllenfürsten beschwor:

Satan, Herr des Feuers,
Luzifer, der Lichtbringer,
Belial, der keinen Gebieter kennt,
Leviathan, Schlange der Tiefe -

Das kleine Mädchen im Gebüsch erschauerte vor Angst.

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