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Dunkles Lavandou Leon Ritters sechster Fall von Eyssen, Remy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Dunkles Lavandou

Goldene Inseln, duftender Ginster und ein düsteres Ritual
Strahlender Sonnenschein und jede Menge Touristen versprechen den Beginn einer perfekten Sommersaison. Die Stimmung in Le Lavandou könnte nicht besser sein, doch eines Morgens wird unter einer Brücke die Leiche einer Frau gefunden. Leon Ritter findet durch die Obduktion heraus, dass sie nicht freiwillig in den Tod gesprungen ist. Vieles deutet auf eine rituelle Tötung hin. Während Leon und seine Lebensgefährtin Isabelle verschiedenen Verdächtigen nachspüren, scheint die Polizei den Fall schleifen zu lassen - bis eines Tages die Tochter des französischen Kultusministers samt einer Freundin verschwindet. Sie wurden zuletzt in Le Lavandou gesehen ...

Remy Eyssen (Jahrgang 1955), geboren in Frankfurt am Main, arbeitete als Redakteur u.a. bei der Münchner Abendzeitung. Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten Drehbücher. Bis heute folgen zahlreiche TV-Serien und Filme für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller. Mit seiner Krimireihe um den Gerichtsmediziner Leon Ritter begeistert er die Leserinnen und Leser und landet regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 02.06.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843722421
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 29127
    Größe: 3185 kBytes
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Dunkles Lavandou

1. Kapitel

Morgens um acht waren die meisten Händler noch mit dem Aufbau ihrer Stände beschäftigt. Manche reisten von weit an und folgten dem Wochenmarkt von Tag zu Tag in einen anderen Ort. Jetzt schien die frühe Junisonne flach über das Meer, und es ging noch gemütlich zu auf dem großen Parkplatz an der Avenue Vincent Auriol. Es war die Zeit, bevor sich die Touristen durch die schmalen Marktgassen drängten. Zwischen Ständen mit Olivenöl aus dem Massif des Maures, Wildschweinwurst aus dem Domaine de la Forêt, Doraden aus dem Meer und billigen Hawaiihemden aus China. Aber das würde sich schnell ändern. Wenn die Sonne höher stieg und den Markt aufheizte, würde es hier schon bald nur noch nach Schweiß und Sonnenöl riechen. Dann würden sich die Touristen gegenseitig zur Seite drängen und Einkaufen zum nervenaufreibenden Abenteuer machen. Aber noch war alles entspannt. Die Verkehrspolizei stellte die Umleitungsschilder auf, während die Gendarmerie nationale dafür sorgte, dass die vorgeschriebenen Abstände zwischen den Ständen und Auslagen eingehalten wurden.

Leon war an einem schlichten Stand stehen geblieben, der etwas ramponiert wirkte. Auf zwei Klapptischen wurden Oliven in Plastikschalen und Kräuter in kleinen Tontöpfchen präsentiert, an denen selbst gemalte Etiketten klebten. Darauf stand »Rosmarin«, »Herbes de Provence«, »Thymian« oder »Wacholder«. Ein einzelner Schirm sollte die Kunden vor der Hitze schützen. Aber auch der hatte Löcher, durch die schon jetzt die Mittelmeersonne brannte. Ein handgemaltes Schild über der Auslage pries »Délices Provençal«, und genau deswegen war Leon hierher, ganz ans Ende des Marktes, gekommen. Wegen der provenzalischen Köstlichkeiten, die Monsieur Clément Roman auf seinem Hof in den Hügeln herstellte und mit Unterstützung seiner Frau und seines Sohnes auf dem Markt verkaufte. Leon deutete auf eine Schale mit Tapenade, der köstlichen, schwarzbraunen Olivenpaste.

»Davon hätte ich gerne was«, sagte Leon und atmete den Duft von Rosmarin, Koriander und Majoran ein. Der Korb an seinem Arm war schwer von den Leckereien, die er bereits auf dem Markt eingesammelt hatte.

»Bien sûr, Docteur.« Monsieur Roman, der Besitzer des Standes, war Ende vierzig, groß und wirkte etwas schlaksig. Sein Gesicht war schmal, und die leicht schräg stehenden Augen gaben seinem Blick etwas Verlorenes. Dabei war Monsieur Roman immer freundlich und zuvorkommend. Im Hintergrund sah man seine Frau Amélie zusammen mit dem zwanzigjährigen Sohn Rodolphe Flaschen mit Olivenöl in Holzkisten von der Ladefläche des Transporters räumen. Die Frau musste früher eine Schönheit gewesen sein, dachte Leon. Ein Hauch von Karibik schien ihre Erscheinung zu umwehen. Monsieur Roman hatte einmal erwähnt, dass sie aus den französischen Überseegebieten nach Le Lavandou gekommen waren. Aus Guadeloupe, wenn Leon sich richtig erinnerte. Jetzt wirkte die Frau blass und müde, als würde sie sich von einer Krankheit erholen, dachte Leon. Amélie Roman schaute schnell zur Seite, als sich ihr Blick mit Leons traf.

»Amélie, gib mir mal eine von denen!« Roman zeigte auf die Flaschen mit dem selbst gepressten Olivenöl, und seine Frau reichte ihm eine, die er an Leon weitergab.

»Danke, aber davon habe ich noch«, meinte Leon.

»Ein Geschenk des Hauses«, sagte Roman mit einem Blick, der keinen Widerspruch zuließ. »Ist von der letzten Ernte.«

»Danke vielmals«, erwiderte Leon. »Dieses Jahr will ich aber dabei sein, wenn Sie das neue Öl pressen.«

»Das haben Sie letztes Jahr auch schon gesagt.«

»Die Arbeit.« Leon zuckte mit den Schultern.

In diesem Moment hörte man hinter dem Stand das Klirren von zerbrechendem Glas.

»Kannst du nicht aufpassen?«, raunzte Clément Roman seinen Sohn an.

Rodolphe erschien neben dem weißen Transporter. Er war ein ganzes Stück größer als sein Vater. Nur sein Kopf schien irgendwie zu klein geraten für den massigen Körper, der dem jungen

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