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Eher bring ich sie um: Krimi Cassiopeiapress Thriller/ Edition Bärenklau von Bieber, Horst (eBook)

  • Verlag: BookRix
eBook (ePUB)
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Eher bring ich sie um: Krimi

Der Umfang dieses E-Book entspricht 336 Taschenbuchseiten. Joachim Baldur, ein alter und krebskranker Mann, der nicht mehr lange zu leben hat, engagiert den Privatdetektiv Rolf Kramer. Brisant, denn Ludwig, sein Bruder, wurde wegen Totschlags zu 12 Jahren Haft verurteilt. Und - sie haben sich seit diesem Tag nie mehr gesehen! Denn beide hatten sich in Edith Troy verliebt, die sich lange nicht zwischen den ungleichen Brüdern entscheiden konnte. Kramer nimmt den Auftrag an, obwohl er weiß, dass er zwei deutsche Lebensläufe, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, auf über dreißig Jahre recherchieren muss. Schließlich gelingt es ihm, Ludwig zu finden, doch davor steht eine turmhohe Mauer, die unüberwindbar ist, denn die auf ewig verfeindeten Brüder zusammenzuführen und eine Kluft aus dreißig Jahren und einem Leben östlich und westlich der Mauer zusammenzuführen, ist fast aussichtslos.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 317
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783736881419
    Verlag: BookRix
    Größe: 485 kBytes
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Eher bring ich sie um: Krimi

Erster Freitag

Die Halle war so düster wie eine Grabkapelle und auch so kalt. Entlang der Wände standen Bodenvasen aus grauem Ton mit unnatürlich strammen Plastikblumen, vornehmlich fahlweißen Lilien. Es roch scharf nach Desinfektionsmitteln, und die grauen Steinfliesen glänzten vor tückischer Glätte und Sauberkeit. Irgendwo murmelte eine weinerliche Stimme monoton immer wieder dieselben, unverständlichen Sätze.

Vorsichtig ging Kramer auf das kleine Fenster in der linken Wand zu. Dahinter saß eine magere Frau in einem weißen Kittel und Häubchen an einem Tisch und sortierte Post. Als er sich räusperte und an das Glas klopfte, schaute sie unwillig hoch. Ihr faltiges Gesicht war verkniffen und vor Abneigung hässlich. Dass sie den Arm ausstrecken und das Fensterchen öffnen musste, nahm sie ihm persönlich übel.

"Ja? Sie wünschen?"

"Guten Morgen", antwortete er betont, doch ihre Mundwinkel senkten sich nur für einen Moment. "Ich bin mit Herrn Joachim Baldur verabredet."

"Ihr Name?"

Darauf lächelte er nur spöttisch. Aus dem kleinen Raum wehte es ihn säuerlich an, und er sah, wie sich ihre Hand um den Brief krallte.

"Ich habe Sie gefragt, wie Sie heißen."

"Entschuldigen Sie bitte, habe ich mich verirrt? Das ist doch das Seniorenheim Abendfrieden?"

"Natürlich ist das hier Haus Abendfrieden! Was soll der Blödsinn?"

"Ach, einen Augenblick habe ich befürchtet, das sei die Justizvollzugsanstalt. Weil Sie mich nach meinem Namen gefragt haben. Das ist dort so üblich."

Unter ihren Fingern knisterte der Brief bedrohlich, sie warf ihn auf den Tisch. Eine hektische Röte schoss ihr ins Gesicht, aber weil er ihrem Blick nicht auswich, griff sie plötzlich nach dem Telefon und hackte wütend auf die Tasten.

"Herr Baldur? Ihr Besuch ist da. Ja."

Sie knallte den Hörer hin und fauchte: "Er kommt gleich runter. Warten Sie dort!" Ihr Finger deutete überall hin.

"Der Friede des Abends verzehrt den Hass und die Hast des Tages und stimmt auf die Freuden der Nacht ein", deklamierte er weihevoll. "Ein alter chinesischer Spruch, ich finde ihn schön, Sie nicht auch?"

Statt einer Antwort knallte sie das Fensterchen zu, und Kramer schlidderte, die Mundwinkel eingeklemmt, auf zwei einsame Stühle nahe der Treppe zu.

Während er Stufe für Stufe bewältigte, musste sich Joachim Baldur mit beiden Händen am Treppengeländer festhalten. Er war groß und hager, mehr als mager, beinahe ausgemergelt, und tiefe Furchen auf seinem ohnehin schmalen, knochigen Gesicht zeigten jedem, der es nur sehen wollte, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Das weiße Haar war dünn geworden, die fleckige Pergamenthaut an den schmalen, kraftlosen Fingern schien durchsichtig, und als er mit trüben Augen in Kramers Richtung lächelte, zitterten seine blutleeren Lippen.

"Herr Kramer?"

"Ja, das bin ich. Guten Tag, Herr Baldur."

"Guten Tag. Ich freue mich, dass Sie so schnell gekommen sind."

Seine Stimme war einmal voll und tief gewesen, und obwohl er jetzt leise sprach, fast flüsterte, klang noch etwas von früherem Charme und ehemaliger Festigkeit durch.

"Wir gehen am besten in den Garten. In diesem Mausoleum erfrieren auch Gesunde. Oder verfallen in Depressionen."

Eine Schwingtür mit Milchglasscheiben führte in den Park hinter dem Gebäude, aber den düsteren Eindruck der Halle konnten auch Wärme und Helligkeit draußen nicht so schnell verscheuchen. Auf grünen Holzbänken saßen alte Leute fest eingepackt in der Sonne, regungslos wie Mumien. Andere tasteten sich an Stöcken und Rollatoren voran. Bis auf die Vögel, das Schlurfen auf dem Kies und das leise permanente Rauschen der Autobahn auf der anderen Seite des Tales herrschte eine bedrückende Stille.

"Echte Blumen", kicherte Baldur unvermittelt, und Kramer schmunzelte anerkennend: Denselben Gedanken hatte er eben auch gehabt. Gepflegt war der Park,

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