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Ein tragisches Ende (Kriminalroman) von Temme, Jodocus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.09.2016
  • Verlag: e-artnow
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Ein tragisches Ende (Kriminalroman)

Dieses eBook: 'Ein tragisches Ende (Kriminalroman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Jodocus Temme (1798-1881) war ein deutscher Politiker, Jurist und Schriftsteller. Er verfasste u. a. zahlreiche Kriminalerzählungen, die zum großen Teil in Ernst Keils Familienzeitschrift Die Gartenlaube veröffentlicht wurden und wichtige Anstöße für die Entwicklung der deutschsprachigen Kriminalliteratur gaben. Aus dem Buch: 'In dem großen Hause Molkenmarkt Nr. 3 befanden sich in einem kleinen Zimmer zwei Treppen hoch zwei Personen, ein kleiner runder Mann mit einem roten Gesicht und ein langer, hagerer Mann mit einem blassen Gesicht. Das große Haus am Molkenmarkt Nr. 3 zu Berlin ist bekanntlich das Kriminalgerichtsgebäude oder, wie der Berliner sagt, das Kriminalgericht. Die Stube, in welcher die beiden Männer sich befanden, war eine Verhörstube des Kriminalgerichts. Sie war es. Jetzt gibt es schon seit mehreren Jahren keine Verhörstuben mehr.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 157
    Erscheinungsdatum: 29.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026867746
    Verlag: e-artnow
    Größe: 460 kBytes
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Ein tragisches Ende (Kriminalroman)

Ein tragisches Ende

Inhaltsverzeichnis
Eine Kriminalgeschichte und doch keine
1. Der Racheschwur

In dem großen Hause Molkenmarkt Nr. 3 befanden sich in einem kleinen Zimmer zwei Treppen hoch zwei Personen, ein kleiner runder Mann mit einem roten Gesicht und ein langer, hagerer Mann mit einem blassen Gesicht.

Das große Haus am Molkenmarkt Nr. 3 zu Berlin ist bekanntlich das Kriminalgerichtsgebäude oder, wie der Berliner sagt, das Kriminalgericht.

Die Stube, in welcher die beiden Männer sich befanden, war eine Verhörstube des Kriminalgerichts. Sie war es. Jetzt gibt es schon seit mehreren Jahren keine Verhörstuben mehr. Das neue öffentliche mündliche Strafverfahren mit einem Staatsanwalt und mit Geschworenen hat auch die Verhörstube mit ihren Inquirenten abgeschafft und dafür Instruktionszimmer mit einem Instruktionsrichter eingeführt, in denen übrigens genauso verfahren wird wie in den Verhörstuben des alten schriftlichen Inquisitionsprozesses.

Der kleine runde Herr mit dem roten Gesicht war der Inquirent der Verhörstube, der Kriminalgerichtsrat oder, wie seine Untergebenen zu ihm sagen mußten, Stadtgerichtsrat Pannemann.

Der lange, hagere Mann mit dem blassen Gesicht war sein Kriminalprotokollführer Köpke.

Der Kriminalgerichtsrat war soeben in die Verhörstube eingetreten, hatte Hut und Stock und Handschuhe abgelegt und sich an seinen Arbeitstisch begeben. Auf diesem lagen, musterhaft geordnet, seine Arbeiten für den heutigen Tag; auf der einen Seite die Akten, in denen zu dekretieren, auf der anderen die, in denen zu inquirieren war. Köpke hatte sie musterhaft geordnet, er hatte auch, wie immer, noch mehr getan. Die "Decernenda" hatte er schon "abdekretiert"; der Rat mußte nur seinen Namen darunterschreiben; ob er sie auch durchlesen wollte, stand in seinem Belieben. In den "Terminakten" hatte der fleißige Protokollführer die Protokolle schon fertig gemacht. Der Rat mußte nur noch die vernommenen Personen wieder vorkommen, ihnen die Protokolle vorlesen lassen und sie befragen, ob es so richtig sei.

Dies war indes nicht in allen Sachen so. Denn, wie gesagt, der Kriminalgerichtsrat hatte die wichtigeren sich zur eigenen Bearbeitung vorbehalten. Köpke mußte sie ihm obenauf legen.

Der Kriminalgerichtsrat Pannemann besah zuerst das Aktenstück, das oben auf den Terminakten lag, also mutmaßlich zu seiner eigenen Bearbeitung stand. Er wurde überrascht, und zwar angenehm überrascht.

"Piepritz?" rief er. - "Piepritz!" sagte der Protokollführer Köpke.

"Und bestätigt?"

"Bestätigt."

"Gottlob, Gottlob! Köpke, klingeln Sie."

Über dem Arbeitstische hing eine Schnur, die zu einer Klingel in den Verhörgängen führte. Köpke zog dreimal die Schnur. Die Verhörstube führte in dem Gange, an dem sie lag, die Nummer drei. Ein Kriminalgerichtsdiener trat ein. - "Den Piepritz", befahl der Kriminalgerichtsrat. - "Zu Befehl, Herr Stadtgerichtsrat." Der Diener ging zurück.

Der Kriminalgerichtsrat war so freudig aufgeregt, daß er keine Akten weiter ansehen konnte. Er ging in der kleinen Stube auf und ab.

Der Protokollführer faltete einen Bogen Papier und schrieb, den Eingang ins Protokoll darauf.

"Köpke!" sagte der Rat wichtig und vergnügt, "ich bin recht neugierig."

Köpke nickte mit dem Kopfe, zum Zeichen, daß er es glaube.

Er war mit Schreiben beschäftigt, und der Rat, der selbst gern viel sprach, hatte es nicht gern, wenn andere sprachen.

"Der wird Augen machen, Köpke." - Köpke nickte.

"Es hat mich auch Mühe genug gekostet. Was habe ich dem Kerl zusetzen müssen." - Köpke nickte wieder. "Warum antworten Sie mir nicht, Köpke?"

"Ja, er war sehr zähe", sagte Köpke mit einer melancholischen Stimme.

"Ich habe ihn dennoch zur Überführung gebracht. Indizium auf Indizium, alle so fein, so delikat" - der Rat schnalzte mit der Zunge - "und doch so fest. Ich ums

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