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Ein unerwarteter Besuch von Kocznar, Reinhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2014
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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Ein unerwarteter Besuch

Ein unerwarteter Besuch ist in die Wohnung des Versicherungsdirektors Robert Prokop eingedrungen und hat seine Unterlagen durchwühlt. Wonach hat er gesucht? Haben die undurchsichtigen Finanzgeschäfte, denen Prokop in seinem Unternehmen auf die Spur gekommen ist, damit zu tun? Auf der Suche nach Antworten gerät Prokop in ein Netz von Lügen und Betrug, von Gier und Gewalt. Reinhard Kocznar gelingt in seinem RomanErstling ein packender Versicherungskrimi, der tief in ein verschlungenes Netz von Lügen und Betrug, von rücksichtsloser Gier und skrupelloser Gewalt führt. Reinhard Kocznar, geboren 1951 in Hall in Tirol, lebt in Innsbruck. Bei Skarabaues: Ein unerwarteter Besuch. Kriminalroman (2007), Vor Tagesanbruch. Thriller (2008). http://books.kocznar.com/

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 264
    Erscheinungsdatum: 03.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709935798
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 1014 kBytes
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Ein unerwarteter Besuch

2

"Bitte um Ruhe, meine Herren", Franz Bauer, der Verkaufsleiter, klatschte in die Hände, "es geht los."

Die Telefonie begann, jetzt wurden die Verkaufsgespräche für die nächsten Tage vereinbart. Davor stand die Vorbereitung der Telefonlisten, die vom Leiter der Telefonie kontrolliert wurden. Heute hatte Bauer diese Aufgabe übernehmen dürfen. Man merkte ihm die Freude darüber an.

Die Verkäufer nahmen ihre Plätze ein und griffen zu den Hörern. Jeder hatte eine Liste mit Namen und Telefonnummern vor sich liegen, die er abzuarbeiten begann.

Ein perfekt eingespieltes Ritual lief nun ab. Wie schnell zu sprechen war, wann die Stimme zu heben oder zu senken, wann eine Pause einzulegen war und wann der Kunde ja sagen durfte, war getestet, festgelegt und trainiert. Sobald ein Verkäufer die zweite Absage zu verzeichnen hatte, nahm ihn Bauer auf die Seite und hielt ein Schwätzchen mit ihm, um ihn wieder aufzubauen. "Dreimal hintereinander versagt und der Vormittag ist für ihn gelaufen", sagte Federl, "an drei Tagen nichts verkauft und er ist tot."

Nach dem Gespräch wurde der Name durchgestrichen und der Termin auf eine andere Liste übertragen. Dieser Name war verbraucht und musste nachmittags bei den Besuchen durch neu zu erfragende ersetzt werden. Der Verkaufsleiter überprüfte die Listen penibel an jedem Vormittag. Den Bestand an Empfehlungen trug er in eine eigene Liste ein.

Prokop blieb bis zehn Uhr. Als der Erfolg des Vormittages feststand, verabschiedete er sich und überließ Bauer den Rest. Der kam später zu ihm, um die Statistik durchzugehen. Die Erfolgsquote der Telefonie lag auch an diesem Tag wieder über neunzig Prozent. Später kamen dann die Verkäufer in Prokops Vorzimmer wieder zusammen, um die Anforderungen für die Angebote einzureichen, die am Vortag erzielt worden waren. Dafür gab es ein anderes Checklistensortiment.

Nie zuvor hatte Prokop so ein Verkaufssystem gesehen. Es war bis ins Letzte in Einzelschritte unterteilt, die festgelegt und trainiert waren. Natürlich wurde auch jeder der zahllosen Schritte protokolliert, in Sammellisten eingetragen und diese wiederum ausgewertet. Über jeden Schritt seiner Leute war Prokop genauestens informiert. Er konnte an der richtigen Stelle aktiv werden, wenn etwas aus dem Ruder zu laufen drohte. Eigenartig war nur, dass trotz intensiven Trainings und genauer Überwachung bei gleichzeitiger Sorge um das Wohl der Verkäufer die meisten bald wieder gekündigt werden mussten. Dafür gab es keine Checklisten und deshalb auch keine Statistik. Die Verkäufer brachten eine gewisse Zeit lang viel Geschäft, bis ihr Erfolg allmählich nachließ und dann ganz versiegte. In der Folge wurden die meisten Verträge wieder storniert. Prokop hatte es einmal nachgerechnet und war auf eine unglaublich hohe Stornoquote gekommen. Diese Aufstellung hatte aber niemand ansehen wollen.

Ein Direktor bei der Bonia war lediglich Chefbuchhalter und Animateur in Personalunion. Alles war in diesem System zu Verbrauchsmaterial geworden, Namen, Telefonnummern, Kunden und Mitarbeiter. Qualität und Quantität hatten zu stimmen, der Einzelfall an sich spielte keine Rolle. Menschliche Aspekte, die im Verkauf eben mehr als anderswo den Ablauf bestimmen, waren durch Komponenten in einer Materialflussrechnung ersetzt, die ständig verfeinert wurde. Dadurch konnte sich auch kein näherer Kontakt zu den Kunden entwickeln, weil die hohe Zahl an Erstbesuchen keine Nacharbeit zuließ. Für einen dritten Versuch gab es keine Statistik, denn der brachte keinen weiteren Antrag mehr.

Prokop zog sich in sein Büro zurück, ließ sich einen Espresso bringen und stopfte eine Pfeife.

Wenn sich später am Vormittag die Türe öffnete und Hornbach eintrat, dann war es leicht möglich, dass eine halbe Stunde später Hornbach in Prokops Büro zurü

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