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Einsiedeln Kriminalroman von Götschi, Silvia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2018
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
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Einsiedeln

Valérie Lehmann ermittelt in der katholischen Hochburg. Als man sterbliche Überreste einer Frau im Sihlsee findet, steht die Zeit in Einsiedeln still. Wer war die Frau, und wie ist sie gestorben? Eine Identifizierung ist nicht möglich, doch die Ermittler finden Hinweise, die ins Kloster Einsiedeln führen. Dann geschieht ein zweiter Mord. Für Oberleutnant Valérie Lehmann beginnt eine rastlose Suche nach dem Täter, denn auch ein Mitglied des Benediktinerordens schwebt in Gefahr.

Silvia Götschi, geboren 1958 in Stans, lebte und arbeitete viele Jahre im Kanton Schwyz. Von Jugend an widmet sie sich dem literarischen Schaffen und der Psychologie. Seit 1998 ist sie freischaffende Schriftstellerin und Mitarbeiterin in einer Werbeagentur. Sie hat drei Söhne und zwei Töchter und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Luzern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 28.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960413639
    Verlag: Emons
    Serie: Valérie Lehmann .4
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Einsiedeln

ZWEI

Bereits im Vorraum überkam Valérie leichter Schwindel. Nur widerwillig zog sie sich den bereitgelegten sterilen Anzug an. Die Haare band sie zusammen und steckte sie unter eine Haube.

Das kalte Neon hüllte alles in ein gespenstisch blasses Licht. Ein anonymer Ort, der nichts Freundliches ausstrahlte. Hier zu arbeiten erforderte eine gewisse Abgebrühtheit. Andererseits waren die Toten, wenn sie hierhergebracht wurden, seelenlose Materie, von der keine Energie mehr ausging. Trotzdem fröstelte es Valérie jedes Mal aufs Neue. Der Raum glich einer Katakombe mit weissen Kachelwänden und einem ebensolchen Boden, auf dem Rinnen eingefügt waren, die unter jeder Arbeitsfläche in einen Abflussschacht führten. In akkuratem Abstand waren fahrbare Alutische aufgestellt, auf denen zugedeckte Körper lagen. Valérie warf schnell einen Blick darauf, bevor sie ihre Aufmerksamkeit dem Gerichtsmediziner widmete.

"Zwei Opfer einer Messerstecherei in Zürich", sagte Stieffel, "ein Toter mit Verdacht auf Vergiftung und eure zerstückelte Wasserleiche. Gestern muss der Wurm drin gewesen sein. Die Leute spielten verrückt."

Valérie hatte Stieffels trockenen Humor noch nie verstanden.

Er ging zum Alutisch mit den grünen Tüchern, unter denen Valérie anhand der Formen die Leichenteile aus dem Sihlsee vermutete. Sie hatte absolut kein Verlangen, diese zu begutachten. Sie würde jedoch nicht darum herumkommen. Daran, dass Stieffel sie aus andern Gründen als die der Leichenschau hatte kommen lassen, wollte sie nicht glauben. Obwohl alles dafür sprach. Er schien sie mit seinem Blick geradezu ausziehen zu wollen, aber das regte sie nicht mehr auf. Vielmehr musste sie sich wieder gegen diesen Geruch wehren. Formaldehyd - trotzdem besser zu ertragen als der Gestank nach Verwesung.

"Danke, dass du gekommen bist." Stieffels ernste Mimik veränderte sich nicht. Zwischen Nase und Mundwinkel hatten sich tiefe Falten eingekerbt. Die waren neu. Valérie erinnerte sich nicht daran, die schon einmal gesehen zu haben. "Wie erwähnt, habe ich die Legalinspektion vorgenommen. Der Bericht ist bereits unterwegs zu Fischbacher. Aber es gibt etwas, das konnte ich so nicht beschreiben."

"Ich bin gespannt." Valérie blieb zwei Schritte vom Tisch entfernt stehen. In Wahrheit war sie nervös. Stieffels Bemerkung hatte sie auf dem Weg hierher nicht mehr losgelassen. Was konnte so furchtbar sein, dass selbst er die Worte dafür nicht fand?

"Es handelt sich um die sterblichen Überreste einer Frau von ungefähr achtzig Jahren", sagte Stieffel und brachte die Zwischenbemerkung an, wie schwierig die Analyse der Wasserleiche gewesen sei. "Aufgrund der tiefen Wassertemperatur und des damit verbundenen verminderten Bakterienbestands konnte ich zumindest die Fingerabdrücke ohne Probleme entnehmen. Mein Kollege hatte die Leichenteile vor Ort fixiert und sie mittels Injektion konserviert, was meine Arbeit hier etwas vereinfachte. Aber das Alter des Opfers machte die ganze Sache auch nicht besser. - Sie war nicht übergewichtig, ihr Körper weist den normalen Zerfall auf. Sie litt unter Arthrose und Gicht, was primär die deformierten Fingerkuppen beweisen."

"Eine achtzigjährige Frau? Warum wurde sie Opfer einer solch brutalen Tat?"

"Um das herauszufinden, bin ich nicht da. Ich kann dir aber sagen, was sie vor ihrem Ableben zu sich genommen hat."

"Ich gehe davon aus, das steht auch im Bericht." Valérie hatte kein Verlangen, den detailgetreuen Mageninhalt zu erfahren.

Stieffel ignorierte es. "Sie muss ziemlich viel Wein getrunken haben -"

"Aber", unterbrach Valérie, "wie konntest du das herausfinden, wenn das Blut fast komplett fehlt?"

"Richtig. Sie war ausgeblutet. Das heisst auch, dass ihr Arme und Beine abgetrennt wurden, während sie bei Bewusstsein war - möglicherweise war sie ohnmächtig. Ich hätte es ihr gewünscht."

"Grosser Gott!" Valérie suchte Halt an einem Aluschrank. "Eine Hinr

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