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Eisige Tage Kriminalroman von Pohl, Alex (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.12.2018
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Eisige Tage

Die Welt des Verbrechens beginnt vor deiner Haustür ... Winter in Leipzig, die Stadt erstarrt in Eiseskälte. In einem Auto am Elster-Saale-Kanal wird die steifgefrorene Leiche eines Anwalts gefunden. Was für die smarte Kommissarin Hanna Seiler und ihren starrköpfigen Kollegen Milo Novic zunächst nach einem Routine-Mordfall aussieht, entpuppt sich rasch als ein Dickicht krimineller Verstrickungen: Im Besitz des Toten finden sie skandalträchtiges Material, darunter das Foto eines minderjährigen Mädchens, das seit einer Woche vermisst wird. Während die Stadt im Schnee versinkt, müssen die Ermittler eine düstere Welt betreten, in der schon die Jüngsten gefährliche Spiele treiben ... Alex Pohl hatte jede Menge Jobs, bevor er unter dem Pseudonym L.C. Frey ein riesiges Thrillerpublikum begeisterte. Mit "Eisige Tage" erschien 2019 der Auftakt einer neuen Krimireihe um das charakterstarke Ermittlerduo Hanna Seiler und Milo Novic - und um den Tatort Leipzig, seine Heimatstadt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 24.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641228019
    Verlag: Penguin Verlag
    Serie: Penguin Taschenbuch 10323
    Größe: 2467 kBytes
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Eisige Tage

Das Mädchen

14. Dezember

Leipzig, Hauptbahnhof

Mittlerweile ist sie sicher, dass der Mann zu ihr herüberschaut. Dass er sie schon seit einer ganzen Weile beobachtet, aus dem Schatten neben dem Eingang zum Bahnhof heraus, wo er sich eine Kippe nach der anderen ansteckt. Ob er glaubt, dass sie ihn dort nicht sehen kann?

Jetzt geht er zur Straße hinüber, wartet sogar an der Fußgängerampel, obwohl das lächerlich ist, weil um diese Uhrzeit sowieso kaum noch Autos unterwegs sind. Der Mann schlingt den Mantel fester um seinen Körper, während er darauf wartet, dass die Ampel auf Grün springt. Das Mädchen weiß, was sein Ziel ist, noch bevor er sich in Bewegung setzt.

Er überquert die Straße, dann kommt er direkt auf sie zu. Sie spürt, wie ihr Puls sich beschleunigt. Warum sind ihr Kerle wie der da eigentlich früher nie aufgefallen? Weil sie nie nach ihnen Ausschau gehalten hat, lautet die ebenso simple wie einleuchtende Antwort. Manche Schatten sieht man erst, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Das hat sie schon vor langer Zeit begriffen.

Er setzt sich auf den freien Sitz neben sie, unter dem Vordach der Straßenbahnhaltestelle. Er schaut sie nicht an, als er zu sprechen beginnt. Dennoch ist klar, dass seine Worte nur ihr gelten können. Es ist sonst niemand in der Nähe.

"Bist du öfter hier?", fragt er, und das Mädchen muss beinahe kichern. Sie hat schon originellere Anmachen gehört.

"Kann sein", sagt sie. Nicht einmal abweisend. Neutral. Abwartend. Und hofft, dass er das Zittern in ihrer Stimme nicht bemerkt.

"Verstehe", sagt der Mann.

Als ob, denkt sie.

Dann holt er eine Zigarette aus der Tasche, steckt sich den Filter in den Mund, zündet sie mit einem Feuerzeug an. Seine Bewegungen wirken irgendwie achtlos, als würde auch er nur einem vorher festgelegten Spielplan folgen. Als seine Zigarette endlich brennt, nimmt er einen tiefen Zug und stößt den Rauch in die kalte Nachtluft.

"Bekomm ich auch eine?", fragt sie und wundert sich ein bisschen, weil er nicht von selbst auf die Idee gekommen ist, ihr eine anzubieten. Wäre doch eine prima Gelegenheit.

Der Mann erwidert nichts, aber er holt die Packung wieder aus der Innentasche seines Mantels hervor, klappt den Deckel auf und streckt sie ihr hin. Sie nimmt eine Zigarette.

Als er ihr sein Feuerzeug reichen will, sagt sie: "Für später", und steckt sich die Kippe hinters Ohr.

Dazu muss sie die Kapuze abnehmen. Jetzt zuckt sein Blick herüber, wandert für den Bruchteil einer Sekunde über ihr Gesicht, das lange glatte Haar, bevor sie die Kapuze wieder aufsetzt. Sie weiß, dass ihm dieser eine Blick vorerst genügen wird. Sie ist hübsch, und ihr ist klar, wie sie das bei ihm einsetzen muss, es ist beinahe wie ein Instinkt. Sie liebt es, ihren Instinkten nachzugeben. Das redet sie sich zumindest ein.

Er sitzt schweigend da, zieht an seiner Kippe, und dann kommt der Moment, an dem es nicht mehr so läuft wie geplant.

Der Mann wirft die halb gerauchte Zigarette vor sich auf den Boden und macht sich nicht einmal die Mühe, sie auszutreten. Dann zieht er etwas aus seiner Manteltasche. Das Mädchen erkennt, dass er ein Foto in der Hand hält, und sie wirft einen Blick darauf. Das Foto zeigt ein Mädchen, etwa in ihrem Alter, vielleicht ein bisschen jünger. Die Kleine auf dem Foto lächelt, aber man kann sogar bei diesem miesen Licht erkennen, dass sie das ziemlich gezwungen tut. Es ist eins von diesen professionellen Porträts, wie man sie bei einem Fotografen machen lassen kann. Die Art Fotografen, die einen aus unerfindlichen Gründen immer zum Lächeln zwingen. Auch wenn einem gar nicht danach zumute ist.

"Hast du sie gesehen?", fragt der Mann. Scheiße, denkt das Mädchen, ist der Kerl vielleicht ein Bulle? Oder ein Gestörter, also ... über das zu erwartende Maß hinaus gestört, oder ...

"Ich meine, hier irgendwo?", sagt der Mann, und j

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