text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Engelschatten Kriminalroman von Richmann, Marcus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2013
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Engelschatten

Der russischstämmige Chefermittler der Mordkommission Zürich, Maxim Charkow, wird mit einer Serie mysteriöser Mordfälle in katholischen Kirchen konfrontiert. Der Täter hinterlässt bei seinen Opfern Insignien der heiligen Sakramente. Charkows schlimmste Befürchtung, einen religiös motivierten Serientäter jagen zu müssen, scheint sich zu bestätigen. Erst der dritte Mord führt ihn auf eine neue, weitaus gefährliche Spur und in ein dunkles Kapitel Schweizer Geschichte ...

Marcus Richmann verfügt über georgisch-russische Wurzeln, in denen die Ursprünge zu seinem äußerst authentischen Ermittler Maxim Charkow zu finden sind. Seine Figuren sind brillant psychologisch gezeichnet, und für seine Geschichten lässt er sich von dunkeln Kapiteln der Schweizer Geschichte inspirieren. Der erste Fall für Maxim Charkow wurde bereits verfilmt. Marcus Richmann arbeitet als Autor von Romanen und Drehbüchern in Zürich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 376
    Erscheinungsdatum: 01.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839241820
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Serie: Gmeiner Original Bd.2
    Größe: 4999kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Engelschatten

1

Wie viel Leid erträgt ein Mensch?

Iwan Solowjow konnte nur noch hören und die Augen bewegen. Einzig seine Erinnerung teilte ihm mit, dass der Marmorboden kalt war, auf dem er nackt lag. Jeder Versuch, den Kopf zu drehen, scheiterte. Er fühlte nichts mehr, war gelähmt, aber bei Bewusstsein. Sein Blick war starr zur Decke gerichtet. Romanische Rundbögen stützten die Decke über dem Altar, auf deren Frontseite goldene Engel das Jesuskind schützend flankierten, welches geborgen in Marias Armen lag. In dem fahlen Mondlicht, das durch die Buntglasfenster ins Kirchenschiff drang, warfen die Gebetsbänke graue Schatten. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so einsam gefühlt.

Was war mit ihm geschehen?, fragte er sich, während er nach Luft rang.

Solowjow erinnerte sich an den Geruch von Weihrauch, als er die schweren Flügeltüren zur Kathedrale aufgestoßen hatte. Am eindrücklichsten war die Stille gewesen, die ihn umgab, als er wie verabredet - draußen war es bereits dunkel - das Hauptschiff betrat und zum Beichtstuhl hinüberging. Dort setzte er sich auf die kleine Holzbank, die unter seinem Gewicht knarrte, und zog den Vorhang zu. Man hatte ihm gesagt, er solle dort warten und auf keinen Fall seinen Platz verlassen, bis ihm jemand die Erlaubnis dazu gab. Kurz darauf vernahm er Schritte, die vor dem Beichtstuhl verstummten. Jemand betrat die gegenüberliegende Kammer, setzte sich und schob das Verbindungstürchen zwischen ihnen auf. Die Dunkelheit und das Flechtwerk aus Holz schützten die Identität seines Gegenübers.

"Du bist hier, um die Wahrheit zu erfahren?", fragte ihn eine unbekannte Stimme.

"Ich bin hier, um zu erfahren, was Sie wissen", antwortete er leise.

"Ich weiß mehr, als du glaubst", war die knappe Antwort. "Wer führt euch an?"

"Von was reden Sie?"

"Wer führt euch an?", kam erneut die Frage. Die Stimme klang nun ungehalten.

"Wir wissen es nicht."

"Bei dir finden die Treffen statt. Du musst es wissen."

Solowjow schwieg.

"Ich habe euch gesehen."

Anscheinend hatte man ihn und die anderen beobachtet. Er wusste, worauf der Unbekannte ihn ansprach. Solowjow hatte trotzdem keine Ahnung, wer der Führer war. Er war nie bei den Treffen anwesend. "Den Führer kennt niemand", verteidigte er sich.

"Du lügst!"

"Verdammt noch mal! Ich lüge nicht", schrie Solowjow zurück. "Niemand kennt ihn. Wenn Sie angeblich alles wissen, kennen Sie ja auch unser ungeschriebenes Gesetz. Wer versucht, seine Identität in Erfahrung zu bringen, spielt mit seinem Leben!"

Es entstand eine Pause. Der Unbekannte schien abzuwägen, ob er ihm glauben konnte.

"Du und die Deinen haben meinen Engel gestürzt", brach der Unbekannte das Schweigen. "Und so werdet ihr gestürzt vom Thron des Hochmuts."

"Was wollen Sie damit sagen?"

"Dir sollen erst deine Sünden vergeben werden."

Das Verbindungstürchen wurde ganz geöffnet. Solowjow versuchte zu erkennen, wer zu ihm sprach. Doch es war zu düster, um gegenüber mehr als nur einen Schatten zu sehen. Aus der Dunkelheit streckte sich ihm eine weiße, feingliedrige Hand entgegen. Am Geruch nach Gummi erkannte er, dass der Unbekannte Latexhandschuhe trug. Diese Tatsache irritierte ihn. Er hatte keine Zeit, sich über die Gründe klar zu werden, denn man reichte ihm in diesem Moment eine Oblate und bat ihn, den Mund zu öffnen.

"Was soll das?"

"Nimm den Leib und das Blut Christi", forderte ihn die Stimme auf.

Widerwillig nahm er die Hostie. "Sagen Sie mir, was Sie wissen. Und nennen Sie mir den Preis für Ihr Schweigen."

Anstatt einer Antwort wurde ihm aus dem Dunkel ein Kelch gereicht. "Nimm den Leib und das Blut Christi", forderte ihn die Stimme energisch auf.

Verärgert stieß Solowjow den Kelch weg. Erneut nahm er den penetranten Geruch von Gummi wahr. Einen Moment lang geschah nichts. Plötzlich schnellte die Hand nach vorne

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen