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Engelsgleich von Krist, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2014
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Engelsgleich

Ein verschwundenes Mädchen. Eine verzweifelte Mutter. Eine grauenhafte Entdeckung.
In Berlin wird Hauptkommissar Paul Kalkbrenner zu einem Tatort gerufen. Auf einem Fabrikgelände wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt wird. Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird?

Martin Krist ist das Pseudonym des erfolgreichen Autors Marcel Feige. Geboren 1971, arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften und lebt seit 1998 als Schriftsteller in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 05.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843709811
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1814 kBytes
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Engelsgleich

1 Ich weiß noch genau, wie an diesem Abend alles begann - mit Unterleibsschmerzen und mit Toby, dessen Stimme durch unser Haus schallte.

"Juli! Juli!", schrie der Kleine, mit sechs Jahren das jüngste unserer Pflegekinder. "Juli, Juli, schnell!" Aufgeregt trommelte er gegen die Toilettentür. "Du musst kommen!"

"Oh ... Toby", stöhnte ich, während ich mich vor Schmerzen krümmte, "was ... ist denn?"

"Schnell, Juli, der Zaun, da ist ein Loch."

"Welcher ... Zaun?"

"Der im Garten!" Toby hämmerte an die Tür. " Du musst dich beeilen, sonst ist Chuck ... ist Chuck ..." Seine Stimme überschlug sich vor Aufregung.

"Ich ... komme", presste ich hervor, "aber jetzt ...", ich holte Luft, während mein Unterleib noch um einige Zentimeter mehr anzuschwellen schien, "hör bitte auf, so einen Radau zu machen."

"Aber ..."

"Was habe ich gesagt?"

Toby verstummte.

"Juli!", tönte stattdessen Elsa aus dem Garten, die nicht nur fünf Jahre älter, sondern auch stimmgewaltiger als Toby war, "Chuck will durch den Zaun abhauen!"

Ich griff in die Pappschachtel auf dem Spülkasten hinter mir. Sie war leer. Na toll! Ich beugte mich zum Vorratsschränkchen unter dem Waschbecken vor. Ein weiterer Krampf, der bis in meinen Rücken strahlte, ließ mich zusammenzucken.

Mit aufeinandergepressten Zähnen klaubte ich eine neue Packung aus dem Schrank und fischte einen Tampon heraus.

"Juli!", brüllte Elsa, "ich kann Chuck nicht mehr halten!"

"Ich bin unterwegs!" Ich drückte die Klospülung, stieß mir beim Aufstehen meinen Zeh am Katzenklo und erschrak vor dem Gesicht im Spiegel. Mein Mund war schmerzverzerrt, meine Haut mit Pickeln übersät, als ginge ich nicht auf die vierzig zu, sondern steckte mitten in der Pubertät.

Wie ich das hasste, jeden Monat aufs Neue.

Ich trat in die Diele.

Toby flitzte voraus in den Garten.

Die Luft dieses Spätsommerabends war warm, obendrein durchdrungen vom süßen Petunienduft unserer Blumenbeete, ein Geruch, der an Tagen wie diesen augenblicklich einen Druck hinter meinen Schläfen heraufbeschwor.

Bitte, flehte ich stumm, nicht auch noch das ...

"Juli! Juli!", rief Elsa aus einem unserer Gartenstühle. Ihr iPod war ins Gras gefallen, aus den Kopfhörern wummerte Hiphop. In ihren Armen zappelte der Kater. "Schnell, ich kann Chuck nicht mehr halten!"

"Warum bringst du ihn nicht rein?"

"Oh Mann, Juli!" Das Mädchen guckte mich entgeistert an, als wäre mein Vorschlag so abwegig wie, na ja, Helene Fischer auf ihrem iPod.

"Juli! Hier!" Das war wieder Toby, der mit Aaron, einem seiner Schulfreunde, am Rande des Gartens stand und wild winkte.

Ein fußballgroßes Loch klaffte im Maschendrahtzaun.

"Der war schon kaputt", sagte Toby.

Aaron nickte. "Wir haben nur ganz leicht geschossen."

Ich spähte auf das Feld jenseits unseres Gartens, wo ich in der Dunkelheit einen kreisrunden Schemen ausmachte, mindestens zwanzig oder fünfundzwanzig Meter weit entfernt.

"Sehr leicht also", murmelte ich, während ich mich neben dem zerfetzten Zaun hinhockte. Ich ignorierte meinen rumorenden Unterleib und den wachsenden Druck im Kopf. Angesichts unserer aufgelösten Kinder und - das war fast noch schlimmer - meiner beiden linken Hände waren meine allmonatlichen Beschwerden eindeutig mein geringstes Problem.

Einen Zaun flicken? Ich? Ich würde einen Nagel sogar dann verfehlen, wenn der Kopf den Umfang eines Suppentellers besaß.

Trotzdem musste ich mir was einfallen lassen.

Unsere Straße, der Rudolf-Ditzen-Weg, mochte zwar in einem ruhigen Wohnviertel un

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