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Erbschleicher Kriminalroman von Mucha, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.02.2014
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Erbschleicher

Arno Linder heuert als Privatsekretär bei Millionär Sternwald an. Um den todkranken alten Mann hat sich seine liebende Familie versammelt, denn wer zum Erben zu spät kommt, den bestraft das Leben. Als Arno in einer Bank überfallen wird, verschwindet Sternwalds Testament und kurz darauf verstirbt der Millionär. Erben und Polizei jagen hinter dem verschwundenen Dokument quer durch Wien. Nur Arno denkt sich: Warum nicht fälschen? Leider taucht das Original wieder auf - aber auch dem kann abgeholfen werden. Martin Michael Mucha, geboren 1976 in Graz, studierte in Wien Philosophie, Geschichte und Theologie und promovierte in Philosophie. Er arbeitet seit fast zehn Jahren im Bereich Drehbuch für Kino- und Fernsehfilme. Seiner ausgedehnten Reisetätigkeit, vor allem nach Asien und Afrika, entsprang bisher ein Bild-/Textband über Afghanistan und Tadschikistan. Martin Mucha lebt als verheirateter Familienvater in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 318
    Erscheinungsdatum: 05.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839243541
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 3172 kBytes
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Erbschleicher

I

Der Winter in Wien hat was von der Redewendung "wenn die Hölle zufriert". Kalte Nässe, die einem ins Mark dringt, kalte Windböen, die wie die Erinnyen kreischend sich durch Hemd und Mantel bohren, kalte Gesichter überall. Aber die Kälte ist nur der eine Teil des Verdrusses, den der Winter bringt. Der andere Teil ist die völlige Abwesenheit von Farben. Die Stadt ist so grau, dass sogar die Lichter der Verkehrsampeln farblos wirken. Kalt, freudlos, abweisend, so präsentiert sich die Stadt, wie die zugefrorene Hölle eben. Das Einzige, das in Wien noch beschissener ist als die Wiener, ist das Wetter.

Schlimm ist die Nässe, die durch die Sohlen der Schuhe dringt, die sich am Schal vorbei ins Unterhemd schleicht und die Finger in den Manteltaschen steif werden lässt. Schlimmer noch ist aber der Winterstaub, wenn es länger nicht geregnet hat. Dann ist die Stadt trocken wie die Takla Makan. Das Atmen wird mühsam, der Staub des von den Autoreifen zerriebenen Streuguts liegt auf allen Oberflächen, und der unbarmherzige Wind treibt die Partikel vor sich her. An den Duft von Blumen kann sich dann niemand mehr erinnern, alles schmeckt nur noch nach zermahlenem Granit.

Nach endlosen Monaten voller Hoffnungslosigkeit und rinnender Nasen wirft man dann einmal einen Blick in den Kalender und stellt fest, dass es erst Anfang Jänner ist. Gefühlte zwölf Monate vor Frühlingsbeginn. An manchen dieser Tage scheint es, als wäre der Frühling gestorben und käme nie wieder. Frühling und Sommer nehmen in diesen Zeiten für den gelernten Österreicher einen Klang an wie Verwaltungsreform oder WM Qualifikation. Es wird ständig davon geredet, aber jeder weiß, dass es nie eintreten wird. Der letzte Konvent zur Verwaltungsreform wurde aufgelöst, als nach zwei Jahren intensiver Tagungstätigkeit als einziges Ergebnis eine Erhöhung der Politikergehälter zu Buche stand. Und in der letzten Qualifikation hat uns sogar Kasachstan verprügelt. Wie es mit dem Frühling steht, wagt man dann nicht einmal mehr zu fragen.

In solchen Zeiten treten dafür aber andere Dinge ein. Man steigt in die einzige Lacke zwischen Landesgericht und Stephansdom, wenn man das Institut verlässt. Man verpasst die Ring-Bim auf dem Weg zur Staatsoper und kommt zu spät zu seinem Rendezvous. Man wird angezischt.

"Arno, kannst du nicht einmal pünktlich sein?" Man entschuldigt sich, hilft Laura aus dem Mantel und hält dem Kontrolleur die Karten hin. Man versucht, sich auf die Oper zu freuen, aber es gelingt nicht. Weil man 40 Minuten zuvor in der Institutskonferenz erfahren hat, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Man ist arbeitslos.

Dieses neutrale man , das mit nassen Füßen friert, bin ich, Arno Linder. 33 Jahre alt, promovierter Philologe und diplomierter Negerant sub auspiciis. Nachdem ich mich jahrelang von einem Vertrag zum nächsten gehangelt hatte, mit mehr Glück als Verstand, war jetzt die Katastrophe über mich hereingebrochen. Dem Institut für Klassische Philologie an der Uni Wien waren die Mittel gekürzt worden, zwei Forschungsstipendien waren nicht bewilligt worden, und so musste unnötiger Ballast abgeworfen werden. Manpower freisetzen, sagt man dazu. Tut verdammt weh. Wie sang Sixt Rodriguez so schön:

"Cause I lost my job two weeks before Christmas

And I talked to Jesus at the sewer

And the Pope said it was none of his God-damned business

While the rain drank champagne."

Im Orchestergraben wurden derweil die Instrumente gestimmt. Ansonsten ein Moment höchsten Genusses, voller Vorfreude auf das Kommende, wenn die Erregung der Musiker und des Publikums spürbar wird, sodass es scheint, als würde sic

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