text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Es scheint die Sonne noch so schön von Vine, Barbara (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Es scheint die Sonne noch so schön

Ein langer, heißer Sommer im Jahr 1976. Eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe junger Leute sammelt sich um Adam, der ein altes Haus in Suffolk geerbt hat. Sorglos leben sie in den Tag hinein, lieben, stehlen, existieren. Zehn Jahre später werden auf dem bizarren Tierfriedhof des Ortes zwei Skelette gefunden - das einer jungen Frau und das eines Säuglings...

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebte in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche Auszeichnungen, u.a. einen Silver Dagger, drei Gold Dagger und 1991 den Cartier Diamond Dagger für ihr Lebenswerk. 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk. Sie wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins House of Lords berufen. Barbara Vine starb am 2.5.2015 in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257601138
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: A Fatal Inversion
    Größe: 1629 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Es scheint die Sonne noch so schön

[5] 1

Der reglose Körper lag auf einem Teppichrest in der Mitte des Jagdzimmers. Alec Chipstead sah sich suchend um, dann nahm er von einem der Haken einen Regenmantel, bedeckte den Körper damit und überlegte zu spät, daß er den Mantel nun nie wieder würde tragen können.

Er ging hinaus, um den Tierarzt zu verabschieden.

"Ich bin froh, daß es vorbei ist."

"Seltsam, wie schmerzlich so was sein kann", sagte der Tierarzt. "Sie werden sich sicher einen neuen Hund anschaffen?"

"Ich nehme es an, ja, aber das muß Meg entscheiden."

Der Tierarzt nickte und stieg in seinen Wagen. Dann steckte er den Kopf zum Fenster hinaus und fragte, ob er den Kadaver wirklich nicht abholen lassen sollte. Nein, sagte Alec, schönen Dank, aber darum würde er sich selbst kümmern. Er sah dem Wagen nach, der die lange, ansteigende Straße hochfuhr - die "Trift", wie die Leute hier in der Gegend sagten -, unter den tief hängenden Zweigen der Bäume hindurch, und dann hinter der Biegung verschwand, dort, wo der Kiefernwald begann. Der Himmel war von blassem Silberblau, die Bäume waren noch grün und hatten nur hier und da ein paar gelbe Sprenkel. Der September war feucht gewesen, und auch die Rasenflächen, die sanft bis zum Waldrand abfielen, waren grün. Am Rand des Rasens, den zur Auffahrt hin eine [6] Blumenrabatte begrenzte, lag ein zerbissener Gummiball. Wie lange war der wohl schon da? Bestimmt ein paar Monate. Mit dem Ballspielen war es für Fred schon lange vorbei gewesen. Alec steckte den Ball in die Tasche. Er ging ums Haus herum, stieg über die Steinstufen zur Terrasse hinauf und trat durch die hohe Tür ein.

Meg saß im Salon und tat, als sei sie in die Lektüre von Country Life vertieft.

"Er hat nichts gemerkt", sagte Alec. "Ganz friedlich ist er eingeschlafen."

"Wie dumm wir uns benehmen..."

"Ich hatte ihn auf dem Schoß, er ist eingenickt, der Tierarzt hat ihm die Spritze gegeben, und dann ist er - gestorben."

"Wir hätten ihn nicht länger halten können, nicht mit diesem schrecklichen Veitstanz. Es war ja nicht mehr mit anzusehen, und für ihn muß es die Hölle gewesen sein."

"Ich weiß. Wenn wir Kinder gehabt hätten, Liebes... Ich meine, Fred war nur ein Hund, und manche Leute machen so was auch bei Kindern durch... Man muß sich das mal vorstellen."

Kummer macht zuweilen eine scharfe Zunge. "Daß Eltern den Arzt holen, um ihre kranken Kinder einschläfern zu lassen, habe ich allerdings noch nicht gehört."

Alec sagte nichts mehr. Er ging durch die große, schön proportionierte Halle mit dem anmutig geschwungenen Treppenaufgang und unter dem breiten Bogengang hindurch zum Küchenbereich und zu dem dahinter liegenden Jagdzimmer. Sie hatten die beiden Küchenräume Zusammenlegen und hochmoderne Küchenmöbel und -geräte [7] einbauen lassen. Hier merkte man nichts davon, daß das Haus zweihundert Jahre alt war. Die Bezeichnung Jagdzimmer für den Raum, in dem der Gefrierschrank stand und in dem sie ihre Mäntel aufhängten, hatten sie von ihrem Makler übernommen. Jagdwaffen gab es dort jetzt nicht mehr, doch zu Zeiten der Berelands hatten da sicher welche gehangen, und ein alter Junker Bereland hatte in einem Windsorstuhl an einem Tisch aus massiven Kiefernbrettern gesessen und sie geputzt...

Er lüpfte eine Ecke des Regenmantels und warf einen letzten Blick auf den toten Beagle. Meg war zu ihm getreten. Rührselig dachte er - sagte es aber nicht laut -, daß die braunweiße Stirn nun endlich Ruhe vor den qualvollen Zuckungen hatte.

"Er hat es schön gehabt im Leben."

"Ja. Wo wollen wir ihn begraben?"

"Auf der anderen Seeseite, dachte ich, in dem kleinen Forst."

Alec hüllte den Körper in seinen Regenmantel, wickelte ihn ein wie ein Paket. Der Mantel hatte schon bessere Tage gesehen, aber er hatte ihn seinerzeit bei Aquascutum gekauft, - ein teures Lei

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen