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Eskapaden Der achte Fall für Bruno, Chef de police von Walker, Martin (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Eskapaden

Das Périgord ist das gastronomische Herzland Frankreichs - neuerdings auch wegen seiner aus historischen Rebsorten gekelterten Weine. Doch die Cuvée Éléonore, mit der die weitverzweigte Familie des Kriegshelden Desaix an ihre ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen will, ist für Bruno, Chef de police, eindeutig zu blutig im Abgang.

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord und war 25 Jahre lang bei der britischen Tageszeitung The Guardian Bruno

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257607208
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: The Dying Season
    Größe: 1147 kBytes
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Eskapaden

{7} 1

B enoît Courrèges, Chef de police der Kleinstadt Saint-Denis und allen bekannt als Bruno, hatte sich so sehr auf diesen Tag gefreut, dass er nie auf die Idee gekommen wäre, er könnte tragisch enden. Die Aussicht darauf, den Helden seiner Jugend zu treffen, von ihm auf sein Schloss eingeladen zu werden und die Hand eines der illustresten Söhne Frankreichs zu schütteln, ließ ihn vor Ehrfurcht erschauern. Was bei ihm nur selten der Fall war.

Bruno interessierte sich für den Patriarchen, seit er als Junge im Wartezimmer eines Zahnarztes in einer zerlesenen Paris Match auf einen Artikel über ihn gestoßen war und von seinen Heldentaten gelesen hatte, und zwar so brennend, dass er am liebsten ein Album über ihn angelegt hätte, um sämtliche Bilder und Reportagen über ihn darin zu sammeln. Aber weil er als Waisenkind und später als Mündel seiner Tante keinen direkten Zugriff auf Zeitungen oder gar Illustrierte hatte, musste er mit Büchereien vorliebnehmen, zuerst mit der des kirchlichen Waisenhauses und später mit der öffentlichen Bibliothek von Bergerac. Die Bilder waren ihm unauslöschlich im Gedächtnis haftengeblieben: sein Held vor einem Kampfflieger in Tarnfarben in hohem Schnee; in kurzen Hosen und mit einem schweren Bajonett bewaffnet in der Wüste; mit einem Drink in der Hand in einem {8} eleganten Schloss oder Salon. Auf seinem Lieblingsbild war er als Pilot zu sehen, mit zerzaustem Haar, den Fliegerhelm in der Hand, mit dem er einer Gruppe Mechaniker und Fliegerkameraden zuwinkte, die jubelnd auf ihn zuliefen, um ihn als ersten Franzosen zu feiern, der die Schallgrenze durchbrochen hatte.

Jetzt war der große Moment gekommen, und Bruno musste unwillkürlich grinsen, als ihm bewusst wurde, wie aufgeregt er war. Als ehemaliger Soldat kannte er das Durcheinander von Befehlen und Gegenbefehlen, all die aufreibenden Spannungen, die der Krieg mitbrachte, nur zu gut und wusste, dass im öffentlichen Bild des Patriarchen alle Makel, Misserfolge und gescheiterten Operationen einfach ausgeblendet waren. Und eigentlich hätte Bruno aus seiner Heldenverehrung mittlerweile herausgewachsen sein sollen. Aber ein Rest jugendlicher Schwärmerei für diesen Mann, den er für den letzten französischen Helden hielt, glühte wohl noch immer in ihm.

Als er sich in die Schlange der Gratulanten einreihte, die darauf warteten, dem Jubilar die Hand zu schütteln, wurde Bruno bewusst, dass er noch nie einem so prunkvollen und exklusiven Ereignis beigewohnt hatte. Das Château war zwar nicht besonders groß - nur dreigeschossig und mit jeweils vier Fenstern zu beiden Seiten des imposanten doppelflügeligen Portals -, dafür perfekt proportioniert und liebevoll restauriert. Der angrenzende Turm mit seiner trutzigen Brustwehr stammte aus dem Mittelalter, während das Schloss selbst die diskrete Eleganz des 18 . Jahrhunderts ausstrahlte. Auf der breiten Terrasse mit Blick auf den französischen Garten spielte ein Streichquartett den {9} Herbstsatz aus Vivaldis 'Vier Jahreszeiten', der vor Brunos innerem Auge die bukolischen Gemälde von Fragonard erstehen ließ, die er sich sehr gut als Wandschmuck in den unteren Salons vorstellen konnte.

Am Fuß der Treppe in den Schlosspark hatten sich über hundert Gäste eingefunden, die an Champagnergläsern nippten, miteinander plauderten und über die Kieswege zwischen den symmetrisch angelegten Beeten schlenderten. Oben auf der Terrasse, wo Bruno stand, drängten sich fast ebenso viele Menschen, die sich von Kellnern in Luftwaffenuniformen mit Getränken bedienen ließen und sich auf Französisch, Englisch, Deutsch, Russisch und Arabisch unterhielten. Bruno zählte mindestens ein Dutzend unterschiedliche Paradeuniformen und erkannte Politiker aus Paris, Toulouse und Bordeaux wieder, fast ausschließlich Mitglieder der konservativen Partei, aber auch einige sozialistische Bürgermeister

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