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Familiensache von Kroneck, Ulrike (eBook)

  • Erschienen: 06.07.2016
  • Verlag: Gmeiner
eBook (PDF)
7,99 €
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Familiensache

Walter-Hermann Budde, Besitzer eines Technologie-Unternehmens, wird verbrannt in seinem Haus gefunden. Hat Tochter Maja, von Enttäuschung getrieben, den Vater umgebracht? Oder wurde Sohn Hanns-Martin zum Mörder des lieblosen Vaters. Grund und Gelegenheit hatte auch der Enkel Sven. Die unausgesprochenen Erwartungen der Familienmitglieder und ihre verzweifelte Zwietracht machen alle gleichermaßen verdächtig. Im Geflecht schlimmer familiärer Verletzungen versucht die Osnabrücker Hauptkommissarin Johanna Kluge die Wahrheit zu ergründen.

Ulrike Kroneck liest (als Lektorin für Sachbuch und Wissenschaft) und schreibt (ihre eigenen Bücher) in Melle-Buer bei Osnabrück. Ihr Berufsleben begann in Berlin, wohin sie nach wie vor zahlreiche Kontakte pflegt. Nach der Zeit in den Verlagen Cornelsen, Berlin, und Gütersloher Verlagshaus als Programmleiterin zog sie der Liebe wegen in die Provinz und arbeitet dort seit 2000 selbstständig als Lektorin, Herausgeberin und Autorin. Sie schrieb mehrere Sachbücher. Mit Johanna Kluge hat sie eine Gestalt geschaffen, mit der sie noch weiteren tiefenpsychologisch fundierten Fällen nachgehen will.

Produktinformationen

    Größe: 2311kBytes
    Herausgeber: Gmeiner
    Untertitel: Kriminalroman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 247
    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783839250853
    Erschienen: 06.07.2016
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Familiensache

1. Kapitel

Johanna Kluge stand inmitten der Zerstörung. Das Skelett des großen Fensters, das in den ehemaligen Dielenbogen gebaut worden war, hing schief in den Angeln. Sie ging vorsichtig einen Schritt weiter in das ausgebrannte Haus, das zerborstene Glas knirschte unter ihren Stiefeln. Das Dach des Kottens war intakt, die Feuerwehrleute hatten ihr Zugang gewährt, es bestand keine Einsturzgefahr.

Mit einem Blick über die Schulter vergewisserte sie sich, dass es der Brandmeister war, der hinter ihr stand. Sie hörte seinen schweren Atem, mit dem er durch die Maske die Luft einsog. Auch sie trug eine Mundschutzmaske. Trotzdem roch sie die verbrannte Farbe an den Fenstern, die sich zu Blasen aufgeworfen hatte. Wie Rippen standen die Sprossen in den zum Teil noch erhaltenen Rahmen an allen Seiten vor dem Licht, das von außen auf sie geworfen wurde. In einigen Fenstern staken noch Reste der Scheiben.

Sie erfasste den Raum mit einem Blick um sich selbst. Er erstreckte sich über die gesamte Grundfläche des Hauses. Auf der linken Seite stand ein überdimensionales Sofa, dessen roter Samtbezug fast unversehrt war, die Sprungfedern von einem der beiden Sessel jedoch waren gesprungen. Der beißende Geruch von geschmolzenem Kunststoff stieg ihr in die Nase. Um diese Sitzgruppe herum schien der Teppich zum Teil verkohlt, über die gesamte Fläche verteilt lagen noch gut zu erkennende Reste von Stapeln von Zeitschriften.

Hauptkommissarin Kluge beugte sich vor und hob die obersten Exemplare eines Zeitschriftenstapels an, der wie eine schwarz verkohlte Pyramide wirkte. Es waren "Spiegel", "Bunte", "Bild der Frau" und "Eigentümlich frei" darunter - eine unvermutete Mischung. Der geflieste Boden neben den Zeitschriftstapeln war voller Scherben.

"Lauter Flaschen", sagte der Brandmeister hinter ihr. "Da auch." Er wies mit der Hand auf ein Metallgestell vor dem nahezu unbeschädigten Sofa, inmitten dessen ein Scherbenhaufen und einige unversehrte Flaschen lagen.

Auf der rechten Seite des Raumes war der Rahmen eines weiteren Sofas auszumachen. Verkohlt stand es etwas schief inmitten eines Durcheinanders von Balken, an deren Ende es aus den Löchern der Verzapfungen ab und zu zischte und Wasserdampf aufstieg.

Die Leiche lag in grotesker Verzerrung an die gebrochene Rückenlehne gelehnt, die Arme wie im Schlaf angewinkelt, die Beine zum Kinn gezogen. Auf Höhe der Brust war das Muster des Norwegerpullovers zu erkennen, der sich wie eine neue Haut um den Brustkorb des Mannes gelegt hatte. Die Augen in dem völlig verbrannten Gesicht waren Höhlen, die Nase ein glatter Klumpen, der lippenlose Mund weit geöffnet. Das Ganze wirkte wie eine moderne, bösartige Inszenierung.

Hauptkommissarin Johanna Kluge beugte sich vor und betrachtete den Schädel. Der Mann war offensichtlich kahl gewesen. Es gab keine geschmolzenen Haare am Kopf. Sie blickte auf die Scherben hinter sich. Mit Sicherheit hatte er eine natürliche Glatze gehabt. Er hätte sich wohl nicht die Mühe gemacht, seinen Schädel zu rasieren.

"Das war Walter-Hermann Budde", sagte der Brandmeister.

"Kannten Sie ihn?", fragte sie und ging vorsichtig um die Reste des Sofas herum, um den Schädel von hinten betrachten zu können, ohne ihn berühren zu müssen. Mit ihrer Lampe leuchtete sie den Hinterkopf ab, aber mit bloßem Auge war nichts zu erkennen. Sie schluckte, der Geruch des verbrannten Fleischs stieg ihr in die Nase. Sie ekelte sich.

"Jeder hier im Dorf kannte den alten Budde", sagte der Brandmeister in so selbstverständlichem Ton, dass Johanna Kluge stutzte.

Sie mochte es nicht, wenn sie auf zu viele vorgefasste Meinungen über einen Menschen traf. Das würde ihre Ermittlungen nicht erleichtern, weil sie sich zudem dagegen wappnen musste, nicht selbst mit Abwehr zu reagieren. Die stereotype Meinung über eine Person erleichterte möglicherweise das Leben der Menschen im Alltag untereinander, weil sie sich ni

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