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Festspielfieber Kriminalroman von Frühling, Tim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.05.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Festspielfieber

Schauspielerin und Diva Natascha Gessler, die Hersfeld nicht von Helmstedt unterscheiden kann, liegt tot in ihrer Garderobe der Stiftsruine. Kommissar Daniel Rohde und sein Team ermitteln mit Witz und Geschick - und stellen bald fest, dass die Spur zum Mörder weit in die Vergangenheit zurückreicht . . . Seit Tim Frühling arbeitet, arbeitet er beim Radio. Nach Praktikum und Volontariat beim Lokalfunk in Baden-Württemberg kam er mit 22 Jahren zum Hessischen Rundfunk. Seit 2008 präsentiert er im hr-Fernsehen und in der ARD außerdem das Wetter. www.timfruehling.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 19.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863589868
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Daniel Rohde Bd.2
    Größe: 3772 kBytes
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Festspielfieber

2

Der Sommer 1992 war in den neuen Bundesländern eine unruhige Zeit. Immer mehr Menschen verloren ihre Jobs, die blühenden Landschaften, die der Kanzler noch zur Wiedervereinigung versprochen hatte, schienen in unerreichbarer Ferne. An vielen Orten war die Euphorie verflogen, das alte Regime ohne Blutvergießen in die Knie gezwungen zu haben. Stattdessen machte sich in weiten Teilen der Bevölkerung eine tief greifende Ernüchterung breit. Ältere Menschen sehnten sich zum Teil den Sozialismus mit seinen klar gegliederten Strukturen zurück, jüngere fingen zunehmend an, sich zu radikalisieren.

Zielscheibe ihrer Wut waren häufig Ausländer, aber auch Homosexuelle, Intellektuelle und Andersdenkende. In Hoyerswerda waren schon im Jahr zuvor Asylbewerber und Arbeiter mit Migrationshintergrund Opfer der rechten Hatz geworden, in Rostock-Lichtenhagen bekam die Polizei die Ausschreitungen am "Sonnenblumenhaus" tagelang nicht in den Griff. Natürlich waren diese Pogrome nur die Spitze des Eisbergs. Viele kleine Taten fanden nicht ans Licht einer breiten Öffentlichkeit oder wurden schlicht niemals aufgeklärt.

Auch die Vorgänge in der Nacht auf den 22. Juli 1992 im sächsischen Crimmitschau sind heute weitgehend vergessen. Eine Truppe junger Schauspieler aus West-Berlin hatte sich in den Süden der ehemaligen DDR aufgemacht, um den Brüdern und Schwestern in der Provinz großstädtische Inszenierungen zu präsentieren. Nachmittags gaben sie für die Kinder Stücke des linken Berliner GRIPS -Theaters, die Erwachsenen bekamen abends auf einer improvisierten Bühne Stücke von Bertolt Brecht oder Wolfgang Borchert zu sehen. Alle Mitwirkenden hatten eine gehörige Portion Idealismus in das Projekt gesteckt. Sie wollten mit ihrer Tour gegen die ersten Theaterschließungen ankämpfen, zu denen sich manch klamme Kommune im Osten schweren Herzens entschlossen hatte.

Im Anschluss an eine mittelmäßig besuchte Aufführung der "Mutter Courage" saßen die Darsteller am Lagerfeuer und philosophierten mal wieder über Weltanschauungen, Politik und die Entwicklung des Theaters in Deutschland. Nach dem Genuss einiger Flaschen Wein und einem Joint, der die Runde gemacht hatte, verzogen sie sich in die hölzernen Bauwagen, die sie am Ufer der Pleiße im Halbkreis um ihre notdürftige Bühne postiert hatten.

Um kurz nach Mitternacht verstummten das Geflüster und das leise Lachen in den bunt bemalten Wagen. Zu diesem Zeitpunkt mussten die Angreifer schon in den Büschen gelauert haben.

Nach etwa einer halben Stunde schlichen vier maskierte Männer aus dem Ufergebüsch auf die Wagengruppe zu. In einer großen Sporttasche klirrte es leise. Acht Flaschen hatten sie mit Benzin und Lappen zu Molotowcocktails umgerüstet. Zwei für jeden Wagen, das war ihr Plan. Ohne zu sprechen, teilte sich die Gruppe auf. Zwei Vermummte sollten die Brandsätze in die Wagen auf der rechten Seite werfen, zwei kümmerten sich um die Bauwagen weiter links.

Die nächtliche Ruhe in der Pleiße-Aue wurde durch einen leisen Pfiff zerschnitten. Das vereinbarte Zeichen, die Molotowcocktails zu zünden und durch die geöffneten Fenster in die Schlafwagen der Schauspieltruppe zu werfen.

Alles ging blitzschnell: In zwei Wagen gab es gewaltige Verpuffungen, eines der hölzernen Gefährte wurde von den Brandsätzen komplett zerstört. Über die zwei anderen Wagen muss ein Schutzengel seine Hand gehalten haben: Die Benzin-gefüllten Flaschen sorgten zwar für ein mächtiges Feuer, sie explodierten aber nicht. Offenbar waren sie beim Hineinschleudern auf eine Bettdecke oder einen weichen Teppich gefallen, jedenfalls brachen die Flaschen nicht auseinander und verhinderten damit die gefährliche Detonation.

Aus den zwei anderen Wagen aber schallten markerschütternde Schreie. Die Opfer

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