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Feuerregen von Burke, James Lee (eBook)

  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Feuerregen

Deutscher Krimipreis 2015 in der Rubrik International für James Lee Burke! 'Burkes Stärke ist die pure erzählerische Wucht. Schon die Schilderung einer schlichten Autokreuzung kann ihm zum kleinen düsteren Meisterwerk geraten.' (Andreas Ammer, ARD) Als Billy Bob Holland die Verteidigung des zwielichtigen Diebes Wilbur Pickett übernimmt, entdeckt er, dass der Kläger Earl Dietrich in mörderische Geschäftspraktiken verwickelt sein könnte. Doch alle potenziellen Zeugen für Dietrichs schmutzige Geschäfte kommen auf mysteriöse Weise ums Leben... 'Niemand erweckt Schauplätze so gut zum Leben wie James Lee Burke, und niemand beschreibt emotionale Konflikte so perfekt wie er.' Elizabeth George

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 416
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955302887
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2891 kBytes
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Feuerregen

1

Man könnte einfach sagen, dass wir Earl Deitrich ablehnten, weil er reich war. In einem gewissen Maß stimmte das vielleicht sogar. Er war in River Oaks aufgewachsen, in Houston, in einem riesigen, von Schatten spendenden Bäumen umgebenen weißen Herrenhaus, das oben auf einer Anhöhe stand. Durch seine Ausmaße und die abgeschiedene Lage stellte es selbst in dieser Gegend, in der die wenigen Nachbarn über geradezu sagenhafte Vermögen verfügten, etwas Besonderes dar. Doch es lag nicht nur an seinem Geld, dass wir uns so schwer mit ihm taten.

Er war Offizier bei der Army und kam im Urlaub nach Deaf Smith, einer Stadt im Bergland von Texas, wo die kleinen Leute an den Bohrtürmen malochten oder in Kneipen bedienten, und die Neureichen im Country Club hockten und auf Zahnstochern kauten. Er benutzte seinen Reichtum wie einen Spiegel, mit dem er uns unsere Unzulänglichkeit vor Augen führte, nahm Peggy Jean Murphy von uns fort und brachte sie als seine Ehefrau und sein Eigentum zurück, fast so, als wäre sie ein Ausstellungsstück.

Peggy Jean Murphy, die herzergreifend schön war, die uns im Traum erschien, die allseits so geachtet wurde, dass sich nicht einmal die rüdesten Jungs aus dem West End einen losen Spruch über sie zu machen trauten, weil sie sonst von ihresgleichen windelweich geprügelt worden wären.

Earl Deitrich machte uns klar, dass all die Schwärmereien, denen wir uns hingaben, wenn wir sie bei Schulfesten auf den Tanzboden führten und uns vorstellten, sie zu heiraten, seit jeher nichts als eitle Hirngespinste von Arbeiterkindern waren, die niemals auch nur den Hauch einer Chance gehabt hatten. Vielleicht hatte nicht mal der Quarterback, in den sie auf der Highschool verliebt gewesen war, bevor er eingezogen worden und am Mekong getötet worden war, eine Chance gehabt.

Aber das war lange her. Ich versuchte, so gut es ging, nicht mehr an Peggy Jean zu denken. Sie und Earl verbrachten den Großteil des Jahres in Montana, sodass ich keine Gelegenheit hatte, sie zu sehen, beziehungsweise die Entscheidungen zu bedauern, die dazu geführt hatten, dass ich Polizeidienst an der Grenze tat und die monatelangen, nirgendwo verzeichneten und offiziell stets dementierten nächtlichen Vorstöße nach Coahuila machte, wo den Toten eine mit dem Emblem der Texas Rangers bedruckte Spielkarte in den Mund gesteckt wurde.

Aber sosehr ich es auch versuchen mochte, würde ich doch niemals den Frühlingsnachmittag vergessen, an dem Peggy Jean von meinem Pferd stieg und mit mir in ein Wäldchen über dem Fluss ging, wo ich in ihrem Schoß meine Unschuld verlieren durfte.

Als ich mich von ihrem heißen Leib löste, starrte sie mit hellblauen Augen blicklos zu den Wolken über den Wipfeln der Kiefern auf. Ich wollte, dass sie irgendetwas sagte, aber sie tat es nicht.

"Ich glaube, ich hab noch nicht allzu viel Erfahrung mit so was", sagte ich.

Sie strich mir mit der Hand über den Arm und ergriff meine Finger. Grashalme klebten an ihrer Schulter und an den Brüsten.

"Du warst prima, Billy Bob", sagte sie.

Da wusste ich, dass sie nicht mit mir geschlafen hatte, sondern mit einem Soldaten, der in Vietnam gefallen war.

"Hast du Lust, heute Abend mit mir ins Kino zu gehen?", fragte ich.

"Morgen vielleicht", erwiderte sie.

"Ich mag dich sehr. Ich weiß, dass es manchmal lange dauert, wenn man jemanden verliert ..."

"Wir sollten uns jetzt lieber auf den Heimweg machen. Morgen gehen wir ins Kino. Ich versprech's dir", sagte sie.

Aber gegen Geister kommt man nur schwer an. In unserer Stadt jedenfalls schaffte das niemand, bis Earl Deitrich eintraf.

Das Haus von Earl un

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