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Finstere Seelen von Eckert, Horst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.05.2014
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
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Finstere Seelen

Ist der ?Kannibale? zurückgekehrt? Eine junge Frau wird bestialisch ermordet aufgefunden. Einen ähnlichen Fall gab es schon mal - vor elf Jahren. Die Mordermittler Benedikt Engel und Ela Bach können zunächst nicht glauben, dass ein psychopathischer Serienkiller nach so langer Pause wieder in Erscheinung tritt. Handelt es sich womöglich doch um zwei Täter, einen Psychopathen und einen Trittbrettfahrer? Währenddessen stößt der junge Polizist Thilo Becker auf Fotos, die ihn in der eigenen Familie ermitteln lassen ... Horst Eckert, 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, lebt als hauptberuflicher Autor in Düsseldorf. Wie kaum ein Zweiter versteht er es, Spannung mit Tiefgang zu erzeugen, indem er Seelen in all ihren Schattierungen auslotet, und erweist sich als schonungsloser Chronist unserer Zeit. Davon zeugen zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt wurde ?Schwarzer Schwan? als bester deutschsprachiger Kriminalroman mit dem ?Krimi-Blitz? geehrt. Auch mit seinen - zum Teil ebenfalls preisgekrönten - Kurzgeschichten beweist Eckert immer wieder, dass er auch die ?Kleinkunst? des Krimischreibens perfekt beherrscht. Eckerts Romane sind ins Tschechische, Französische und Niederländische übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 412
    Erscheinungsdatum: 22.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894251697
    Verlag: Grafit Verlag
    Größe: 516 kBytes
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Finstere Seelen

19.

Er nahm das graue Sakko, das in die Reinigung musste, schloss die Wohnungstür ab und knipste das Treppenhauslicht an. Nicht die Tage wurden länger, dachte Benedikt Engel, sondern nur die Dämmerung. Sie begann täglich ein paar Minuten eher und ging irgendwann nahtlos in den Abend über, etwas später als am Vortag. Richtig hell wurde es nie, als liege Düsseldorf irgendwo am Polarkreis. Ben vermisste das Licht Lanzarotes.

Im Treppenhaus hing ein ungewohnt muffiger Geruch, die Tür zur Wohnung unter ihm stand offen. Er klopfte dagegen und lugte hinein – das Misstrauen hatte sein Beruf mit sich gebracht, bei jedem lauten Wortwechsel, bei jeder Person, die ungewöhnlich schnell ging, dachte er unwillkürlich an eine Straftat. Je länger er im Job war, desto weniger konnte er diese Gewohnheit abschütteln, die ihm selbst lästig war.

"Frau Peterson", rief er, nicht sehr laut.

Ein Poltern kam ihm entgegen. Zwei Sanitäter oder Zivildienstleistende schleppten eine Trage, auf der Emmi Peterson lag, eine drahtige Dame von fast achtzig Jahren. Ben schloss die Tür der Nachbarin und folgte die Treppe hinunter. Ein Sanitäter fragte, ob die alte Dame Verwandte habe, die zu verständigen seien. Seines Wissens nicht, antwortete der Hauptkommissar und stellte erleichtert fest, dass Emmi bei Bewusstsein war. Vielleicht wollte sie nur die Einsamkeit der Feiertage mit der geschäftigen Fürsorge eines Krankenhauses vertauschen. Emmi Peterson war in den letzten Jahren seltsam geworden. Einmal hatte sie ihre Nachbarn, darunter auch ihn, beschuldigt, ihr Apartment mit Kameras zu überwachen und ihr über versteckte Lautsprecher Befehle zuzuflüstern.

Draußen fegte eine kalte Windbö durch die Straße. Die spärlichen Tropfen lohnten nicht, den Regenschirm aufzuspannen. Ben überquerte die Straße zwischen zwei vorbeirauschenden Autos, deren Fahrer sich nicht um die Tempo-30-Zone scherten. Er betrat das Büdchen und griff nach den Samstagsausgaben der Zeitungen – die ersten seit Heiligabend.

Die dicke Verkäuferin sah aus ihrer Lektüre hoch und schimpfte auf die angeblich unfähigen Bullen. Sie nahm sogar ihre Zigarette aus dem Mund – offenbar wollte sie zu einer längeren Rede ansetzen. Ben warf ihr ein paar Münzen zu und machte sich wortlos auf den Weg. Er hatte sich in der Nachbarschaft nie als Polizeibeamter geoutet – jetzt verspürte er noch weniger Lust dazu denn je.

Ben pflückte einen Werbezettel von der Windschutzscheibe, startete seinen Golf, drehte die Scheinwerfer an und tippte den Intervallschalter der Scheibenwischer nach unten. Ein neuer Arbeitstag – während der Rest der Welt den Samstag als eine Art dritten Weihnachtstag feierte.

An der Ampel ein rascher Blick in die Zeitungen: Der jüngste Tankstellenüberfall hatte die tote Krankenschwester von Seite eins verdrängt. Erwartungsgemäß nichts über die Altstadtwache – noch nichts. Dafür glotzte im Innenteil des Blitz groß das Phantomfoto des Fliegenmanns entgegen. Offiziell war Winter lediglich ein gesuchter Zeuge – Nachbarn sollten ihn ohne große Gewissensbisse denunzieren können.

Inzwischen krochen aus allen Löchern die Wichtigtuer: Obermuftis, die Ben vor drei Tagen noch auf die Schulter geklopft hatten, wurden nervös, der karrieregeile Staatsanwalt machte Druck und der Polizeisprecher deutete an, dass Friedrichsen, Chef der Abteilung Gefahrenabwehr/Strafverfolgung und vor Kripochef Sonntag Nummer zwei der Behörde, bald die Geduld verlieren und Benedikt Engel der Presse zum Fraß vorwerfen würde. Dazu kamen die ganz normalen Idioten: Weit über das Stadtgebiet hinaus wollten Anrufer die E

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