text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Finsteres Kliff Sylt-Krimi von Weiß, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.03.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

8,99 €1

3,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Finsteres Kliff

Februar. Ein Orkantief liegt über Sylt. Nicht die beste Zeit, um auf die Insel zu reisen, doch Liv Lammers ruft die Pflicht. Auf dem Morsum-Kliff wurde eine Leiche entdeckt, kurz nach dem Biikebrennen, und der Tatort sieht aus, als habe ein blutiges Ritual stattgefunden. Das Opfer: Joon Schwensen, ein Hobby-Archäologe, der angeblich einem Wikingerschatz auf der Spur war. Hat der Raubgräber seine Passion für die Wikinger zu weit getrieben? Oder ist die grausige Inszenierung nur ein Ablenkungsmanöver? Liv Lammers und ihre Kollegen von der Flensburger Mordkommission ermitteln in alle Richtungen. Sabine Weiß arbeitete nach ihrem Germanistik- und Geschichtsstudium als Journalistin. Seit 2007 veröffentlicht sie erfolgreich Historische Romane, seit 2016 auch Kriminalromane um die junge Kommissarin Liv Lammers. Wenn sie nicht gerade mit ihrem Camper auf den Spuren ihrer Figuren reist und recherchiert, lebt Sabine Weiß mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 399
    Erscheinungsdatum: 29.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572106
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Finsteres Kliff
    Größe: 1974 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Finsteres Kliff

3

Flensburg, Mittwoch, 22. Februar

"Sach mal, der hat ja wohl einen an der Marmel!", schimpfte Elise ganz undamenhaft und warf empört die Hände in die Höhe.

Liv Lammers, Kommissarin bei der Flensburger Mordkommission, war neben ihrer Großmutter aufgesprungen. Jetzt grinste Liv Elise an.

"Ohehaueha, mit dir ist ja heute nicht gut Kirschen essen", sagte sie.

"War aber auch geklammert. Böses Foul", urteilte Livs Tochter Sanna, die auf Elises anderer Seite saß und selbst Handball spielte. Die gemeinsamen Besuche bei den Handball-Heimspielen der SG Flensburg-Handewitt waren eine liebgewonnene Tradition ihrer Familie. Die drei Frauen wohnten nicht nur zusammen, sie waren auch sonst auf einer Wellenlänge.

"Ich werd ja wohl sagen dürfen, wenn einer 'nen döösichen Kopp hat. Da wäre ich ja ein besserer Schiri! Acht zu acht, das wäre nicht nötig gewesen. Und nun singt lieber, statt zu klönen, unsere Jungs können Ansporn gebrauchen!", forderte die alte Dame sie auf.

Die Frauen stimmten in den Gesang und das rhythmische Klatschen ein, das in der Halle aufbrandete. In diesem Augenblick trug die "Hölle Nord" ihren Namen zurecht. Sanna bequemte sich, ihr Handy wegzustecken und ebenfalls aufzustehen. Früher hatte sie darauf gebrannt, bei den Spielen der SG Flensburg-Handewitt mitzufiebern und mit dem Walking-Act Sigi, einer überdrehten Möwe, herumzualbern. Aber im Augenblick fühlte sie sich mit ihren fünfzehn Jahren wohl schon zu erwachsen dafür. Und das war sie ja auch. Sanna war wie Liv hochgewachsen und schlank. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, die meist Jeans mit schlichten Hemden und Chelsea-Boots kombinierte, liebte Sanna figurbetonte Kleidung. Allerdings trug sie ihre blonden Haare seit Neuestem raspelkurz. Mit dem unvermeidlichen Stich in der Herzgegend dachte Liv daran, dass sie in diesem Alter schon schrecklich verliebt gewesen war. Kurz danach war sie schwanger geworden und dann alleinerziehende Mutter. Glücklicherweise lenkten die aufpeitschenden "Flensburg Hande-hande-witt"-Rufe sie von dieser Erinnerung ab.

Der Trainer hatte die grüne Karte gezückt und hielt eine taktische Besprechung ab. Anpfiff. Alle sprangen auf. Plötzlich waren sie Teil eines wogenden Meers aus Flaggen und Spruchbändern, immer lauter brandete der Fan-Gesang auf. Ein Tor, zwei! Anfeuernde Rufe, als die SG kurzzeitig drohte, in Rückstand zu geraten. Doch dann rissen die Flensburger Handballer das Spiel herum. Zur Pause lagen die Gäste aus Hannover-Burgdorf zurück.

"Nervennahrung?", fragte Liv nach dem Halbzeitpfiff, obgleich sie die Antwort schon kannte. Ihre Besuche in der Flens-Arena folgten immer dem gleichen Ablauf.

"Unbedingt", sagte ihre Großmutter und ließ sich auf ihren Sitz zurücksinken; müde sah sie aus. Zu Livs Verwunderung kramte die Siebzigjährige jetzt jedoch ihr Handy aus der Handtasche und begann, auf dem Display herumzutippen. "Geht schon mal vor", sagte Elise abgelenkt.

Sanna und Liv schoben sich durch die Reihen. "Was ist denn bei Oma so eilig?", fragte Liv ihre Tochter.

"Das muss sie dir schon selbst verraten", meinte Sanna geheimnisvoll.

"Habe ich was verpasst?"

Ihre Tochter sah sie an und schwieg.

"Muss ich mir Sorgen machen?"

Sanna schüttelte den Kopf.

Jetzt war Liv erst recht neugierig und ein wenig verwundert. Wie konnte ihr etwas entgangen sein? In den letzten Monaten hatte sie doch ungewöhnlich viel Zeit zu Hause verbracht. Als Kommissarin musste sie häufig Überstunden machen. Aber gerade gab es keinen neuen Fall in der Flensburger Mordkommission, der so etwas erforderte. Ausnahmsweise war ihr Job mal in ruhigen Bahnen verlaufen. Inzwischen hatte Liv sogar schon einen Altfall hervorgeholt. Seit der Aufklärung eines Raubmordes nach vierunddreißig Jahren hoffte das K1, die Abteilung für Tötungsdelikte, mit Hilfe des Landeskriminalamts auch andere Cold Cases

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen