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Fische können schweigen Roman von Kuhn, Krystyna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2017
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Fische können schweigen

Als die junge Illustratorin Berit auf einer Abendeinladung Ron kennenlernt, kann sie kaum glauben, daß er bei der Kripo arbeitet - dazu ist er einfach zu witzig, zu gutaussehend und zu sympathisch. Doch dann muß Ron einen kaltblütigen Mord aufklären, und ausgerechnet ihre Zeichenkunst hilft, den Toten zu identifizieren. Und plötzlich wird Berit gefährlich tief in die Machenschaften krimineller Wissenschaftler hineingezogen ... Ein kurzweiliger und gekonnter Krimi mit subtiler Spannung und einer knisternden Liebesgeschichte. Krystyna Kuhn, 1960 als siebtes von acht Kindern in Würzburg geboren, studierte Slawistik, Germanistik und Kunstgeschichte, zeitweise in Moskau und Krakau. Sie arbeitete als Redakteurin und Herausgeberin und schrieb Gedichte und Kurzgeschichten. Krystyna Kuhn lebt mit ihrer Familie im Spessart. Nach "Fische können schweigen" und "Die vierte Tochter" ist "Engelshaar" ihr dritter Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 281
    Erscheinungsdatum: 01.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492982450
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 849 kBytes
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Fische können schweigen

1

"Die Fische Europas", so hieß der Illustrationsauftrag, an dem ich seit zwei Monaten arbeitete. Ein Atlas mit 300 detailgetreuen farbigen Abbildungen von Fischen. Eigentlich hatte ich diesen Auftrag ablehnen wollen. Doch ich brauchte das Geld. Constanze, die Lektorin des Verlages, für den ich seit Jahren als Illustratorin arbeitete, setzte mich unter Druck mit den üblichen negativen Zukunftsvisionen:

"Du kannst es dir nicht mehr aussuchen, Berit. Von Hand ausgeführte Zeichnungen und Illustrationen spielen heutzutage kaum noch eine Rolle. Das kann keiner mehr bezahlen. Und das ist ein riesengroßer Auftrag, der dich ein halbes Jahr beschäftigen wird. Vielleicht ist es dein letzter."

"Aber ich hasse Fische."

Constanze dozierte weiter: "Es ist naiv zu ignorieren, daß deine einzige Chance in diesem Beruf die ist, dich mit Grafikprogrammen zu beschäftigen. In Zukunft wirst du Bilder auf Diskette oder CD-ROM liefern müssen. Oder meinst du, uns hier macht es Spaß, jedes deiner dreihundert Bilder einzuscannen?"

"Hört sich ja schrecklich an." Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach. "Aber meinetwegen müßt ihr das meinen Bildern nicht antun."

"Du findest heute keine Druckerei mehr, die Bilder auf Papier akzeptiert. Mal ganz abgesehen von den Kosten. Egal - du kannst diesen Auftrag nicht ablehnen", wiederholte Constanze. "Sonst läßt der Verlag dich fallen." Sie hatte recht. Ich unterschrieb den Vertrag. Von diesem Geld konnte ich ein Jahr lang leben.

Die Aquarelle sollten vorzugsweise nach lebenden Vorlagen angefertigt werden, damit die Farbgebung möglichst identisch war mit der, wie sie Fische aufweisen, wenn sie sich dicht unter der Wasseroberfläche zeigen. Also saß ich in den abgedunkelten Räumen im Frankfurter Exotarium und vor den kilometerlangen Aquariumwänden im Stuttgarter Zoo. Wochenlang nur Fische. Fische in allen Größen, Formen und Farben: Flossen, Kiemen, Schuppen, Maul auf und zu. Es war eine zwangsweise Therapie, wie sie bei Phobien zum Einsatz kommt.

Es war Ende November, und man konnte kaum noch glauben, daß vor einiger Zeit in dieser Stadt noch Sommer gewesen war. Wie der berühmte Grauschleier lag über Frankfurt der Nebel. Ein Grund, weshalb ich mich entschlossen hatte, ausnahmsweise Marlenes Einladung zu einem ihrer berühmten Donnerstagabend-Dinners - oder hieß es Diners? - anzunehmen. Marlene war im Arabellahotel in Frankfurt verantwortlich gewesen für die Organisation von Kongressen, Empfängen und Talkshows. Unter ihrer Federführung hatte das Hotel angeboten, die Abschlußobjekte unserer Hochschule für Kunst im Foyer auszustellen. So hatten wir uns kennengelernt. Bevor sie Kornelius heiratete, einen Biowissenschaftler, für den jedes Lebewesen nur ein Reagenzglas war, in dem chemische Reaktionen abliefen. Und der jeden mit Mißachtung strafte, der sich seiner Aufgabe als evolutionäres Transportmittel widersetzte. Also sich weigerte, Kinder zu zeugen. Mit dieser Einstellung hatte er es immerhin zum Leiter des Instituts für Biotechnologie Rhein-Main gebracht.

Kornelius war ein Mann, der keine Zeit hatte, Fett anzusetzen. Er forschte so viel, daß seine Gehirnzellen jeden Bissen, den er aß, sofort verwerteten. Obwohl er laut Marlene zu den renommiertesten Biowissenschaftlern der Bundesrepublik zählte, sah er nicht anders aus als ein Gerichtsvollzieher oder Buchhalter, also wie ein Vertreter der Berufe, die man ergreift, wenn man mit zehn feststellt, daß man nur noch 70 Jahre zu leben hat und sich ein Leben vor dem Tod sichern will. Daß er und Marlene dennoch - trotz zahlreicher Versuche und Behandlungen - auch noch immer kinderlos waren, erfüllte mich mit stiller Zufriedenheit. Nur um das Kinderzimmer im ersten Stock tat es mir leid. Eingerichtet im Stil Laura Ashleys stand es verzweifelt leer.

An diesem Abend war Kornelius nicht anwesend, weil er einen wichtigen Termin hatte. Deswegen war ich eingeladen worden, als Lückenbüße

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