text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Fränkisches Chili Frankenkrimi von Reiche, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2016
  • Verlag: ars vivendi
eBook (ePUB)
8,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Fränkisches Chili

Im mittelfränkischen Knoblauchsland wird die Leiche eines erfolgreichen Bauunternehmers gefunden. Seine letzte Mahlzeit: vergiftetes Chili. Während Nürnberg unter einer Hitzewelle stöhnt, ermittelt Kommissar Kastner beharrlich in alle Richtungen - durchaus zum Leidwesen der kühlen Unternehmerwitwe, die mit dem Wirtschaftsreferenten per Du ist und offenbar etwas zu verbergen hat. Von der Arroganz der Mächtigen lässt Kastner sich jedoch nicht einschüchtern - er forscht im noblen Erlenstegen ebenso nach wie bei der Bau- und Umweltverwaltung, denn um die letzten freien Flächen im Norden Nürnbergs toben massive Verteilungskämpfe. Dann gibt eine Vogelscheuche im Armani-Jackett dem Fall eine überraschende Wendung. Eine frische Krimistimme: die Siegerin des Publikumspreises beim 3. Fränkischen Krimipreis mit ihrem ersten Roman. Mit viel trockenem Humor und Lokalkolorit wird der fränkischen Seele auf den Grund gegangen.

Susanne Reiche, in Nürnberg geboren, absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Zierpflanzengärtnerin und schloss später ihr Biologiestudium ab. Lange arbeitete sie als koordinierende Fachkraft im Bereich Umweltplanung beim Umweltamt der Stadt Nürnberg. Seit 2010 ist Susanne Reiche Autorin, 2014 gewann sie mit ihrem Kurzkrimi 'Der Tod des Baulöwen' den Publikumspreis des 3. Fränkischen Krimipreises.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 24.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869137049
    Verlag: ars vivendi
    Größe: 778 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Fränkisches Chili

Tag 1 - Donnerstag, der 8. September

A Million and one Reasons

Lena Meyer-Landrut, Good News , 2011

Im Vorraum saß eine teuer ausstaffierte Schönheit auf der abgeschabten Holzbank. Sie hielt den Rücken sehr gerade, so als wolle sie dem ehrwürdigen Möbel keine Intimität mit ihrem Körper gestatten.

"Lass die nicht wieder so lang warten", riet Felix Wernreuther. "Die kennt den Wirtschaftsreferenten."

Kastner hob nur kurz den Blick von der Tastatur. Der Bericht über die blutige Schlägerei vor dem Club Planet im Stadtteil Klingenhof beanspruchte seine ganze Konzentration. Zweifingersystem. Ich bin Kriminalkommissar, keine Sekretärin , war seine stereotype Antwort, wenn der Chef ihm beim jährlichen Mitarbeitergespräch eine Schulung ans Herz legte. Der war inzwischen von dieser Antwort leidlich angepisst, aber Kastner konnte stur sein, wenn er wollte.

Die Frau interpretierte Kastners Blick als Aufforderung; ihre hochhackigen Schuhe klackerten energisch über die gesprungenen Bodenfliesen.

"Herr Kästner? Man hat mir gesagt, ich solle mich bei weiteren Fragen an Sie als den zuständigen Ermittler wenden ..."

"Kastner", sagte er. "Wenn Sie bitte noch kurz warten würden? Ich habe gleich Zeit für Sie."

Die Frau hob die gezupften Augenbrauen, als hätte er sie gebeten, auf einem Bein zu stehen. "Das ist ja wohl Behördenschikane", stellte sie fest. "Meine Zeit ist kostbar. Es geht um einhundertsiebzehn Arbeitsplätze."

Kastner nickte resigniert. Er war schwierige Klientel gewohnt: Leute, die ihm Schläge androhten, Betrunkene, die auf den Fußboden kotzten; und er sah jeden Tag mehr Elend, als ihm guttat: Frauen mit Hämatomen im Gesicht, drogensüchtige Kinder, alte Frauen, denen man die letzten Ersparnisse aus dem Marmeladenglas gestohlen hatte. Er war als Ermittler angestellt, aber er hätte genug Arbeit für mehrere Sozialpädagogen, Putzfrauen, Dolmetscher und nicht zuletzt auch eine Sekretärin gehabt. Aber so war das Leben. Richtig auf die Nerven gingen ihm jedoch Leute, die den Wirtschaftsreferenten kannten und damit nicht hinter dem Berg hielten.

"Wir bearbeiten Ihre Vermisstenanzeige mit höchster Priorität, und sobald es etwas Neues über den Verbleib Ihres Mannes gibt, werden wir Sie natürlich sofort benachrichtigen, Frau ... äh, Wollreis", sagte er. Der Name der Wohnbaufirma Wollreis AG war in Nürnberg stadtbekannt, aber er wollte keine übertriebene Demut zeigen.

Beate Wollreis kniff die Augen zusammen und beugte sich über den Tresen. Eine lange Perlenkette löste sich von ihrem verschwitzten Dekolleté und pendelte sacht vor Kastners Augen hin und her. "Höchste Priorität!", sagte sie verächtlich. "Ist das Ihr Verständnis von Humor? Sie schieben hier Aktenstapel hin und her, während ich jeden Tag um meine Existenz kämpfe!"

Kastners Mitleid hielt sich in Grenzen. Wollreis hatte über Jahrzehnte im wahrsten Sinne des Wortes Dreck zu Gold gemacht. Seine Moder nen Stadtvillen in grüner Lage drängten sich in altehrwürdige Villengebiete, sprengten die Beschaulichkeit kleiner Reihenhaussiedlungen und wucherten am Ortsrand in die knappen Ackerflächen. Nach Kastners ganz privater Meinung verschandelten sie die Stadt; eine Stadt, deren alte Bausubstanz zuerst vom Nazigrößenwahn missbraucht, dann von den Bomben der Alliierten zerstört und danach von den zeitgeistigen Bausünden der folgenden Epochen munter weiter verunstaltet worden war.

Aber es empfahl sich nicht, diese Meinung im beruflichen Umfeld zu äußern. Er war schließlich Beamter.

"Eine Todeserklärung wird in der Regel frühestens nach einem Jahr ...", fing Kastner an, aber Frau Wollreis fiel ihm ins Wort.

"Herr Klaas, der Wirtschaftsreferent, hält in diesem besonderen Fall eine Ausnahme für denkbar", teilte sie ihm mit. "Eine Ansicht, die der Oberbürgermeister im Übrigen

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen