text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Französisch von unten Leben mal sieben von Gogolin, Wolfgang A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2019
  • Verlag: Karina Verlag
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Französisch von unten

Fünf Tage in der Normandie. Juste Simons Leben als penibler Buchhalter im Rathaus von Arnaud, einer französischen Kleinstadt, liegt in Scherben: Seine Frau Marguerite hat sich vor zwei Jahren von ihm scheiden lassen; er trauert immer noch dem Eheleben hinterher. Dem harmonischen Gefüge der Kleinstadt droht das Aus, denn der korrupte Bürgermeister Laval betreibt die Schließung von Kindergarten und maroder Kirche zugunsten der Errichtung eines Bordells. Juste Simon, die Anständigkeit in Person, betrachtet dies als weiteren Angriff auf sein moralisches Lebensgerüst. Nach einem Autounfall zweifelt er an seinem Verstand, als plötzlich blaue Zahlen auf der Stirn von einigen Menschen und Tieren erscheinen. Nach mehreren Todesfällen ist Juste sicher: Die blauen Zahlen zeigen das Todesdatum ihres Trägers an. Auch der streunende Kater, der zusammen mit Juste Simon jenen Unfall erleidet, erfährt das Wunder der Veränderung. Während dieser fünf Tage durchlebt der herrenlose Kater Merlin die sprichwörtlichen sieben Leben einer Katze ... Wolfgang A. Gogolin, Jahrgang 1957 und von Beruf Rechtspfleger, lebt mit Ehefrau in seiner Heimatstadt Hamburg. Neben einigen Dutzend Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien erschienen bisher neun Bücher aus seiner Feder. Im Sommer 2010 erschien ein Kurzgeschichtenband unter dem Titel ?Geist der Venus?, Anfang 2011 der Roman ?Schlafen bei Licht? - beide Mohland/Goldebek. Ende 2013 wurde der Paris-Roman ?Dunkles Licht in heller Nacht? im Oldigor Verlag veröffentlich, wo im September 2014 auch eine Neuausgabe von ?Geist der Venus? erschien. Die Novelle ?Rotblaue Nelken? erschien Mitte 2017 bei Aavaa, gefolgt vom Roman ?Das Vermächtnis der verlorenen Zeit? im April 2018 bei Brokatbook. Wolfgang Gogolin ist Vorsitzender des Hamburger Kulturpunktes und veranstaltet in diesem Rahmen die monatliche ?Spät-Lese?. Als leidenschaftlicher Gourmet schreibt er regelmäßig Kochbuchbesprechungen für Verlage (z.B. edel) sowie Restaurantkritiken auf genussgenie.de. Mehr zu Wolfgang A. Gogolin auf wolfgang-gogolin.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 31.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783966105712
    Verlag: Karina Verlag
Weiterlesen weniger lesen

Französisch von unten

Kapitel 2

Juste Simon saß allein im Sitzungssaal. Der Bürgermeister und die beiden Beiräte waren inzwischen gegangen. Die Atmosphäre lastete noch immer drückend, dunkel und unerfreulich, und als läge ein Fels auf seiner Brust, sog er schwer Luft ein. Schemenhaftes Licht fiel in den Raum, es spielte mit den Staubteilchen.

Die Luft roch abgestanden, der Geruch von kaltem Kaffee gesellte sich dazu. Wie in Gottes Namen sollte er diese Ratsentscheidung seiner Ex-Frau beibringen? Die Zunge fragte sich das auch und klebte am Gaumen, das angeklebte gefühllose Fleischteil hinterließ einen pelzigen Geschmack und den Eindruck, dass es von nun an für alle Ewigkeit dort seinen Platz gefunden hätte. Es gab Dinge im Leben, die forderten den ganzen Mann. Mit oder ohne Zunge.

Marguerite, seine Ex-Frau, war ein zutiefst emotionaler Mensch und vor allen Dingen war sie ein Mensch, der Dinge nicht wortlos hinnahm. Fast nie. Das war mit ein Grund dafür, dass ihre Ehe nicht funktioniert hatte. Wäre Marguerite verstandesbetont, kühl und gradlinig gewesen, hätte es klappen können. Aber so ...

Juste strich über den trockenen Hals. Wie brachte man einem Menschen bei, der im günstigsten Fall als dynamisch zu bezeichnen war, dass er gerade den Arbeitsplatz verloren hat? Juste bemerkte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Bekam er etwa eine Gänsehaut? Er schüttelte sich, der Geist rebellierte, Emotionen waren eklig.

Rational musste die Angelegenheit überdacht werden, am besten eisig. Gefühllos kreiste er das Problem ein. Umrundete es. Gefrorenes bildete sich. Warum überhaupt sollte ausgerechnet er die schlechte Botschaft überbringen? Schulteranziehen und wieder fallen lassen - so ging es nicht. Die Hände zitterten. Es fiel ihm schwer, gleichmütig zu sein. Warum nur?

Juste kannte die Antwort: Es fiel ihm schwer, weil er Marguerite immer noch liebte und weil er sich entschieden hatte, die Scheidung zu ignorieren. Im Grunde war er immer noch verheiratet. Im Endeffekt spielte es ohnehin keine Rolle, ob er der Botschafter des Grauens war oder ein anderer, Marguerite würde schäumen und ihm einen Teil der Schuld übertragen, unabhängig davon, ob er schuldig war oder nicht.

Bürgermeister Laval hatte ganze Arbeit geleistet; Einstimmigkeit in der Entscheidung. Justes Augen bohrten sich in die dunkle Holzvertäfelung. Hatte Laval die beiden Stimmen gekauft? Oder waren die Beiräte einfach nur hinterherlaufende Abnicker ohne eigenen Willen? Sie trafen eine falsche Entscheidung, falsch für Arnaud und falsch für die Kinder. "Synergieeffekte", sagte Laval. Synergieeffekte, sie kosteten Marguerites Job. Einige Lehrer würden ebenfalls arbeitslos werden und die Köchin. Es gab genug Personal im Nebenort. Wie konnte ein Mensch mit einem Wimpernschlag über andere entscheiden? Dachte Laval überhaupt nicht nach? Oder gab es andere Gründe, warum die Ecole maternelle weichen musste? Gut, es stimmte, in Arnaud lebten immer weniger Kinder, genauso wie in Grenelle.

Aber warum ein großer Kindergarten in Grenelle? Warum nicht ein großer in Arnaud? In Grenelle musste man bauliche Veränderungen vornehmen, in Arnaud nicht. In Grenelle war das Haus teuer gemietet, in Arnaud im Besitz der Stadt, doch der Hauptgrund, der für Arnaud sprach, war, dass mehr Kinder in Arnaud als in Grenelle wohnten. Es wäre besser und logischer gewesen, so wenig wie möglich Eltern und Kinder mit einem Umzug zu belasten. Die Entscheidung war unlogisch!

Justes Zunge trocknete weiter vor sich hin, die Gefühllosigkeit wuchs und erreichte den graumelierten Schnauzbart. Um weiteren körperlichen Ausfällen vorzubeugen, wackelte er mit der Oberlippe. Sie war das Einzige, was sich im Zimmer bewegte, die Zeit im Raum schien sich im Gegensatz zu den Naturgesetzen nicht eindimensional vorwärts zu bewegen, sondern an Schwung zu verlieren.

Einhergehend mit dem Ende des Schnauzerwackelns br

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen