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Fremdland Kriminalroman von Reinartz, Philipp (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Fremdland

Peng Peng. Zwei nächtliche Schüsse ins Nichts. Zwei Schüsse, die trotzdem alles verändern. Eine junge Familie aus dem Senegal glaubt nicht mehr an das neue Leben in der Fremde. Reuelose Polizisten schlagen nie wieder über die Stränge. Und die uralte Frau in der Seniorenresidenz singt keine Lieder mehr. Berlin, Du kannst so grausam sein. Jerusalem 'Jay' Schmitt, Leiter der Neunten Mordkommission für besondere Fälle, vermutet ein düsteres Kapitel seiner eigenen Dienststelle. Für ihn beginnt alles mit einer rätselhaften Botschaft neben einer Leiche. Und endet dort, wo die Schüsse fielen. Und wieder fallen werden? Philipp Reinartz, 1985 in Freiburg geboren, ist ein in Berlin lebender Autor und Kreativer. Er studierte in Köln, Saragossa und Potsdam, unter anderem Geschichte und Journalismus. Als Mitgründer und Geschäftsführer einer Berliner Ideenschmiede beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen Megatrends, hält Vorträge und arbeitet für mehrere Hochschulen. Daneben schreibt er feuilletonistische Texte, so etwa für ZEIT online und das Süddeutsche Magazin. Nach seinem Debütroman "Katerstimmung" im Jahr 2013 veröffentlichte er 2017 den ersten Jay-Schmitt-Kriminalroman "Die letzte Farbe des Todes". Mit "Fremdland" bleibt er seinem Stil treu, eine vielschichtige Kriminalgeschichte mit überraschenden Wendungen filmschnittartig prägnant zu erzählen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 17.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641198725
    Verlag: Goldmann
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Fremdland

16
Fokuswechsel

W ährend es die tief stehende Abendsonne schon nicht mehr über die hohen Birken schaffte und der Garten des Gregorhofs unten im Schatten lag, stand Jay auf dem höchsten Balkon des Hauses noch in sattem Gelb. Sein Blick flog über das Papier, das Marcel ihm eben in die Hand gedrückt hatte.

Fakten stand oben, darunter die spärlichen gesicherten Informationen. Eindeutig, belegbar, dadurch aber auch wenig fordernd. Louisa Sprenger war seit fünfzehn Jahren im Heim gewesen, länger als die meisten Bewohner, länger als die meisten Angestellten. Man kannte ihr Geburtsdatum, ihre Blutgruppe und Krankheitsgeschichte, ihre Kontonummer und Essenswünsche. Sie hatte keinen Fisch gewollt, gerne Fleisch, nur nichts zu Hartes, dann lieber püriert, zum Nachtisch bitte keine Pfannkuchen und kein Eis.

Für alles andere gab es keine schriftlichen Quellen. Alles andere stützte sich auf Aussagen und Erinnerungen. Auf Menschen, die fehlbar waren, unterschiedlich empfanden, die alle eine andere Louisa Sprenger gekannt hatten und aus deren teilweise übereinstimmenden, teilweise gegensätzlichen Wahrnehmungen Jay ein Louisa-Sprenger-Konzentrat destillieren musste.

Schon über ihr Leben vor dem Gregorhof herrschte Uneinigkeit. Laut Heimleitung hatte sie als Sekretärin gearbeitet, mit ordentlich in Klammern stehender Quellennennung fanden sich aber auch die Angaben Hausfrau (Pflegekraft Dovifat), Opernsängerin (Nowacki OG 2) und irgendwas im Osten (Borgwardt OG 3) in Marcels Zusammenfassung.

Dass sie früher freundlich gewesen sei, bestätigten fünf Befragte, ebenso viele attestierten ihr eine schon immer da gewesene Verschrobenheit. Dreimal fiel der Ausdruck eigensinnig , einmal meckerig . Wörtlich zitiert wurden Koch Baatz ( Die hat die Birne kaputt ) und erneut Heimbewohner Borgwardt aus dem dritten Obergeschoss ( Die hat nicht mehr alle Tassen im Schrank ).

Singend durch die Gänge war sie dem Pflegepersonal nach seit circa fünf Jahren gelaufen, was in Anbetracht der anderen Nennungen ( Schon immer , seit dreißig Jahren ) die wahrscheinlichste Schätzung war. Seit einem Schwächeanfall hatte sie nur noch im Zimmer gesungen, laut übereinstimmenden Aussagen dafür aber umso lauter. Für die Mehrheit waren es Volkslieder und Schlager (jeweils mehr als zehn Nennungen), Einzelmeinungen blieben Opern (Nowacki OG 2), Tonleitern (W. Tilke OG 3), abstraktes Gejaule (Borgwardt OG 3).

Die Singkreisbesuche, montags und mittwochs jeweils 17 Uhr, Samstag 10 Uhr vormittags, bestätigten sowohl die Singkreisteilnehmer als auch das Pflegepersonal. Freitagvormittag war sie regelmäßig von ihrem behandelnden Arzt aufgesucht worden, ansonsten hatte sie niemanden empfangen. Die Frage, wie häufig die Pflegekräfte im Zimmer waren, offenbarte zwei Lager. Die Heimleitung sprach von wie bei Pflegestufe 2 vorgeschrieben drei Stunden am Tag , was das ausführende Personal mit Einschränkungen - Haben so viel zu tun, maximal ein bis zwei Stunden pro Patient (Pflegekraft Bensch) - bestätigte. Andere derselben Pflegestufe zugeordnete Patienten widersprachen mit Aussagen wie keine ganze Stunde sowie morgens mittags abends jeweils eine Viertelstunde sowie nachts nie . Einmal fiel sogar der Satz Betreuung wie in Kriegsgefangenschaft , jedoch hatte Marcel hier selbst den Hinweis Bewohner dement ergänzt.

Unter dem Stichpunkt Konflikte war nur der Punkt Beschwerden wegen Ruhestörung mehrfach aufgeführt, ein von Koch Baatz erwähnter Besteckdiebstahl hatte sic

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