text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Funkenfeuer Kriminalroman von Mucha, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.02.2018
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Funkenfeuer

Der Stolz eines jeden Vorarlberger Dorfes ist der Funken - das Fr hlingsfeuer, das den Winter vertreiben soll. W"hrend Wachtmeister Schmiedle alle H"nde voll damit zu tun hat, den Dorffunken vor den missg nstigen Menschen aus den Nachbard"rfern zu sch tzen, verschwindet auch noch die neue Volksschullehrerin spurlos. Ein Motiv ist schnell gefunden: Die Lehrerin hatte den B rgermeister wegen sexueller Bel"stigung verklagt. Doch wie gegen den Dorfkaiser ermitteln, der sich absoluter Beliebtheit erfreut, und dabei den Dorffunken nicht aus den Augen verlieren? Martin Michael Mucha, 1976 in Graz geboren, studierte in Wien Philosophie, Geschichte sowie Theologie und promovierte anschlieáend in Philosophie. Seit fast zehn Jahren arbeitet er im Bereich Drehbuch f r Kino- und Fernsehfilme. Seiner ausgedehnten Reiset"tigkeit, vor allem nach Asien und Afrika, entsprang bisher ein Bild-/Textband ber Afghanistan und Tadschikistan. Der Autor lebt als verheirateter Familienvater in Wien. Seine Jugend verbrachte er allerdings in einem Dorf im Vorarlberger Walgau.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 07.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839256183
    Verlag: Gmeiner-Verlag
Weiterlesen weniger lesen

Funkenfeuer

I

Wachtmeister Hubert Schmiedle saß an seinem Schreibtisch. Hinter ihm an der Wand hingen der Heiland und der Landeshauptmann. Vor ihm auf dem Tisch lagen eine Wurst, ein Kanten Brot und ein schönes Stück Schnüfner Bergkäs'.

Schmiedle leckte sich erwartungsfroh die Lippen und den Schnäuzer. Die vormittägliche Jause, das z'Nüne, war seit jeher seine Lieblingsmahlzeit. Ein kleines Bier dazu wäre gut gewesen, aber der Wachtmeister trank im Dienst ausschließlich, wenn es der Ermittlungserfolg gebot.

In der Wachstube war es still. Der Schreibtisch war aufgeräumt. Der Halfter mit der Dienstwaffe hing an seinem Ort, und der Computer war ausgeschaltet.

Niemand hätte vermutet, dass der Wachtmeister hart arbeitete. Doch er tat es. Freitagvormittag vor dem Funkensonntag. Der gefährlichste Tag und das gefährlichste Wochenende im Jahr. Denn der Funken war schon aufgebaut und konnte gestohlen werden. Der Freitag war der beliebteste Tag für solch ein Verbrechen. Bis zum Sonntag konnte nicht einmal alemannischer Fleiß einen neuen Funken aufbauen. Die Schande dauerte länger, als wenn der Diebstahl am Samstag geschähe oder in der Nacht auf Sonntag.

Seitdem im 84er Jahr der Funken gestohlen worden war, hatte kein Dorfgendarm mehr am Funken-Wochenende auch nur ein Auge geschlossen. Das Schicksal von Reinhardt Amann stand allen klar vor Augen. Der Mann hatte sich selbst, seine Familie, sein Dorf und die Truppe entehrt. Seither lebte er in Thailand. Dort gibt es keinen Bergkäse. Hubert Schmiedle erzitterte bei dem Gedanken. Keine Berge, keinen Käse, dafür Reis und Dschungel.

Längst gab es nur mehr einen Gendarm im Dorf, und auch der war kein Gendarm mehr, sondern Polizist. Sagten die in Wien zumindest. Aber Wien ist weit von Vorarlberg. Die Hauptstadt liegt hinter dem Arlberg, hinter dem Tirol, in Innerösterreich. Für einen echten Vorarlberger liegt Wien gleich bei Kinshasa und unterscheidet sich von Nairobi nur dadurch, dass man Nairobi auf der Landkarte schneller findet. Deswegen war Hubert Schmiedle nach wie vor Wachtmeister und Gendarm.

Die Wurst war aufgeschnitten, der Käse ebenfalls, es konnte gegessen werden. Dass seit zwei Tagen Fastenzeit war, störte den Wachtmeister nicht. Denn Wurst war kein Fleisch, das stand fest. Aber er hatte die Wurst trotzdem im Nachbardorf gekauft, denn Anna, die Frau vom Wachtmeister, sah das ganz anders. Im Nachbardorf Wurst kaufen. Das war immer ein Risiko. Wer weiß schon, was die in die Wurst tun. Hubert Schmiedle wusste es nicht und wollte es auch gar nicht wissen. Den Schlinsern war alles zuzutrauen. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Denn wenn Anna erführe, dass er im Nachbardorf Wurst gekauft hätte, dann wäre das schlimm. Sehr schlimm. Nicht auszudenken. Anna war kein Freund der Schlinser. Oder der Satteinser. Oder von sonst wem, der nicht im Dorf wohnte.

Der Wachtmeister drängte die Sorgen beiseite, nahm ein Stück vom Käse und wollte hineinbeißen. Der Schnäuzer sträubte sich erwartungsfroh, der runde Bierbauch, der ihm Würde und Stabilität verlieh, gurgelte fröhlich, und die kleinen braunen Augen schlossen sich verzückt.

Da klingelte das Telefon. Hubert Schmiedle legte den Käse beiseite und nahm den Hörer ab.

"Hm", meldete er sich offiziell. Sein Gesichtsausdruck wurde ernst. Er nickte mehrmals. Dann sagte er bestimmt: "Hm", und legte auf. Er zog sein Stofftaschentuch aus der rechten Hosentasche und deckte seine Jause zu. Langsam stand er auf, ging auf den Hutständer zu, nahm die Dienstwaffe an sich und schnallte sich den Gürtel um. Schließlich verließ er das Büro, sperrte hinter sich ab und stieg in den Dienstwagen.

Fünf Minuten später parkierte er vor einem kleinen einstöckigen Haus. Der Garten des Häuschens befand sich noch im Winterschlaf, erschien aber ordentlich und für das Frühjahr gerüstet. Hubert Schmiedle ging um sein Auto herum, zur Gartentür und nickte drei Menschen zu, die dort standen./

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen