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Geburtstag in Florenz Guarnaccias neunter Fall von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Geburtstag in Florenz

In der Villa Torrini, hoch über den Hügeln von Florenz, residiert die bekannte britische Schriftstellerin Celia Carter. Als sie ausgerechnet an ihem Geburtstag tot in der Badewanne aufgefunden wird, glaubt keiner so recht an einen Unfall. Auch Maresciallo Guarnaccia nicht, der bald gerufen und mit der Auflösung des Falles betraut wird. Carters Ehemann liegt sturzbetrunken gleich nebenan im Schlafzimmer, beteuert nichts gehört oder gesehen zu haben, und ändert auch im nüchternen Zustand seine Aussage nicht. Armer Guarnaccia! Erstens hat er mit Diätproblemen zu kämpfen, zweitens dauernd den sarkastischen Staatsanwalt Fusarri im Nacken, drittens der ständige Kampf gegen die italienische Bürokratie und nun diese vertrackte Geschichte. Als er kurz davor ist, aufzugeben, kommt unerwartet Hilfe. Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605907
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: The Marshal at the Villa Torrini
    Größe: 1574 kBytes
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Geburtstag in Florenz

[31] 2

"Wenn Sie Ihre Proben beisammenhaben, können wir dann das Badewasser ablassen?" Mit diesem Arzt hatte der Maresciallo noch nie zu tun gehabt, und er bemühte sich redlich, ihn mit seiner bulligen Gestalt in dem kleinen Bad nicht zu behindern.

Gurgelnd und glucksend floß das rote Wasser langsam ab. Der Arzt hob vorsichtig einen Fuß des Leichnams an, der den Abfluß blockierte. "Sonst sind wir noch die ganze Nacht hier. Noch eine Aufnahme?"

Das Blitzlicht des Fotografen flammte emsig surrend auf, sobald der Wasserspiegel sank und die Leiche freigab. Dann trat wieder Ruhe ein, und die Männer wechselten einen Blick.

"Na, das ist aber mal 'ne Überraschung ..." Der Arzt hob erst ein Handgelenk, dann das andere. Beide unversehrt. "Noch nicht mal ein Kratzer. Aber irgendwo muß das viele Blut ja herkommen. Können wir sie umdrehen? Haben Sie alles im Kasten?"

"Ich bin fertig", bestätigte der Fotograf.

"Maresciallo?"

Guarnaccia, der sich schon vor ihrem Eintreffen alle für ihn wichtigen Notizen gemacht hatte, nickte nur.

Zu dritt drehten sie die Leiche auf den Bauch.

[32] "Ach! Na, auf so was ist man natürlich nicht gefaßt, aber es erklärt immerhin die Blutung."

Ein zerbrochenes Weinglas, das unter der Toten lag, hatte ihr zwei sehr tiefe Schnittwunden in einer Gesäßhälfte beigebracht sowie eine Reihe von Schrammen unterhalb der Taille. Ein Scherbendreieck steckte immer noch tief im Fleisch.

"Die Todesursache haben wir damit freilich noch nicht. Ich stehe vor einem Rätsel ..."

Und so ging es auch dem Maresciallo. Es kam vor, daß jemand in der Badewanne ohnmächtig wurde, auch wenn er selber noch nie einen solchen Fall gehabt hatte - und überhaupt, waren das nicht in der Regel alte Menschen? In Ohnmacht zu fallen war eine Sache, aber würde der Betreffende nicht wieder zu sich kommen, wenn er zu ertrinken drohte, und um sein Leben kämpfen? Eine schwache Person würde sich vielleicht nicht retten können, aber diese Frau ...

"Wie alt schätzen Sie sie, Doktor?"

"Mitte vierzig, würde ich sagen. Jetzt, wo wir sie umgedreht haben, werde ich mal ihre Temperatur messen. Was meinen Sie, ist der genaue Zeitpunkt des Todes für Ihre Ermittlungen kritisch?"

"Nein. Nein ... Man hat sie am späteren Nachmittag noch gesehen, und dann ist ja auch der Ehemann ..."

Aus dem Schlafzimmer, wo der junge Fara sich wenig erfolgreich bemühte, den Betrunkenen zur Besinnung zu bringen, drang ein beträchtlicher Lärm.

"Womöglich war sie auch betrunken ..."

"Also das bezweifle ich, auch wenn ich mich da im Moment natürlich noch nicht festlegen kann."

[33] "Aha."

"Wahrscheinlich ein Unfall."

Faras mittlerweile verzweifelte Stimme entlockte dem Schläfer nebenan lediglich ein schwaches Stöhnen.

"Keine Sorge, ich bring ihn wieder zu sich", sagte der Doktor. "Sobald ich hier fertig bin."

Der Maresciallo unternahm abermals einen Rundgang durchs Haus, wanderte aber jetzt nicht mehr so ziellos umher wie zuvor. Er suchte, wenn auch eher halbherzig, nach einem Abschiedsbrief. In der oberen rechten Schublade eines Schreibtisches fand er den Paß von Celia Rose Carter, geboren 1947 in Großbritannien, und den von Julian Forbes, ebenfalls Brite, geboren 1959. Stirnrunzelnd klappte er noch einmal den Paß der Frau auf.

"Na, Maresciallo, was meinen Sie?"

Er merkte erst jetzt, daß die Leute vom Labor, die im Küchentrakt ihr Arbeitsgerät zusammenpackten, zu ihm gesprochen hatten. Guarnaccia, der kein Wort mitbekommen hatte, sah sie verständnislos an. "'tschuldigung. Hab nicht zugehört."

"War auch nichts Wichtiges. Und Sie? Was Interessantes gefunden?"

Der Maresciallo blickte wieder in den Paß, doch alles, was er sagte, war: "Heute ist ihr Geburtstag ..."

"Machen Sie sich um mich keine Sorgen, mir geht's gut." Julian Forbes wälzte sich wieder auf

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