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Gedankenjäger Roman von Levison, Iain (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.08.2016
  • Verlag: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Gedankenjäger

Der Polizist Jared Snowe bemerkt bei einem Einsatz plötzlich, dass er Gedanken lesen kann. Während ihn das bei interessanten Frauen oft eher deprimiert - er weiß nun leider sofort, wenn er keine Chance hat -, profitiert er beruflich von seiner Fähigkeit und löst deutlich mehr Fälle als seine Kollegen. Nun soll er den geflohenen Mörder Brooks Denny aufspüren und zurück in die Todeszelle bringen. Snowe findet Denny mühelos, doch als sich die beiden treffen, machen sie eine überraschende Entdeckung: Sie haben beide das gleiche Schlangen-Tattoo auf der linken Schulter. Ein packender Thriller aus den USA, in dem sich die Grenzen zwischen Gut und Böse beständig verschieben. Iain Levison, geboren 1963 in Aberdeen/Schottland, lebt seit 1974 in Amerika, wo er u.a. als Lastwagenfahrer, Maler und Krabbenfischer gearbeitet und an der Universität von Villanova Anglistik studiert hat. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Französisch, Italienisch, Deutsch und Niederländisch. Bei Deuticke erschienen der Roman Hoffnung ist Gift (2012) und der Thriller Gedankenjäger (2016).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 22.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783552063327
    Verlag: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
    Originaltitel: Mindreader
    Größe: 1507 kBytes
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Gedankenjäger

Kapitel zwei

S nowe war zurück in seinem Apartment und zappte sich durch die Kanäle, erleichtert, dass er die Gedanken der Protagonisten in den TV -Sendungen nicht lesen konnte. Nie war er glücklicher darüber gewesen, dass er allein wohnte. Als der Pizzalieferant an der Tür gestanden hatte, hatte er dreißig Sekunden dessen Gedankenstrom mitgehört, während er nach einem Zwanziger suchte ... wird der Mann mir ein Trinkgeld geben. Shit, ich hoffe, der lässt sich nicht bis auf den letzten Cent rausgeben, hat ein nettes Apartment, so eins hätte ich auch gern, keine Mitbewohner, Mann, ich muss wirklich ausziehen und mir meine eigene Wohnung suchen, auch 'n tolles TV-Gerät, was ist das für einer, ein 36-Zoll-Flatscreen ... Da ist sein Wechselgeld, da fällt kein Trinkgeld ab für mich ...

" Behalten Sie den Rest", sagte Snowe und verzichtete lieber auf volle sieben Dollar Wechselgeld, als sich den Nonsens noch länger anhören zu müssen.

" Wow, im Ernst? Thanks, Man", geile Sache ... was für ein cooler Typ. Könnte der bitte jeden Abend was bestellen?!

Snowe hatte versucht, ihm nicht die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Er ging ein paar Minuten in seiner Wohnung umher, die Pizzaschachtel lag mit geöffnetem Deckel auf dem Esszimmertisch, und er bemühte sich, nicht durchzudrehen. Hatte der Fahrer wirklich diese Gedanken gehabt, oder hatte er sich das nur vorgestellt? Und der Junkie letzte Nacht? Und Kleider, der Pillendieb? Nachdem er mit seinem Papierkram fertig war und Jenny, der Nachtdienst-Kollegin, eine gute Nacht gewünscht hatte, hatte die dann wirklich gedacht, Snowe habe einen kessen Hintern und dass sie ihn gern nackt sehen würde? Sie war sechzig Jahre alt, verheiratet mit vier erwachsenen Kindern, und sie backte Kekse fü r die Beamten, die sonntagmorgens Dienst hatten. Und war Sergeant Townes, der Schichtdienst machte, tatsächlich schwul? Snowe hatte ihn denken gehört, wie sehr er sich wünschte, Officer Aguilar, den erst kürzlich eingestellten Latino-Neuling, fl achzulegen. Vielleicht treib ich mich einfach in der Umkleide bei den Spinden rum, wenn Aguilar in die Dusche geht. Sergeant Townes war Mitte fünfzig und sehr auf die Einhaltung der Vorschriften erpicht. Unter seinem Kommando mussten die Officer stets geschniegelt und frisch rasiert auf Streife gehen, darauf legte er großen Wert.

Kurz nachdem er sich das Frühstück zubereitet hatte, erhielt er einen Anruf von einem Telefonverkäufer, der ihm eine Aktualisierung seines Telefonvertrags anbot, und er dehnte das Gespräch einige Minuten länger als nötig aus, froh darüber, dass er nichts weiter als die Stimme des Mannes hörte. Letztlich hatte er dem neuen Vertrag nur aus Erleichterung darüber zugestimmt, dass er die inneren Stimmen übers Telefon nicht hören konnte. Der Verkäufer schien zu spüren, dass etwas nicht stimmte, zumal er das Gespräch mit Snowe alle paar Minuten unterbrach, um nachzufragen, " Mr. Snowe, sind Sie noch da?" Snowe hatte keine Ahnung, was er da jetzt vereinbart hatte. Er wusste nur, dass seine Mobiltelefonrechnung jetzt höher sein würde - und dass er die Gedanken einer anderen Person nur dann hören beziehungsweise lesen konnte, wenn er mit dieser in einem Raum war.

Vielleicht sollte er mit jemandem darüber sprechen. Aber mit wem? Wer würde ihm glauben? Und würden die Menschen sich nicht unwohl in seiner Gegenwart fü hlen und ihn womöglich meiden? Er wusste bereits, dass einer seiner Kollegen ein Dieb war, ein anderer schwul, ein weiterer geil - und all das nach wenigen Minuten. Was würde dann nach einer Stunde ans Tageslicht kommen? Wie konnte er eine ganze Schicht mit einem Partner absolvieren, acht Stunden in einem Auto mit einem anderen Streifenpolizisten, von dem er jedes noch so triviale Detail, das ihm durch den Kopf ging,

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