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Gefahr von Francis, Dick (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Gefahr

Alessia Cenci, Italiens erfolgreichste Rennreiterin, wird entführt. Andrew Douglas, Mitglied einer privaten Anti-Kidnapping-Beratungsfirma, wird auf diesen Fall angesetzt. Er hat nur zwei Anhaltspunkte: ein Gesicht, das ihm nicht gefällt, und - Pferde... Ziemlich schnell begreift er, daß der Organisator dieser Entführung ein ebenbürtiger Gegner ist. Als es noch zu weiteren Kidnappings kommt, beginnt ein Rennen auf Zeit zwischen zwei Profis, bei dem nur eine Frage von Bedeutung ist: Wer macht zuerst den entscheidenden Fehler? Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257606782
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: The Danger
    Größe: 717 kBytes
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Gefahr

{7} Italien

1

I n Bologna war alles zu spät.

Ich bemühte mich, so still wie möglich zu stehen, während Wellen kalter Wut und heißer Angst an mir zerrten, daß ich hätte durchdrehen können.

Ich stand still ... während ein Menschenleben, das vielleicht von mir abhing, bedenkenlos von anderen aufs Spiel gesetzt wurde. Stand still inmitten der Trümmer eines fast errungenen Erfolges, einer fast erwirkten Freiheit, einer schon greifbaren Rettung.

Die gefährlichste, heikelste Phase einer jeden Entführung ist die Übergabe des Lösegelds. In dem Moment, da es den Besitzer wechselt, muß irgend jemand irgendwie aus dem Dunkel heraustreten ... und ein Entführer nähert sich seinem Wasserloch mit größerer Vorsicht als jedes Tier des Dschungels.

Ein Verdacht, eine Spur, schon der leiseste Hinweis auf Beobachter reicht aus, daß er die Beine in die Hand nimmt und davonrennt. Danach, wenn die Angst in ihm gärt und seine Rachgier entbrennt, wird er am ehesten töten. Die Übergabe zu verpatzen heißt, die Gefahr für das Opfer hundertfach höherschrauben.

Alessia Cenci, dreiundzwanzig Jahre alt, war zu dem Zeitpunkt bereits seit fünf Wochen, drei Tagen, zehn Stunden in den Händen der Entführer, und nie war sie näher daran gewesen, ihr Leben zu verlieren.

{8} Enrico Pucinelli kletterte mit grimmigem Gesicht durch die Hecktür des Krankenwagens, in dem ich stand - ein Transporter, genauer gesagt, der von außen wie ein Krankenwagen aussah, dessen dunkel getönte Fenster jedoch eine Bank, einen Stuhl und eine Masse elektronischer Ausrüstung im Innern verbargen.

"Ich hatte dienstfrei", sagte er. "Diese Befehle kamen nicht von mir."

Er sprach italienisch, aber mir zuliebe langsam. Als Männer verstanden wir uns sehr gut. Als Dolmetscher, die wir beide die Sprache des anderen besser verstanden, als wir sie sprechen konnten, brauchten wir Zeit. Wir redeten sehr artikuliert miteinander, jeder in seiner Muttersprache, und hörten aufmerksam zu; wenn nötig, baten wir um Wiederholung.

Er war der Carabinieri-Offizier, der die amtlichen Ermittlungen leitete. Den Erfordernissen äußerster Vorsicht und minimalen sichtbaren Einsatzes hatte er durchweg zugestimmt. Vor der Villa Francese, in der Paolo Cenci bleich auf Nachricht von seiner Tochter wartete, war nie ein heraldisch geschmücktes Fahrzeug mit hektisch kreisendem Blaulicht erschienen. Nirgends war ein Uniformierter in das Blickfeld feindlicher Augen gerückt. Nicht, solange Pucinelli es hatte verhindern können.

Wir waren uns einig gewesen, daß es in erster Linie auf die Sicherheit des Mädchens ankam und erst in zweiter auf das Ergreifen der Kidnapper. Längst nicht jeder Polizeibeamte sah das in dieser Reihenfolge; die Jagdinstinkte vieler Gesetzeshüter werden allein durch das Aufbringen ihrer Beute befriedigt.

Leider hatte Pucinellis diensttuender Kollege an diesem verhängnisvollen Abend, als er plötzlich die Chance erkannte, relativ leicht über die Kidnapper herzufallen, wenn sie das Lösegeld abholten, keinen Grund gesehen, sich zurückzuhalten. In die sommerlich schwüle Dunkelheit, in den sorgfältig ausgehandelten, geduldig abgedämpften Moment der größten Ruhe {9} hatte er seinen Stoßtrupp preschen lassen: fuchtelnde Gummiknüppel, Stimmengewirr, blendende Scheinwerfer, ominös zum Nachthimmel erhobene Pistolen, Sirenengeheul ... die ganze moralische Aggressivität einer gerechten Armee in wilder Verfolgung.

Von dem Krankenwagen aus, der weit entfernt auf der Straße stand, hatte ich ungläubig, mit ohnmächtigem Zorn zugesehen, wie es geschah. Mein Fahrer hatte fluchend den Motor angelassen und uns im Schleichtempo näher an den Tumult herangebracht, und wir hatten beide recht deutlich die Schüsse gehört.

"Man bedauert es", sagte Pucinelli steif, mich beobachtend.

Darauf hätte ich wetten könne

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