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Gefallene Blüten. Historischer Kriminalroman von Skorpil, Clementine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2015
  • Verlag: CulturBooks Verlag
eBook (ePUB)
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Gefallene Blüten. Historischer Kriminalroman

Über das Buch Shanghai 1926: Die eigenwillige Ai Ping verlässt ihr Heimatdorf, um nach ihrer verschollenen Enkelin zu suchen. Die Spur führt zu den Kurtisanenhäusern, ins Reich der "wilden Hennen" von Shanghai, doch dann verliert sie sich plötzlich. Hängt das Verschwinden der schönen Pflaumenblüte mit dem ermordeten Komprador Liu Er zusammen? Die starrköpfige Großmutter lässt nicht locker. Sie betraut einen aufmüpfigen Studenten mit Nachforschungen und legt sich dabei arglos mit mächtigen Widersachern an ... Skorpils ungleiches Ermittlerduo, die Großmutter vom Lande und der weltmännische junge Möchtegern-Revolutionär, wachsen dem Leser sofort ans Herz. Durch ihre Augen sehen wir Shanghai vor neunzig Jahren: ein faszinierender Ort voller Widersprüche, wo Kulturen aufeinanderprallen, wo die industrielle Revolution tobt, der Opiumhandel blüht, während ?fremde Teufel? und heimische Gangster absahnen. Wir tauchen ein in eine rasante Zeit und entdecken einen faszinierenden Ort voller Widersprüche, wo das Verbrechen blüht. Historische Akkuratesse, lebensechte Figuren und leiser, kluger Humor zeichnen Clementine Skorpils Roman aus. All das gebündelt in einem mitreißenden Krimiplot. "Ein spannender, atmosphärisch dichter Krimi, der ein Fenster zu einer anderen Welt öffnet." Deutschlandradio Kultur Mit einem Vorwort von Else Laudan Clementine Skorpil, geboren 1964 in Graz, studierte Sinologie und Geschichte. Absolvierte ein Auslandssemester in Taiwan, Shifan-Universität, Taipei. Nach dem Studium wurde sie selbstständige Journalistin, Lektorin und Publizistin. Seit 2011 lektoriert und schreibt sie für die Tageszeitung Die Presse und veröffentlichte diverse Kurzgeschichten, einen historischen Kriminalroman und ein Kinderbuch. Sie lebt mit Mann und Zwillingen in Niederösterreich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944818726
    Verlag: CulturBooks Verlag
    Serie: Krimi
    Größe: 1577 kBytes
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Gefallene Blüten. Historischer Kriminalroman

Die Arbeiter der Fabrik standen um ihn herum. Lou Mang und ein kleiner Junge, den er dafür bezahlte, hielten ein Transparent mit Hammer und Sichel hoch. Solange Lou auf die Fabrikbesitzer schimpfte und höhere Löhne forderte, waren sie alle auf seiner Seite. Wenn er vorschlug, einen Streik zu organisieren, gingen sie weg.

Die Frauen blieben abseits. Die jungen steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. Und kicherten. Einmal war es ihm gelungen, eine der Frauen zum Tee einzuladen. Er fragte, worüber sie geredet hatten. Sie zog den Kopf zwischen die Schultern und wurde rot. "Eure Ohren", murmelte sie, "sie sind zu klein für einen Mann."

Lou packte seine Sachen ein. Die Flugblätter waren alle noch da, obwohl er nichts dafür verlangte. Der Junge rollte das Transparent zusammen. Lou zündete sich eine Zigarette an. Der Kleine kam zu ihm, fasste ihn am Ellbogen und deutete mit dem Kopf Richtung Straße. "Die Dame will was von dir", sagte er.

Lou drehte sich um. Sie sah aus wie seine Großmutter. Ihr sandfarbenes Kleid streifte fast den Boden. Darüber trug sie eine Jacke aus dunkler Seide mit weiten Ärmeln. Die Haare hatte sie hochgesteckt. Ihr Gesicht war faltig und - seltsam für eine Frau ihres Standes - braungebrannt. Sie hielt sich so gerade, als hätte sie einen Stock verschluckt.

Er näherte sich der Frau und betrachtete sie. Sie sah kurz zu Boden, begann dann aber gleich zu sprechen. "Ihr seid Lou Mang, nicht wahr?"

"Der bin ich."

Es ginge ihr nicht um die Befreiung des Proletariats, erklärte sie. Sie fand es sogar falsch, dass man den Kaiser davongejagt hatte. Aber sie hatte Lou sprechen gehört und verstanden, dass er sich um die Armen und Ausgestoßenen bemühte.

Lou stemmte die Hände in die Hüften. Was wollte die Alte von ihm?

Sie sprach von ihrer Enkelin Pflaumenblüte, einer Schönheit vom Lande. Die war auf einen Heiratsschwindler hereingefallen und mit diesem Mann nach Shanghai gezogen. Seither gab es kein Lebenszeichen mehr von ihr. Die Frau wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Lou sah schnell zur Seite. Sie fing sich wieder und erzählte weiter: "In unserem Dorf gab es einen Jungen, Li Chenyi, der Pflaumenblüte heiraten sollte. Dazu kam es nicht. Li lebt jetzt in Shanghai. Vor dreimal zehn Tagen kam er auf den Hof und berichtete, dass er Pflaumenblüte in einem Kurtisanenhaus gesehen hat. Anping, ihr Vater, erklärte sie daraufhin für tot." Die Dame zog ein Tuch aus ihrem altmodischen Parfumbeutel und drückte es an die Nase. "Er weigert sich, nach ihr zu suchen. Deshalb ...", sie schniefte, schnäuzte sich in das Tuch, steckte es ein, "muss ich sie suchen. Und ich bitte Euch, mir zu helfen."

Hatte er sich verhört? Sie wollte, dass er in den zehntausenden Bordellen von Shanghai nach einer Kurtisane suchte? Er verbeugte sich leicht. "Ich verstehe Eure Sorge. Aber was soll ich in dieser Angelegenheit tun?"

"Geht in die Weidenhäuser und seht Euch nach ihr um."

Lou schluckte, zog die Mundwinkel nach oben, was hoffentlich wie ein Lächeln aussah. "Geehrte Dame Ai", sagte er, "das ist ein verschwiegenes Gewerbe. Niemand wird mir ein Sterbenswörtchen verraten. Die meisten Mädchen haben Hausnamen. Sie nennen sich anders als in ihrer Familie, und ich kann nicht alle Kurtisanen fragen, ob sie in Wirklichkeit Pflaumenblüte heißen und eine Großmutter namens Ai Ping haben."

"Natürlich nicht. Aber wenn Ihr Euch öfter in diesen Etablissements zeigt, wird man Vertrauen schöpfen. Sagt, Ihr habt durch einen Freund von Pflaumenblüte erfahren und wollt sie kennenlernen."

Er wollte sie keineswegs kennenlernen. "Ich habe weder Zeit noch Möglichkeit, Eure Enkelin zu suchen."

"Das Geld bekommt Ihr von mir! Ich bezahle natürlich auch für die Mühe."

"Es geht nicht um Geld." Er ließ den Zigarettenstummel auf die Straße fallen und trat mit dem Fuß darauf. Ziemlich verwegen, das Angebot abzulehnen, wenn er bedachte, dass er Frau Gao in

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