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Gipfelkreuz Kriminalroman von Gwaltinger, Xaver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.06.2019
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Gipfelkreuz

Rache in den Alpen Emil Bär, Ex-Pfarrer und Psychoanalytiker, reist mit seiner Freundin in die Normandie. Doch der Urlaub wird überschattet von etlichen Todesfällen: Hochbetagte Rentner verunglücken auf mysteriöse Weise. Alle sind deutsch, alle waren an der Invasion der Alliierten 1944 beteiligt. Zurück im Allgäu sucht Bär nach Zusammenhängen und wird vom Jäger zum Gejagten. Denn die blutige Spur führt bis in die Alpen - und in seine eigene Familiengeschichte. Xaver Maria Gwaltinger ist im bayerischen Schwaben aufgewachsen, hat Germanistik, Theologie und Psychologie studiert und lange in Frankreich und Australien gelebt. Das Allgäu ist aber seine Heimat geblieben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 19.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960414841
    Verlag: Emons Verlag
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Gipfelkreuz

13 Marktlücke

Wir flanierten weiter durch Courseulles.

"Schau mal", sagte ich. Deutete auf ein Schild.

In der Einfahrt stand ein Leichenwagen.

Auf dem Schild stand: "Funérailles Paix. Hier wird auch Deutsch gesprochen."

Ich sagte: "Die haben wohl eine Marktlücke entdeckt."

Stanzi zog mich an der Hand weiter, sagte: "Ach, lass das. Das ist so deprimierend. Bestattung. Leichenwagen."

"Leichenwagen bringen Glück!"

"Quatsch! Leichenwagen bringen Tote."

"Doch, das stimmt. Glück bringt er, der Leichenwagen ... Aber nur, wenn er von links kommt!"

"Bist jetzt durchgeknallt?"

"Wahrscheinlich. Aber es stimmt. Weiß ich schon immer. Schon als Bub ..."

"Ach, lass mich in Ruh mit deinen Spinnereien!"

Ich sagte: "Ich will bloß schnell was rausfinden! Geh halt eine halbe Stunde Shopping. Kannst mir eine Süddeutsche mitbringen ..."

Sie ließ sich widerwillig zum Shopping überreden.

Ich öffnete die Tür vom Bestattungsinstitut Paix.

An der Rezeption saß eine Dame. Sah aus wie Mireille Mathieu nach der Menopause. Pechschwarzes Haar. Knallrote Lippen. Vertrauensvoller Blick.

"Bonjour, monsieur!"

Sie meinte mich.

Ich sagte: "Da draußen auf Ihrem Schild steht, dass man hier auch Deutsch spricht."

"Oui, monsieur ... un moment!"

Sie lächelte mich an. Beruhigend.

Rief ins Innere des Etablissements: "Orst!"

Sagte zu mir: "Tout de suite! Asseyez-vous!"

Deutete auf einen schwarzen Sessel.

Ich sagte: "Merci beaucoup."

Dazu reichte mein Französisch gerade noch.

Auf dem Sessel hockte eine Katze. Klein. Weiß. Mit einem pechschwarzen Tupfen zwischen den Augen. Vielleicht benutzte sie das gleiche Schampon wie Madame Mireille.

Ich sagte: "... petit chat ... magnifique ..." Weiter kam ich nicht, weil ich nicht wusste, was "Tupfen" auf Französisch heißt.

Madame Mireille errötete verschämt, sagte: "Oh pardon, monsieur."

Zur Katze: "Viens ici, ma chérie!"

Das Kätzchen machte einen Satz und landete auf dem Schoß von Madame.

Ich dachte: Da wär ich jetzt auch lieber als in einem harten Plastiksessel.

"Ich sagte: "Magnifique ... quelle chatte amoureuse!"

Sollte heißen: Was für ein liebes Kätzchen.

Madame kicherte, das Rouge auf ihren Wangen erglühte.

Ein Schrei erlöste uns aus der unglücklichen deutsch-französischen Situation. Er kam aus dem Nebenraum. "Ja?"

Die Ja-Stimme gehörte Orst. Er sagte: "Horst Mengele" und streckte mir seine Hand entgegen: "Was kann ich für Sie tun?"

Ich sagte: "Bär. Emil Bär. Es handelt sich um ... äh ... was Vertrauliches", streifte mit einem Blick Madame Mireille mit der Pussy auf ihrem Schoß. Sie tippte auf die Tasten ihres Gerätes ein, schaute ganz tief in den Bildschirm ihres PC s.

Orst kapierte sofort, sagte: "Kommen Sie doch mit in mein Büro."

Sein Büro war eingerichtet wie eine Gruft, nüchtern, am Fenster stand eine Urne.

Ich dachte, ob sie wohl voll ist oder leer.

Er bot mir einen Stuhl an.

Lächelte erwartungsvoll.

Wie ein Psychoanalytiker.

Ich sagte: "Ich bin nämlich in Sorge. Wegen meinem Vater, mit dem mach ich gerade Urlaub hier ... Es war sein letzter Wunsch, er ist schon neunundachtzig, multimorbid, wenn Sie verstehen, was ich meine ..."

Orst nickte wissend.

"Er war nämlich als junger Mann hier, im Krieg, 1944, Invasion, Sie wissen schon ..."

Orst nickte wieder. Wissend.

"Und in den letzten Tagen sind doch etliche von den alten Leuten umgekommen ..."

"Ja, ich weiß. Deshalb haben wir hier auch einen speziellen Service eingerichtet. Im Falle, dass -"

"Und ich hab mir

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