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Glaube Liebe Tod von Gallert, Peter (eBook)

  • Erschienen: 12.05.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Glaube Liebe Tod

Woran kann man glauben in einer Welt voller Verbrechen?

Ein Polizist steht auf der Duisburger Rheinbrücke und will sich in die Tiefe stürzen. Der Seelsorger Martin Bauer soll ihn daran hindern. Er klettert einfach über das Geländer und springt selbst. Überrumpelt springt der Beamte hinterher, um Bauer zu retten. Gemeinsam können sie sich aus dem Wasser ziehen. Bauer hat hoch gepokert, aber gewonnen. Doch wenige Stunden später ist der Polizist tot, nach einem Sturz vom Deck eines Parkhauses. Ein klarer Fall von Selbstmord, gegen den Beamten wurde wegen Korruption ermittelt. Bauer weiß nicht, was er glauben soll. Und er sieht die Verzweiflung in der Familie des Toten. Auf der Suche nach der Wahrheit setzt er alles aufs Spiel ...

Peter Gallert wurde 1962 in Bonn geboren. Ein Germanistik- und Geschichtsstudium brach er erfolgreich ab. Seit den 90er Jahren Drehbuchautor für TV-Serien von Krimi bis Krankenhaus (in Zusammenarbeit mit Jörg Reiter). Er ist Karate-Kindertrainer, hat drei Töchter und lebt mit seiner Familie in Köln.

Produktinformationen

    Größe: 2868kBytes
    Herausgeber: Ullstein
    Untertitel: Kriminalroman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 416
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783843714747
    Erschienen: 12.05.2017
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Glaube Liebe Tod

01 Er schwitzte. Der Kragen der Uniformjacke scheuerte an seinem Hals. In den Fingern hatte er kein Gefühl mehr. Die Kälte war aus dem Metall in seine Hände gekrochen und fraß sich nun in die Knochen. Er schaffte es nicht loszulassen. Aber das musste er auch nicht. Irgendwann würden seine verkrampften Muskeln schon aufgeben. Er starrte in die Tiefe. Der Fluss zog gleichgültig in Richtung Meer. Ein Boot der Wasserschutzpolizei hielt seine Position gegen die starke Strömung. Es sah aus wie das Spielzeug, das er seinem Sohn einmal zu Weihnachten geschenkt hatte. War das wirklich schon zwölf Jahre her?

Es herrschte Stille auf der Brücke. Vollsperrung in beide Richtungen, mitten in der Rushhour. Wahrscheinlich hatte er das halbe Ruhrgebiet lahmgelegt. Er konnte die Kollegen nicht hören, sie hielten den Abstand, den er gefordert hatte, aber er wusste, dass sie ihn verfluchten. Wieder Überstunden, wieder einmal zu Hause anrufen: Schatz, es wird später. Wie lange hielt eine Ehe das aus? Wie lange hatte seine das ausgehalten? Wann war sie zerbrochen? Warum hatte er es nicht gemerkt? Er hatte keine Ahnung.

Dann hörte er wieder ein Martinshorn. Er blickte sich um. Ein Zivilfahrzeug mit Aufsetzblaulicht jagte über den Standstreifen auf die Brücke zu. Wen karrten sie jetzt noch ran? Einen Psychofritzen? Nein, der Mann, der aus dem Auto sprang, trug ebenfalls Uniform. Egal, es spielte keine Rolle mehr. Keunert lehnte sich weiter vor, die Unterkante des Geländers schnitt in seine Achillessehnen. Er stand auf der falschen Seite. Und er konnte nicht mehr zurück.

Am Anfang hatte Martin Bauer versucht, Gott einen Handel unterzuschieben: weniger Tote, weniger Zigaretten. Die Toten waren in all den Jahren nicht weniger geworden. Trotzdem hielt sich Bauer bis heute an sein Versprechen. Tage ohne Sterben, ohne Todesnachricht waren für ihn Tage ohne Zigaretten.

Der Mann auf der Brücke lebte - noch: Walter Keunert, Polizeimeister, verheiratet, ein Kind. Bauer ließ sich über Funk die Personalakte vorlesen, während Verena Dohr den Dienstwagen über den Standstreifen der A 40 jagte, vorbei an dem kilometerlangen Stau. Gesichter wischten vorüber. Bauer glaubte, den Ärger in ihnen erkennen zu können. Er beendete das Funkgespräch.

"Nicht viel, womit ich arbeiten kann", stellte Bauer fest.

"Es muss reichen." Die junge Hauptkommissarin bremste hart ab. Sie kamen am Anfang der Brücke zum Stehen, keinen Meter vor den quergestellten Streifenwagen. Bauer sprang aus dem Auto, ehe Verena den Motor abgestellt hatte. Die Beamten nickten ihm zu. Einige kannte Bauer seit Jahren. Die anderen reagierten auf seine Jacke. Sie unterschied sich nur durch die Schulterklappen von ihren Uniformen: zwei kleine Kreuze anstelle von Dienstgradsternen. Die Polizisten im Revier respektierten Bauer. Es hatte eine Weile gedauert, aber er war einer von ihnen geworden. Er kannte ihre Dämonen. Es waren längst auch seine.

Der Einsatzleiter löste sich aus der Gruppe und kam auf ihn zu. Doch Bauer schüttelte nur den Kopf und eilte zwischen den Streifenwagen hindurch.

"Soll ich mitkommen?", hörte er Verena rufen.

"Nein." Er drehte sich nicht um. Keunert stand auf dem Scheitelpunkt der Brücke, auf der falschen Seite des Geländers. Aus der Entfernung war es nur eine winzige Bewegung, doch Bauer war sicher: Der Polizeimeister lehnte sich nach vorn. Bauer fing an zu rennen. Er hatte die Brücke schon unzählige Male mit dem Auto überquert, im fließenden Verkehr, in nicht mal einer Minute. Doch nun war sie leer. Er war allein. Er spürte das Dröhnen seiner Schritte auf dem Asphalt. Die Steigung, die er im Auto nie bemerkt hatte, kam ihm auf einmal wie ein Berg vor, die Fahrspurmarkierungen, die sonst in einem Wimpernschlag vorbeiflogen, kosteten ihn bald schon mehrere keuchende Atemzüge, die Fahrbahn wirkte breiter als der Fluss unter ihnen, und der Weg bis zu dem Mann, der sich seinem Tod ent

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