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Gottes böse Kinder von Emami, Leila (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.11.2014
  • Verlag: 110th
eBook (ePUB)
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Gottes böse Kinder

Der Wissenschaftler Max Winter ruft auf seiner heimlichen Suche nach dem wahren Ursprung des Islam fanatische Glaubenshüter auf den Plan. Seine Tochter, die Journalistin Marjam Winter, kommt bei ihren Recherchen im Irak zufällig hinter seine brisanten Forschungen und macht sich damit ebenfalls zur Zielscheibe. Doch sie soll nicht in aller Heimlichkeit ermordet werden. Unschuldig wird sie in einen verheerenden Terroranschlag verwickelt. Nun steht nicht nur ihr Leben auf Messers Schneide, sondern auch der Frieden des ganzen Landes. Um zu überleben, muss sie in einen tiefen Abgrund steigen, wo das wahre Böse und ein streng gehütetes Geheimnis auf sie warten.

Leila Emami, geboren 1970 im Land ihres Vaters, Iran, aufgewachsen in der Heimat Ihrer Mutter, Deutschland, machte nach dem Studium der Germanistik, Filmwissenschaft und Kunstgeschichte das Schreiben zu ihrem Beruf. Ihr Motto: 'Ich liebe Krimis und Thriller, denn jeder von uns hat eine dunkle Seite, und jeder liebt Nervenkitzel.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 295
    Erscheinungsdatum: 26.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958653184
    Verlag: 110th
    Größe: 354 kBytes
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Gottes böse Kinder

Absichtlich trat er gegen die Tasse Tee, die sie soeben vor ihm auf den Boden gestellt hatte. Wie Nebel stieg der heiße Dampf aus dem kunstvoll geknüpften Teppich empor, bevor er sich vor ihren erschrockenen Augen in Nichts auflöste.

"Lass mich doch in Ruhe mit deinem Tee!" Seufzend erhob er sich aus dem Schneidersitz, ging an ihr vorbei und stellte sich ans Fenster. Sein Blick schweifte über die kubischen, sandfarbenen Häuser von Bagdad. Antennen ragten wie Glieder toter Insekten in die Höhe. Am Horizont schraubten sich schwarze Rauchsäulen in den graublauen Himmel, bevor auch sie sich in Nichts auflösten. Eine Brise wehte die verstaubten Wedel der Palme in seinem Garten hin und her und den Gestank dieser Hölle in sein Haus. Da war er wieder, dieser Stein in seiner Kehle.

Sie warf ihm einen stechenden Blick zu. "Soll sich jeder wie du den ganzen Tag in eine Ecke setzen?" Sie ließ sich auf ihre Knie fallen und begann mit einem Lappen den Tee aus den bunten Teppichfasern zu reiben. "Und wenn es da draußen brennt, du musst was essen und trinken! Den Teppich brauchen wir auch noch."

"Wo soll ich ihn denn verkaufen? Auf dem Basar?" Er krallte die Finger in seine dichten, graumelierten Haare, als wolle er aus ihnen eine Antwort herausquetschen.

"Ist mir egal, wo!" Sie schleuderte den teegetränkten Lappen vor seine Füße. "Ich will fort von hier!"

Er starrte weiter aus dem Fenster. Was sollte er ihr antworten?

"Geh doch zu meinem Cousin! Der weiß, wo man was verkaufen kann", unterbrach sie seine Gedanken.

Alawis Magen krampfte sich zusammen. Er wusste, was sie dachte. Er war nicht so ein gerissenes Schlitzohr, kein Geschäftsmann wie ihr toller Cousin. Er hatte es nicht einmal übers Herz gebracht die Handschrift zu verkaufen, die er seit letztem Jahr in demselben alten Gebetsteppich gewickelt, in seinem Keller versteckt hielt. Sollten sich etwa andere mit ihr schmücken, während er in einem syrischen Flüchtlingscamp unter Stofflappen hausen musste? Nein, sie war zu kostbar, um sie an Schwarzhändler und Diebe zu verhökern.

"Hörst du mir überhaupt zu? Am besten, du gehst gleich zu meinem Cousin!", sagte Fatima. "Bete, dass er noch in Bagdad ist!"

In diesem Augenblick hämmerte jemand gegen ihr metallenes Gartentor. Beide fuhren zusammen. Sie erwarteten niemanden. Es klopfte heftiger. Fatima rannte in den Flur, zog ihren schwarzen Schleier vom Kleiderhaken und warf ihn sich über. Sie wurde, seit die Amerikaner über sie hergefallen waren, von Wahnvorstellungen getrieben. Für den Fall eines Übergriffs auf ihr Haus, hatte sie sich zwei Waffen bereitgelegt. Einen Fotoapparat und ein Fleischermesser. Zuerst wollte sie die Eindringlinge in ihrem Garten fotografieren. "So kann man sie später identifizieren und anklagen", behauptete sie. Danach wollte sie durch das Küchenfenster, das sich zur hinteren Gasse öffnen ließ, fliehen. Mit dem Fleischermesser in der Hand, glaubte sie sich der amerikanischen Armee gewachsen.

Es klopfte wieder. "Allah sei Dank, sind die Kinder bei meiner Schwester auf dem Land", rief sie und griff nach dem Fotoapparat.

"Vielleicht ist es ja ein Nachbar", versuchte er sie zu beruhigen. "Oder glaubst du, die Amerikaner klopfen vorher an? Ich sehe nach!"

"Sei vorsichtig! Falls wir uns verlieren, ich versuche mich zu den Kindern durchzuschlagen."

Alawi schüttelte den Kopf. Er hatte es aufgegeben, sie von diesem abstrusen Plan abzubringen. Er eilte in den Garten. "Wer ist da?", rief er. Keine Antwort. Nur Klopfen. Waren es doch die Amerikaner? Mit pochendem Herzen öffnete Alawi das blaue, metallene Gartentor um einen Spalt.

"Wo steckst du denn? Ich bin's", sprangen ihn die Worte seines Gegenübers an.

"Ah du!" Erleichtert zog er das quietschende Tor weit auf.

Es war Al-Hashimi. Alawis Kollege aus der Nationalbibliothek.

"Ich habe hier einen Gast aus Deutschland. Er hat ein paar Fragen

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