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Gottes leere Hand Roman von Efinger, Marianne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2012
  • Verlag: Bookspot Verlag
eBook (ePUB)

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Gottes leere Hand

Der Wissenschaftsjournalist Manuel Jäger wurde mit Glasknochen geboren und landet zum x-ten Mal in seinem Leben dort, wo er nicht sein will: im Krankenhaus. Dort lernt er die Krankenschwester Dagmar kennen, die ihn eigentümlich fasziniert, weil sie ihn an seine bei einem Unfall getötete große Liebe Lenora erinnert.

Doch sein Aufenthalt im Marienhospital steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Als er sich eine Erkältung zuzieht, die für ihn lebensgefährlich ist, da er wegen seiner Glasknochen den Schleim nicht abhusten kann, beginnt für Manuel ein Kampf auf Leben und Tod.


Ein nachdenklicher, atmosphärisch dichter Roman, der die wirklich wichtigen Fragen unserer Existenz aufwirft: Welche Qualität geben wir unserer Lebenszeit und wie gehen wir mit den zentralen Themen Liebe, Krankheit und Tod um?

Marianne Efinger wurde 1958 im süddeutschen Raum geboren. Nach einigen Semestern Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Philosophie an der Universität Stuttgart war sie zunächst in der Marketingabteilung eines philosophischen Verlags tätig, dann im Landesverband einer Umweltschutzorganisation. Nach einem Unfall machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Die in diesem Beruf gemachten Erfahrungen wurden in 'Gottes leere Hand' literarisch verarbeitet. Seit 2003 lebt Marianne Efinger mit ihrem Mann in der Bretagne.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 377
    Erscheinungsdatum: 14.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783937357652
    Verlag: Bookspot Verlag
    Größe: 988 kBytes
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Gottes leere Hand

Dienstag

Das Schnarchen im Bett nebenan ist so laut gewesen, dass Manuel kein Auge zugetan hat. Schließlich hat die Nachtschwester ihm sogar Oropax gebracht. Viel genutzt haben die Ohrenstöpsel allerdings nicht. Nach endlos scheinenden Stunden fühlt Manuel sich wie gerädert und ist dankbar, dass die Nacht ihrem Ende entgegengeht.

Ihm kommt der Gedanke, dass es der Lärm sein könnte, der den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht. Vielleicht wird jedem Menschen ein gewisses Kontingent an Lärm mit in die Wiege gelegt und Selbstverwirklichung heißt nichts anderes, als eben dieses Lärmpotenzial auszuschöpfen. Dann ist es weder die Sprache noch die Musik noch der Gebrauch von Werkzeugen, was den Menschen als solchen kennzeichnet, sondern der Lärmpegel, der mit all diesen Aktivitäten verbunden ist. So betrachtet, ist die Menschheit auf dem Weg der Evolution tatsächlich so weit vorangeschritten, wie sie glaubt. Diese Theorie würde auch erklären, warum es in der Welt immer lauter und noch lauter wird.

Im Zimmer stinkt es, was unvermeidlich ist, wenn drei Männer auf einer Fläche von achtzehn Quadratmetern zusammengepfercht liegen und das Fenster keinen Spalt breit geöffnet werden darf. Rudolf Schröder kann nämlich nur bei geschlossenem Fenster schlafen, vor allem deshalb, weil Manuel darum gebeten hat, dass es die Nacht über wenigstens auf Kippe gestellt wird. Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Manuel ist höflich und behandelt den Mann am Fenster mit kalter Nichtachtung. Rudolf Schröder ist weniger höflich, aber noch geht es ihm schlecht und er ist mit sich selbst beschäftigt.

In der Nacht hat Manuel geschwitzt. Seine Körpertemperatur liegt mehr als ein halbes Grad über dem normalen Wert von knapp siebenunddreißig Grad. Das hat mit seinen Glasknochen und seinem Stoffwechsel zu tun. Er friert selten, selbst an kalten Tagen genügen ihm Sweatshirt und Jacke. Andererseits muss er aufpassen, dass er sich nicht erkältet, wenn er schwitzt. Letzteres tut er häufig, wenn er im Rollstuhl sitzt. Vielleicht hat er gestern zu lange in zugigen Fluren gesessen, denn hinter seinen Rippen fühlt es sich an, als hätten seine Lungenbläschen sich in Eiskristalle verwandelt. Was immer die Röntgenbilder von seiner Lunge sagen, etwas ist nicht, wie es sein sollte.

Plötzlich tut es einen Schlag - rums! - , die Tür fliegt auf und kracht gegen die Holzleiste - rums! - , und im selben Augenblick flammt grell das Licht auf. Es ist Schwester Rita, die mit ihrem Handwagen die Tür aufgestoßen und zeitgleich die Neonröhre an der Decke eingeschaltet hat.

Albert Schuster und Rudolf Schröder fahren aus ihren Kissen hoch. Das Schnarchen bricht abrupt ab.

"Guten Morgen, meine Herren!", trompetet Schwester Rita. "Haben Sie gut geschlafen? Nun wird Fieber gemessen und wenn ich damit fertig bin, geht es - hopp, hopp! - ans Waschbecken."

Schwester Rita hat schon gestern Nachmittag Dienst gehabt, daher ist Manuel von diesem Auftritt nicht allzu sehr überrascht. Sie ist um die fünfundzwanzig Jahre alt, forsch in ihrem Wesen und eher handlungsorientiert denn kontemplativ veranlagt. Die dunklen Haare trägt sie als Pagenschnitt mit Stirnfransen und besonders fällt die dicke Hornbrille auf, durch die ihre Augen vergrößert wirken. Es macht ihr offensichtlich Spaß, mit dem Handwagen gegen Türen zu poltern und Leute aus dem Schlaf zu reißen.

Sie spielt die Rolle der rabiaten Krankenschwester aus purer Lust an der Sache, denkt Manuel und in derselben Sekunde, als ihm der Gedanke durch den Kopf geht, kreuzen sich zufällig ihre Blicke. Jeder sieht durch den anderen hindurch und weiß, dass der andere weiß, was er weiß, und weiß, dass er .../s

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