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Granny, ein Mord und ich von Godau, Angelika (eBook)

  • Erschienen: 05.08.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Granny, ein Mord und ich

Einbrecher! Dieser Gedanke lähmt die 34-jährige Journalistin Sabrina, als sie aufwacht und eine Fremde in ihrem Schlafzimmer sitzen sieht. Als diese dann auch noch behauptet, ihre Ur-Ur-Großmutter zu sein, ist sie sicher, über Nacht den Verstand verloren zu haben. Dabei will Granny Granny

Produktinformationen

    Größe: 2077kBytes
    Reihe (Teil): Frauenromane im GMEINER-Verlag Bd.1
    Herausgeber: Gmeiner-Verlag
    Untertitel: Kriminalroman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 347
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783839247167
    Ausgabe: 2. Aufl.
    Erschienen: 05.08.2015
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Granny, ein Mord und ich

Luise

Oh ja, ich erinnerte mich sehr gut. An jeden einzelnen Augenblick, den ich mit Otto verbringen durfte.

Meine Eltern waren einfache Leute, der Vater Gehilfe bei einem Kohlenhändler. Er schuftete von früh bis spät, oft sieben Tage die Woche. Mutter hatte weitere acht Kinder bekommen, alle jünger als ich. Eines von ihnen war immer krank, hatte Masern, Mumps oder Keuchhusten. Vier waren, trotz aller Mühen und Gebete, noch im ersten Lebensjahr gestorben.

Bei der Geburt ihres zehnten Kindes nahm Gott mit dem Säugling auch meine Mutter zu sich. Damit war es nun an mir, den mutterlosen Haushalt zu versorgen. Ich hatte keine Zeit, in die Schule zu gehen, konnte weder lesen noch schreiben. Für Mädchen war das ja auch nicht wirklich wichtig. Dafür konnte ich einen Haushalt versorgen, auch kochen, und auf meine Geschwister aufpassen.

Der Vater war kein schlechter Mensch, und auf seine Art trauerte er sicherlich auch. Er war aber niemand, zu dem ich mit meinem Kummer um die Mutter gehen konnte. Der Alltag forderte schon seine ganze Kraft. Er erwartete abends etwas zu Essen auf dem Tisch, auch wenn das Geld nicht einmal für die Hälfte der hungrigen Mäuler reichte. Satt wurde ich daher selten. Ich war noch zu jung und zu dumm, um zu begreifen, dass geschrieben steht: "Selig seid ihr, die ihr hier hungert, denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hier weinet, denn ihr werdet lachen."

Zwei Jahre später, ich war jetzt 16, starb auch er an einem Fieber. Er war 38 Jahre alt geworden und alles, was er hinterließ, waren fünf unmündige Kinder.

Mein ein Jahr jüngerer Bruder Hugo und ich zogen mit dem, was wir auf dem Leib trugen, zum Kohlenhändler. Bei ihm hatte der Vater bis zum letzten Atemzug sein karges Brot verdient. Hugo sollte ihn nun ersetzen, dabei war er gerade 15, zart gebaut und klein für sein Alter. Ich ging der Hausfrau zur Hand und kümmerte mich um die vier Kinder.

Meine drei jüngeren Geschwister wollte niemand. Sie kamen ins Waisenhaus, ich habe sie nie wiedergesehen, aber für sie zum Herrn gebetet.

Mein Leben war jetzt leichter als in den letzten Jahren. Ich hatte zwar immer noch viel Arbeit, aber ich wurde satt und musste nicht frieren. Die Hausfrau war eine gute Seele, aber ihr Mann vergalt ihr das oft schlecht. So vergingen fast drei Jahre und ich war Gott dankbar für mein Schicksal.

Otto sah ich das erste Mal am Silvestertag des Jahres 1887.

Es schneite schon seit Stunden ohne Unterlass, trotzdem wurde ich losgeschickt, den vorbestellten Karpfen für das Abendessen abzuholen. Die Herrschaft hatte noch einen Besuch zu machen, zu dem nur die drei älteren Kinder mitgenommen werden sollten. Den knapp vierjährigen Franz hatte ich dabei. Der Weg war elend weit, und durch das Schneetreiben erschien er mir noch weiter. Ich erhielt den Karpfen in Zeitungspapier eingewickelt, frisch geschlachtet. Auf dem Nachhauseweg begann nun Franz zu weinen, seine Füße täten ihm weh und ihm sei auch sehr kalt. Fränzchen war ohnehin ein schwächliches Kind, das häufig kränkelte. Er wollte getragen werden und ließ sich nicht überreden, auch nur einen einzigen Schritt weiterzulaufen. Ich war auf Höhe des Schlossparks und unter normalen Umständen hätte ich den Weg wohl in 10 Minuten hinter mich gebracht, aber das Wetter war gegen mich. Schneetreiben im Gesicht, Schnee unter den Füßen, einen Karpfen im Arm und nun auch noch ein Kind auf dem anderen, das nach wenigen Metern bereits fest schlief.

Jeder, der einmal ein schlafendes Kind getragen hat, weiß, dass es mit jedem Meter schwerer zu werden scheint. Dazu fielen die Flocken so dicht, dass ich kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Ich bemühte mich verzweifelt, den kleinen Franz vor ihnen zu schützen.

Durch die seltsame Stille, die der Schnee

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