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Hänschen klein Thriller von Winkelmann, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.05.2010
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)

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Hänschen klein

Jetzt für kurze Zeit zum Kennenlernpreis Der junge Anwalt Sebastian Schneider bekommt eines Tages einen seltsamen Brief: die erste Strophe des Liedes "Hänschen klein" und das innige Versprechen einer Frau, dass sie und ihr Hans bald wieder vereint sein werden. Sebastian glaubt an einen Irrtum. Er ahnt nicht, dass er einen Liebesbrief in den Händen hält, der sein Leben zerstören wird: den Brief einer Mutter, die - totgeschwiegen, totgeglaubt, dem Wahnsinn verfallen - auf der Jagd nach ihrem Sohn ist. Und bereit, für ihr Hänschen klein über mehr als eine Leiche zu gehen ... Andreas Winkelmann, geboren 1968, entdeckte schon früh seine Leidenschaft für unheimliche Geschichten. Er war unter anderem Soldat, Sportlehrer und Taxifahrer, hielt es aber in keinem Job lange aus und blieb nur dem Schreiben treu. "Der menschliche Verstand erschafft die Hölle auf Erden, und dort kenne ich mich aus", beschreibt er seine Faszination für das Genre des Bösen. Er lebt heute mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldesrand nahe Bremen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 17.05.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641044473
    Verlag: Goldmann
    Größe: 381 kBytes
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Hänschen klein

Sonntag (S. 144-145)

Die Sonne verkroch sich hinter einem dunstigen Schleier, der sich wie ein zerschlissenes Betttuch über den gesamten Himmel ausbreitete. Er filterte das Sonnenlicht und ließ es trübe und schmutzig wirken. Uwe Hötzner wusste, dass solche Schleierwolken häufig einen Wetterwechsel ankündigten. Schaden konnte es nicht, für Anfang Juni war es viel zu warm, außerdem nervte die hohe Luftfeuchtigkeit. Drei Diensthemden hatte er in der letzten Woche durchgeschwitzt, ohne sich dabei viel bewegt zu haben.

Er lenkte seinen Wagen bedächtig durch die letzte Kurve, sah den weißen Zaun und die Tordurchfahrt des Schneiderhofes vor sich auftauchen und spürte wieder dieses bedrückende Gefühl im Bauch. Seit er aufgestanden war, war es da, mal mehr, mal weniger intensiv. Eigentlich war sein Magen ein Wunderwerk an Robustheit, doch heute hatte ihm dieses Gefühl sogar das Frühstück verdorben. Hoffentlich hatte er sich bei dem alten Schröder nichts eingefangen!

Die Tassen hatten nicht besonders sauber ausgesehen. Allerdings konnte er sich auch etwas ganz anderes dort eingefangen haben! Befürchtungen, Vorahnungen, Angst. Das würde auch die verwirrenden Träume letzte Nacht erklären. Uwe parkte seinen Wagen vor dem Schuppen und bemerkte, dass Sebastians Wagen fehlte. Nicht sein eigener, der noch immer in der Werkstatt repariert wurde, sondern der Leihwagen, mit dem der Junge jetzt fuhr. Das passte gut! Was er Edgar und Anna zu sagen hatte, war vorerst nicht für die Ohren des Jungen bestimmt. Kaum hatte Uwe die Tür seines Wagens zugeschlagen, spürte er es - etwas stimmte nicht!

Über dem Schneiderhof lag eine bedrückende Stille, ein merkwürdiger Mangel an Licht und Luft, als befände sich das Anwesen unter einer Kuppel. Dieser Eindruck war so überwältigend, dass Uwe automatisch die Schultern zusammenzog und sich Gänsehaut auf seinen Unterarmen ausbreitete. Er verharrte neben seinem Wagen und betrachtete das Haus. Alle Fenster waren dunkel, niemand kam heraus, ihn zu begrüßen, was sonst eigentlich immer der Fall war. Außerdem brannte die Hofbeleuchtung!

Uwes Magen zog sich noch heftiger zusammen. Sein Frühstück stieg ein gutes Stück in der Speiseröhre empor. Er öffnete die Wagentür, beugte sich hinein und holte seine Dienstwaffe aus dem Handschuhfach. Mit Blick auf den eingeschalteten Außenstrahler ließ er das Magazin einrasten. Edgar würde niemals am helllichten Tage die Außenbeleuchtung brennen lassen! Die Waffe am langen Arm ging Uwe mit kurzen Schritten auf das Haus zu. Aus den hohen Eichen dahinter stieg lärmend ein Schwarm Krähen auf.

Ihr hässliches Gekrächze ließ ihn zusammenzucken. Gleichzeitig bemerkte er eine Gruppe der großen schwarzen Vögel vor der Tür des Stalls. Sie waren emsig mit irgendwas auf dem Boden beschäftigt. Uwe näherte sich, bemerkte dabei einen roten Bogen an der weißen Wand des Stalls, so als habe jemand dort mit Farbe herumgespritzt. Zwei Sekunden glaubte er noch daran, dass alles gut werden würde, zwei Sekunden verrannen, bevor sein Weltbild aus den Fugen geriet. Mit einem lauten Tsch! Tsch! verscheuchte er die hüpfenden kampflos aufgeben wollten. Schließlich flogen sie doch davon und gaben den Blick frei auf den Leichnam.

Keine zwei Meter stand Uwe entfernt von dem, was einmal sein Freund Edgar Schneider gewesen war. Lange hielt er dem Anblick nicht stand. Hastig drehte er sich weg und übergab sich in das Blumenbeet neben dem Haus. Noch während er gebückt und mit brennendem Hals dastand, fiel ihm ein, wie leicht angreifbar er jetzt war. Ein letztes Würgen, dann richtete er sich auf, wischte sich den Mund ab und entsicherte die Waffe. Noch einen Blick auf den zerfledderten Leichnam wagte er nicht, wandte sich stattdessen der Haustür zu, die schief in den Scharnieren hing, zu Sägespänen verwandelt dort, wo sich einst das Schloss befunden hatte.

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