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Hafenstraße 52 von Schlennstedt, Jobst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.10.2016
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
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Hafenstraße 52

Zwanzig Jahre nach dem verheerenden Brand in einer Lübecker Asylunterkunft überrollt erneut eine Welle der Gewalt gegen Flüchtlinge die Hansestadt. Aber angeblich steht der schwerste Anschlag erst noch bevor, wie Simon Winter unter mysteriösen Umständen erfährt. Bald schon verdichten sich die Hinweise, dass die Warnung einen glaubwürdigen Hintergrund hat. Doch Winter ahnt noch nicht, wie grausam die Wahrheit tatsächlich ist.

Jobst Schlennstedt, 1976 in Herford geboren und dort aufgewachsen, studierte Geografie an der Universität Bayreuth. Seit Anfang 2004 lebt er in Lübeck. Hauptberuflich ist er Geschäftsführer eines Lübecker Beratungsunternehmens für die Hafen- und Logistikwirtschaft. Im Emons Verlag sind mittlerweile zwölf Krimis von ihm erschienen. 'Hafenstraße 52' ist der dritte Krimi mit Privatermittler Simon Winter. www.jobst-schlennstedt.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 19.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960411413
    Verlag: Emons
    Serie: Küsten Krimi Bd.3
    Größe: 2937kBytes
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Hafenstraße 52

GEFANGEN IN DER SCHLEIFE

Es ist drei Uhr achtundvierzig, und das Asylbewerberheim brennt endlich in voller Ausdehnung. Das Feuer habe ich vor exakt neunzehn Minuten gelegt. Tatsächlich hat es länger gedauert, als ich geglaubt habe, aber nachdem es vor einigen Minuten diesen Knall gegeben und das Feuer richtig gezündet hat, gibt es kein Halten mehr. Die Flammen sind jetzt überall.

Ich stehe nur wenige Meter entfernt und verstecke mich hinter einer Litfaßsäule. Ich hoffe, dass mich hier niemand bemerkt. Die Feuerwehr ist gerade eingetroffen, auch einige Polizeiwagen parken bereits vor dem brennenden Haus.

Auf dem Dach des Gebäudes sehe ich plötzlich eine Person. Der Kleidung nach zu urteilen eine Frau. Sie hält ein Kind in ihrem Arm. Obwohl ich ihr Gesicht nicht erkennen kann, glaube ich zu sehen, dass sie voller Panik ist.

Verdammt, sie springt herunter. Dieser Schrei ... Die Frau muss tot sein, sie kann den Sprung nicht überlebt haben. Und das Kind ... Ich will nicht daran denken.

Ein Mann balanciert an der Dachkante entlang. Zwei Mädchen an seiner Hand. Sie schreien. Und weinen. Haben Todesangst. Vielleicht auch, weil sie wissen, dass ihre Mutter soeben in den Tod gesprungen ist?

Mir ist plötzlich schlecht. Ich muss mich übergeben. Ich will gar nicht sehen, was um mich herum geschieht. Was ich angerichtet habe. Aber ich kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen.

Trotzdem machen mich die Bilder fertig. Überall Flammen, verzweifelte Menschen, tote Kinder ... Was habe ich mir nur dabei gedacht? Ich spüre Verzweiflung. Meine Augen werden feucht. Ich war doch so hart, so entschlossen. Und jetzt? Jetzt lasse ich mich an die Litfaßsäule fallen und weine bitterlich. So habe ich das doch gar nicht gewollt.

Vorsichtig sehe ich mich um, vermeide jedoch, meinen Blick auf das brennende Haus zu richten, was mir kaum gelingt. Knapp fünfzig Meter entfernt erkenne ich mehrere Polizisten. Sie reden mit drei jungen Männern, die neben ihrem Wartburg stehen. Ossis. Ich bin mir absolut sicher, dass ich sie heute Nacht schon ein paarmal gesehen habe. Zuletzt vor einer knappen Stunde. Genau hier. Keine Ahnung, wer sie sind und was sie hier zu suchen haben, aber so, wie sie aussehen, kommen sie mir vielleicht gerade recht.

Wie leichtfertig muss man nur sein, eine brennende Flüchtlingsunterkunft aus nächster Nähe zu beobachten, wenn man augenscheinlich wie ein Nazi gekleidet ist? Was haben diese drei Typen überhaupt hier zu suchen? Warum schleichen sie seit Stunden durch Lübeck und interessieren sich ausgerechnet in dieser Nacht so sehr für das Asylbewerberheim?

Ich könnte etwas nachhelfen. Ohne großen Aufwand dafür sorgen, dass man sie verdächtigen wird. Die perfekten Täter. Vielleicht können sie schon in ein paar Stunden dem Haftrichter vorgeführt werden. Ich muss dieses Geschenk nur annehmen.

Die verzweifelten Stimmen aus Richtung des brennenden Hauses werden immer lauter. Eine Drehleiter der Feuerwehr geht mit einem Mal in Stellung. Ich beobachte, wie ein Kind von einem Feuerwehrmann entgegengenommen wird. Plötzlich sind wieder Schreie zu hören. Im nächsten Moment fällt die Leiter zur Seite und kracht auf den Vorbau des Gebäudes.

Ich zucke zusammen und verharre für einige Augenblicke. Ich ertappe mich dabei, wie ich bete. Dass der Feuerwehrmann und das Kind einfach unversehrt geblieben sind. Und dass dieser Alptraum, für den ich ganz allein verantwortlich bin, so schnell wie möglich ein Ende findet.

Ich zittere. Es ist so verdammt kalt in dieser Nacht. Unvorstellbar, dass nur ein paar Meter entfernt Menschen verbrennen oder freiwillig in den Tod springen. Was zum Teufel habe ich nur getan? Es war mein letzter Ausweg. Ich musste

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