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Hard Feelings von Starr, Jason (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Hard Feelings

Eine flüchtige Wiederbegegnung mit einem Jugendfreund wirft den vierunddreißigjährigen Richard Segal völlig aus der Bahn. Zunächst kann er sich nicht erklären, was ihn so verwirrt. Doch ausgelöst durch irgendeine Kleinigkeit plagen ihn Flashbacks, die sich langsam zu einem unheilvollen Bild zusammenpuzzeln.

Jason Starr, geboren 1966, wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf und begann in seinen College-Jahren zu schreiben, zunächst Kurzgeschichten, später auch Theaterstücke, Texte für Comics und Romane. Seine Bücher sind in mehr als einem Dutzend Sprachen erschienen. Jason Starr lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257602432
    Verlag: Diogenes
    Größe: 1453 kBytes
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Hard Feelings

[5] 1

Ich wartete darauf, die Fifth Avenue überqueren zu können, als mein Blick auf Michael Rudnick fiel, mit dem ich in Brooklyn zusammen aufgewachsen war. Er stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite, trug einen schwarzen Anzug sowie eine dunkle Sonnenbrille und schaute direkt zu mir herüber, schien mich aber nicht zu sehen. Seit unserer letzten Begegnung - vor etwa zweiundzwanzig Jahren, als ich zwölf und er siebzehn Jahre alt gewesen war - hatte er sich ziemlich verändert; eigentlich konnte ich kaum glauben, daß ich ihn überhaupt wiedererkannt hatte. Damals war er dick gewesen, das Gesicht mit Aknepickeln übersät, und er hatte strubbeliges dunkelblondes Haar gehabt. Jetzt war er hochgewachsen und muskulös; das dichte, dunkle Haar hatte er mit Gel nach hinten gekämmt.

Die Fußgängerampel sprang auf Grün um, und die Menge strömte von zwei Seiten aufeinander zu. Selbst als uns nur noch wenige Schritte trennten, schaute ich Michael weiterhin unverwandt an und wartete darauf, daß er mich wiedererkannte, doch er ging stur geradeaus, den Blick in eine unbestimmte Ferne gerichtet. Dann aber, als wir auf gleicher Höhe waren, streifte er mich plötzlich mit seiner Schulter, und wir blieben mitten in der Menge stehen. In seiner Sonnenbrille entdeckte ich mein Spiegelbild - zwei [6] blasse Gesichter, die mich anstarrten. Noch ehe ich etwas sagen konnte, knurrte er verärgert etwas und ging weiter.

"Arschloch", brummte ich.

Auf der anderen Seite drehte ich mich noch einmal nach ihm um, aber er war bereits verschwunden. Offenbar wollte er zur West Side und war schon in der Menge untergetaucht.

Nachdem ich Raymond, unseren Abendportier, begrüßt hatte, holte ich die Post - nichts als Rechnungen - und fuhr mit dem Fahrstuhl in den fünften Stock. Otis bellte, sobald ich die Wohnung betrat.

"Schnauze!" schrie ich, aber der überdrehte Cockerspaniel hörte nicht auf zu kläffen und sprang immer wieder an meinen Beinen hoch.

Also machten Otis und ich unseren üblichen Spaziergang auf der East Sixty-fourth Street, kehrten danach in die Wohnung zurück, und ich warf mich in Unterwäsche auf die Couch, starrte in die Glotze und grübelte über meine Arbeit nach.

Am Nachmittag hatte ich eine Besprechung mit Tom Carlson gehabt. Carlson war bei einer Versicherungsgesellschaft in Midtown Finanzdirektor und verantwortlich für ein Computer-Netzwerk mit hundert Usern. Zur Zeit lief das Netz mit einer alten Novell-Version, doch er wollte auf Windows NT aufrüsten und dafür neue PC s und Server kaufen. Es war unsere dritte Besprechung gewesen, und ich hätte nicht ohne einen unterzeichneten Vertrag aus seinem Büro gehen dürfen, doch als der richtige Augenblick gekommen schien, hatte ich gezögert, und der Hundesohn war mir wieder entwischt. Jetzt mußte ich ihn morgen [7] erneut anrufen - was immer miese Prozente bedeutete - und ihn bitten, mir einen unterzeichneten Vertrag zuzufaxen. Trotzdem bot Carlson die beste Aussicht auf einen erfolgreichen Abschluß. Wenn es damit nichts wurde, wußte ich nicht, was ich sonst noch anstellen sollte.

Ich lag gedankenverloren auf der Couch und starrte in die Röhre, als Paula gegen halb neun mit Pumps und Designerkostüm nach Hause kam. Sie beugte sich über die Couch, gab mir einen Kuß und fragte, wie mein Tag gewesen sei, doch ehe ich auch nur 'beschissen' sagen konnte, rief sie: "Ich habe phantastische Neuigkeiten - einen Augenblick, ich erzähl sie dir gleich", und ging ins Schlafzimmer. Otis lief ihr nach, wedelte mit dem Schwanz und bellte.

Ich wußte, was es mit diesen 'phantastischen Neuigkeiten' auf sich hatte. Paulas Schwester in San Francisco sollte nächste Woche ein Kind kriegen, aber offenbar war es ein paar Tage früher gekommen.

Einige Minuten später betrat Paula in Shorts und T-Shirt wieder das Wohnzimmer. Genau wie ich hatte sie in den letzten

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