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Hass verjährt nicht 6. Hannover-Krimi mit Marike Kalenberger von Lonski, Günter von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2016
  • Verlag: CW Niemeyer Buchverlage GmbH
eBook (ePUB)
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Hass verjährt nicht

Harald Perkuhn, Immobilienberater, Finanzinvestor und Großprotz: forsche Lebenspartnerin, schwangere Geliebte, teure Autos, Oldtimer-Sammlung. Jetzt liegt er einsam und allein auf seinem Hochsitz im Wald. Tot. Herzinfarkt? Die Großeltern flüchteten 1945 aus Ostpreußen und wurden in Ronnenberg zwangseinquartiert. Im Laufe der Jahre kamen sie zu Geld und Einfluss und verdrängten die alteingesessenen Besitzer. Ein Bild der Nachkriegszeit entsteht: Flucht und Vertreibung, Mangel und Not, Gewinner und Verlierer des Wirtschaftswunders. Bedrückende Parallelen zwischen 1945 und 2015. Rücksichtslosigkeit verdrängt die Menschlichkeit und ein Harry Perkuhn wird nicht der Einzige sein, der beim skrupellosen Ringen um persönlichen Gewinn auf der Strecke bleibt ... Günter von Lonski wurde 1943 in Duisburg-Laar geboren. Er studierte an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1981 schreibt er Romane, Krimis, Jugend- und Kinderbücher, Hörspiele, Kurzgeschichten, Glossen, Satiren und Schulbuchbeiträge. 2010 erhielt er den Rolf-Wilhelms-Literaturpreis der Stadt Hameln. Günter von Lonski ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in der Nähe von Hannover. Er ist außerdem Autor von bereits fünf erschienenen Weserbergland-Krimis 'Das letzte Lied', 'Tödlicher Wind', 'Bittere Medizin', 'Teufelskralle' und 'Gewissenlose Gier', in denen der akribische Journalist Hubert Wesemann ermittelt - spannend, unterhaltend, mit einem Schuss Humor und Ironie. 'Hass verjährt nicht' ist nach 'Mord auf dem Schützenfest', 'Eis!', 'Elend!', 'Royal Flash' und 'Ich, Zwölf' der sechste Hannover-Krimi aus der Feder von Günter von Lonski.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 258
    Erscheinungsdatum: 02.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827197917
    Verlag: CW Niemeyer Buchverlage GmbH
    Serie: Niemeyer Krimi Bd.6
    Größe: 3055 kBytes
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Hass verjährt nicht

EINS

2015

"Wohlauf, Kameraden, auf's Pferd, auf's Pferd!", Polizeiobermeister Martin Matthes beendet das Telefongespräch und nimmt seine Dienstmütze vom Haken.

"Och, nö", nölt PMAnw Beeke Dettmer, eigentlich Polizeimeisteranwärter und dann auch noch ein -in. "Meine Schuhe sind noch nicht mal trocken von dem Verkehrsunfall auf der B217."

"Liebe Freunde! Es gab schönere Zeiten als die unsern - das ist nicht zu streiten! Und ein edler Volk hat einst gelebt", zitiert Matthes wieder Friedrich Schiller. Er zitiert bei jeder Gelegenheit Friedrich Schiller.

Davon werden Dettmers Schuhe auch nicht trocken. Sie zieht ihre Lederhalbschuhe an, verkrampft ein wenig, läuft die ersten Schritte sehr, sehr vorsichtig, muss sich beeilen - Matthes ist schon am Dienstwagen.

"Was ist denn überhaupt los?", fragt Dettmer, nachdem sie sich auf den Beifahrersitz gewuchtet hat.

Warum haben die jungen Beamtinnen alle so dicke Hintern?, überlegt Matthes, zu meiner Zeit ... gab es gar keine Frauen im Polizeidienst. Oder nur sehr wenige. Und die waren schlank und ... "In der Nähe vom Annaturm", sagt er.

Der Annaturm ist - ohne Antennen - ein 28 m hoher Aussichts- und Richtfunkturm auf dem etwa 405 m ü. NHN hohen Bröhn, der höchsten Erhebung des Höhenzugs Deister im Calenberger Bergland, südwestlich von Hannover. Matthes könnte einiges über Turm und Gaststätte berichten, doch wer sollte ihm zuhören?

Dettmer nimmt die Mütze vom Kopf, wirft sie auf den Rücksitz.

"Eine nasse Dienstmütze schlägt man nach außen aus", Matthes verdreht die Augen, "was hat man euch nur auf der Polizeischule beigebracht?"

"Wie man griesgrämige Kollegen erträgt", murmelt Dettmer, "wo fahren wir überhaupt hin?"

Pause. Frontscheibenwischer an, aus, an, Heckscheibenwischer an, aus. "Die Jägerallee hoch und dann müssen wir schauen."

"Wonach?"

"Hab ich nicht so genau verstanden, und das Telefongespräch war plötzlich weg."

"Ach nee."

"Wir müssen eben aufpassen, da steht irgendwo ein dunkelgrüner Mazda. Der Anrufer hat Pilze gesammelt."

"Bei dem Wetter?"

"Pilzsammler sind von außen und innen imprägniert, wie sollten sie sonst ihre Sammelleidenschaft überleben?"

"Ich esse nur Mu-Err-Pilze beim Chinesen", sagt Dettmer.

"Gesammelt von kurzsichtigen chinesischen Omas oder rachsüchtigen Jungrevolutionären!"

Der Regen prasselt gegen die Windschutzscheibe.

"Müssen wir da wirklich raus?" Dettmer schaudert es. "Ich glaub nicht an den Toten und wenn, dann hält er sich bei dem Wetter auch noch bis morgen."

"Was ist das nur für eine Dienstauf... - da steht der Mazda."

"Und der Pilzsammler sitzt im Auto, weil's ihm im Wald zu nass ist."

"Keine Ausreden, der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, muss wirken und streben und pflanzen und schaffen, erlisten, erraffen ..., Schiller, Die Glocke."

"Dann muss der Mann eben, ich bin eine Frau."

"Kultur kann auch Frauen nicht schaden."

Der Mann im dunkelgrünen Mazda lässt aufs Anklopfen die Seitenscheibe herunter. "Sie haben angerufen?", fragt Matthes. Eine Qualmwolke strömt aus dem Auto, Matthes muss husten, er hat sich bereits vor Jahren das Rauchen abgewöhnt.

"Ja."

"Können Sie uns bitte den Fundort der Leiche zeigen?" Wasser läuft Dettmer in den Jackenkragen.

"Könnte ich, aber nicht bei dem Regen. Immer den Waldweg hinauf, nicht weit und dann auf der rechten Seite."

"Kommen Sie morgen um zehn ins Polizeikommissariat, da müssen wir ein Protokoll aufnehmen."

"Um zehn Uhr?", ereifert sich der Pilzsucher, "Morgens?"

"Da fällt mir ein, der Termin ist belegt, also um acht. Weiterhin Fungi heil!"

"So ist's recht", sagt Dettmer, als sie widerwillig losstapfen, "den Chinesen beleidigen und dem Italiener die Pizza aus dem Ofen reißen."

"Stets ist die Sprache kecker als die Tat."

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