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Haus der stillen Schreie von Stahl, Timothy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Haus der stillen Schreie

Louisiana, USA: Vor Jahren kehrten Daniel und Kenny ihrem Elternhaus den Rücken, und keinen der beiden Brüder zog es je wieder dorthin zurück. Aber nun zwingt sie der brutale Tod ihres Vaters heimzukommen: Sie müssen den Nachlass regeln und wollen das große, abgeschiedene Haus verkaufen. Beim Aufräumen stoßen sie auf Spuren mysteriöser Geschehnisse, die sich offenbar während ihrer Kindheit ereigneten, ohne dass sie selbst auch nur etwas davon ahnten. Und ihr Vater kam tatsächlich auf noch grausamere Weise ums Leben, als es zunächst den Anschein hatte ...

Für Daniel und Kenny beginnt eine dunkle Reise in die Vergangenheit: Wer war ihr Vater wirklich? Welche blutige Schuld hat er auf sich geladen? Und wer lässt die Söhne nun so teuflisch dafür büßen?

Psycho-Thriller voller 'Hochspannung' - die neue Reihe von Bastei Entertainment! Bisher sind in der Reihe 'Hochspannung' folgende weitere Titel erschienen: Vincent Voss -Tödlicher Gruß; R.S. Parker - Raus kommst du nie; Christian Endres - Killer's Creek - Stadt der Mörder; Linda Budinger - Im Keller des Killers; Andreas Schmidt - Dein Leben gehört mir; Uwe Voehl - Schwesternschmerz; Jens Schumacher - Die Tote im Görlitzer Park

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 102
    Erscheinungsdatum: 18.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732506378
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 1518 kBytes
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Haus der stillen Schreie

1.

Tortue Parish, Louisiana

Dr. Daniel Broussard bremste den gemieteten SUV am Anfang der langen Zufahrt, die schnurgerade zu dem großen alten Haus führte. Der Kies knirschte unter den Reifen, bis der schwere Wagen zum Stehen kam und der aufgewölkte Staub sich senkte. Stille breitete sich aus.

Von den nahen Bayous waberte Schwüle herüber und drang durchs offene Fenster ins Wageninnere. Das Hemd klebte Daniel am Leib. Trotzdem fröstelte er.

Das Haus am Ende der Zufahrt war ein großer, düsterer Kasten wie aus einem alten Horrorfilm. Es war auf eine so reale, spürbare Weise tot, als berührte Daniel einen Verstorbenen, der bereits tagelang im Leichenkeller lag. Wäre das da vorn ein Patient in der Notaufnahme gewesen, hätte Daniel nicht einmal mehr den Defibrillator bemüht. Da war nichts mehr zu machen. Das Haus schien zusammen mit dem Mann gestorben zu sein, der die letzten Jahre ganz allein darin gewohnt hatte: Allan Broussard, ebenfalls Arzt, allerdings nicht in einem Krankenhaus, sondern hier, auf dem Land. Im ganzen County hatte man ihn nur "Doc genannt, als hätte es in weitem Umkreis keinen anderen Mediziner gegeben.

Daniel schluckte. Es zwickte ihn im Hals wie vom Saft einer Zitrone. Seit fast zehn Jahren war er nicht mehr bei seinem Vater gewesen. Und weil der alte Mann nichts von elektronischer Kommunikation hielt, ja nicht einmal Fotos schickte, hatte Daniel ihn in all den Jahren kein einziges Mal gesehen. Zwar kam es ihm nicht so lange vor, die Zeit war zu schnell vergangen, doch als er jetzt in dem geliehenen Wagen saß und sah, wie sehr sich der Anblick verändert hatte, der sich von dieser Stelle aus bot, hatte er beinahe das Gefühl, noch nie hier gewesen zu sein.

Er seufzte. Es war zu spät. Er konnte nichts mehr wiedergutmachen. Vater war tot. Sie hatten sich zum letzten Mal gesehen, als der alte Mann ihn damals zum Flughafen gebracht, ihm auf die Schulter geklopft und alles Gute gewünscht hatte.

Eigentlich kein übler Abschied, versuchte Daniel sich zu trösten, als er den Wagen wieder anrollen ließ und im Schritttempo weiterfuhr. Jetzt musste er es nur noch ordentlich zu Ende bringen, Vaters letzte Angelegenheiten regeln, und dann ...

Ja, was dann? Daniel wusste es noch nicht endgültig. Ihm geisterte allerdings eine Idee durch den Kopf. Sie war ihm gekommen, nachdem Sheriff LeBlanc ihn gestern in Chicago angerufen und darüber informiert hatte, dass der Doc tot aufgefunden worden sei und er doch bitte kommen möge. Noch hatte Daniel sich nicht eingehender mit seiner Idee befasst, es war noch zu früh, es gab noch zu viele andere Dinge zu erledigen. Aber dann ...

Die Hälfte der Zufahrt lag hinter ihm, aber das Haus schien kaum näher gerückt zu sein. Der Erbauer, ein Plantagenbesitzer, der sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hier niedergelassen hatte, mochte diese Wirkung beabsichtigt haben: Der von alten Eichen gesäumte Weg lenkte den Blick eines jeden Besuchers wie durch ein Fernrohr auf das herrschaftliche Anwesen und zwang förmlich dazu, es gebührend zu bestaunen. Nicht ohne Grund trug es den Namen Oak Avenue Hall.

Für einen Moment konnte Daniel sich das alte Haus so vorstellen, wie es zu seinen besten Zeiten ausgesehen haben musste: geradezu palastartig mit seiner beeindruckenden Säulenfront, den vielen Türmchen, Erkern, Balkons und Fenstern, der zerklüfteten Dachlandschaft.

Dann blätterte dieses Bild ab wie ein alter Fassadenanstrich. Darunter kam zum Vorschein, was es heute zu sehen gab: ein heruntergekommenes, offensichtlich leeres Haus, ausgestorben im wahrsten Sinne des Wortes, ein lebloser, starrer Klotz.

Obwohl er in brütender Hitze am Steuer eines Autos saß, fühlte Daniel sich mit einem Mal wie in einem kalten Operationssaal, in dem ein Patient auf dem OP-Tisch starb, obwohl der Arzt sein Bestes gegeben hatte, nur dass es nicht genug gewesen war. Alles schien erstarrt, bar jeder Regung, als

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