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Herbstzeitlose von Wittgen, Tom (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Herbstzeitlose

Der zweiunddreißigjährige Olaf Lück wird auf seinem Wassergrundstück ermordet aufgefunden. Tage zuvor fuhr er nach Berlin und überzog dort sein Konto um 60 000 Mark. Was bzw. wer könnte ihn dazu veranlasst haben, und wer hat ihn getötet? - Das zu klären obliegt wieder dem bewährten Oberleutnant Simosch. Die Recherchen nach dem potentiellen Täter decken ein Geflecht von zwischenmenschlichen Beziehungen auf. Die Vielfalt der unterschiedlichsten Bedürfnisse und Verhaltensweisen, die dadurch ans Licht kommen, lassen etwas von den Schwierigkeiten menschlichen Zusammenlebens ahnen.

Tom Wittgen ( 1932 in Wittgendorf bei Chemnitz) ist das Pseudonym von Ingeburg Siebenstädt. Sie absolvierte ein Germanistikstudium in Leipzig und Berlin und war danach als Reporter-Redakteur bei Radio DDR tätig. Später arbeitete sie mehrere Jahre als Lektorin im Verlag Das Neue Berlin, speziell auf dem Gebiet der Kriminalliteratur, und ab 1970 als freischaffende Autorin. Unter ihrem Autorennamen Tom Wittgen veröffentlichte Siebenstädt mehrere "Blaulicht"-Erzählungen. Es folgten Kriminalromane wie "Der zweite Ring", "Intimsphäre", "Das sanfte Mädchen" und "Das Schwarze-Peter-Spiel" in der "DIE-Reihe" des Verlages Das Neue Berlin, in der auch die meisten anderen ihrer Kriminalromane erschienen. Außerdem war sie als Drehbuchautorin ("Polizeiruf 110") tätig, schrieb verschiedene Abenteuerromane und Kinderbücher. Viele ihrer Kriminalromane erreichten vor der Wende eine Auflagenhöhe von über 100 000 Exemplaren und wurden in Ungarn, Polen, der ?SSR und der UdSSR veröffentlicht. Siebenstädt galt als die "Agatha Christie der DDR" und war die erfolgreichste Krimiautorin der DDR. 1994 zeichnete sie die Autorengruppe deutsche Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT für ihr Lebenswerk mit dem Ehrenglauser, dem "Krimi-Oscar" der Zunft, aus. Seit 2002 lebt die Ruheständlerin in der Nähe von Potsdam.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360501257
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 1962kBytes
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Herbstzeitlose

2

Der Summer ertönte, und eine Stimme knarrte: "Wachtmeister Schulz. Sie wünschen bitte?"

Das Mädchen war schlank und gerade groß genug, um das Ohr gegen die Öffnung zu drücken, aus der die Worte drangen, verzerrt und schwer zu verstehen. Sie lauschte noch als wieder alles still war. Dann zog sie ein Taschentuch und putzte sich geräuschvoll die etwas zu groß geratene Nase. Auf dem Handrücken, mit dem sie über die Augen wischte, blieb eine nasse Spur zurück.

"Hallo!"

Wieder dieses entsetzliche Knarren. Entschlossen drehte sie sich um und sagte laut und deutlich in die Öffnung hinein: "Ich muß jemanden sprechen."

"Worum handelt es sich?"

"Um meinen Freund Olaf Lück. - Ich will mich mit einem Menschen unterhalten, nicht mit diesem Blechmaul."

Sekunden später wurde die Klappe der Tür zurückgezogen. In der Öffnung erschien ein junges, pausbäckiges Gesicht. "Na, was gibt's denn?"

"Eine Vermißtenanzeige. Kann ich die hier auf dem Revier abgeben, oder soll ich gleich zur Kripo?"

"Kommen Sie herein."

Der Riegel wurde zurückgezogen. Im Korridor standen fünf Jugendliche mit dem Gesicht zur Wand. Ein Polizist tastete ihre Körper ab. Das Mädchen ging an ihnen vorbei, ohne sie wahrzunehmen.

Die Jungen kicherten. Plötzlich wandte sich einer um und rief: "Menschenskind, Manuela! Was hast du denn angestellt?"

Das Mädchen blieb stehen. "Andi?"

"Da staunst du, was? Tja, ich habe angeblich den Park verunreinigt."

"Ruhe!", brüllte der Polizist, der ihn durchsuchte. "Hier wird nicht gesprochen!"

In die Stille hinein, die sofort eintrat, fragte das Mädchen: "Andi, weißt du vielleicht, wo Olaf ist?"

Der Junge schüttelte den Kopf.

"Kommen Sie, und sprechen Sie hier nicht." Der Wachtmeister zog Manuela schnell in ein Zimmer.

"Warum steht Andi im Korridor?", fragte sie verstört.

"Aus Platzmangel. Im Nebenzimmer haben wir Kampfhähne aus dem 'Bierkrug' einquartiert, im Zimmer davor ist Besuch von Leuten, die nachts in fremden Gärten spazierengehen. Und Sie setzen sich jetzt auf diesen Stuhl hier und erzählen mir so schnell und präzise wie möglich, was passiert ist."

"Mein Freund ist verschwunden."

Der Wachtmeister ließ sich hinter dem Schreibtisch nieder und seufzte. "Mädchen! Liebe kommt, Liebe geht. Mit Liebhabern ist es ähnlich. Wie lange kennen Sie ihn denn?"

"Wir wohnen seit drei Jahren zusammen. Mit der Liebe ist bei uns alles in Ordnung, und Streit hatten wir auch nicht. Da ist was passiert. Wenn Sie mir nicht helfen, gehe ich zur Inspektion oder zum Präsidium."

Schulz bemerkte ihre verweinten Augen, sah ihr die schlaflose Nacht an und wußte, daß es der Kummer war, der sie so aggressiv werden ließ.

"Na, schütten Sie ruhig hier Ihr Herz aus. Aber vorher möchte ich den Personalausweis sehen."

"Mein Name ist Manuela Sanitz." Sie holte ihren Ausweis aus der Tasche. "Ich arbeite bei der Post."

"Seit wann ist Ihr Freund verschwunden?"

"Seit gestern abend. Er wollte aufs Grundstück. An den Elbwiesen. Nachts ist er nicht zurückgekommen und heute den ganzen Tag nicht. Noch eine Nacht mach' ich das nicht mit: die Warterei, die Angst, daß er Hilfe braucht." Wieder wurden ihr die Augen feucht.

"Vielleicht legt er heute zum Samstag eine Sonderschicht ein im Betrieb."

"Nein. Am Donnerstag hat er für zehn Tage Urlaub genommen, ist nach Berlin gefahren, gestern mittag wiedergekommen und abends aufs Grundstück 'raus. Und seitdem ist er verschwunden."

Während Schulz Personalien und Beschreibung des Vermißten notierte, vermutete er, ihr Schatz habe sich entweder ein Betthäschen aufs Grundstück geholt oder gönne sich irgendwo anders ein abwechslungsreiches Wochenende.

Der Gesuchte, Olaf Lück, war zweiunddreißig Jahre alt und arbeitete als Friseur im Herrensalon "Figaro". Seine Freundin beschrieb ihn als mittelgroß, Augenfarbe grau, besonder

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