text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Hopsgegangen Ein Niederrhein-Krimi von Kohl, Erwin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Hopsgegangen

Mist!, denkt sich Lukas Born. Eigentlich sollte der Privatdetektiv mit der Journalistin Natascha Feldmann einen ihrer Informanten treffen. Am Treffpunkt in Rheinberg ist jedoch nur Natascha, und die liegt leblos auf dem Boden. Bevor Lukas weiß, wie ihm geschieht, kriegt er eins übergezogen. Als er wieder zu sich kommt, ist Natascha verschwunden. Die Polizei sieht keinen Handlungsbedarf, Lukas hingegen schon. Denn er ahnt, dass Natascha an etwas Großem dran war. Und tatsächlich täuscht ihn sein Gefühl auch diesmal nicht. Leider. Denn die Beule an seinem Kopf ist nur der Anfang allen Übels ... Erwin Kohl wurde 1961 in Alpen am Niederrhein geboren. Bevor er 2001 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in zahlreichen Berufsfeldern: als Taxifahrer, Gastwirt, Eisverkäufer, Kinobetreiber, Partnervermittler, Versicherungsvertreter, Discjockey und Friedhofsgärtner. Besonderes Vergnügen bereitet es ihm, die unterschiedlichen Charaktere, die er während seiner beruflichen Laufbahn kennen gelernt hat, in seinen Krimis zu skizzieren. Er lebt heute in Wesel am Niederrhein.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 269
    Erscheinungsdatum: 16.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732530687
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Lukas Born Bd.2
    Größe: 1301 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Hopsgegangen

1

Das Messer in seiner Hand wirft im fahlen Licht des Mondes einen gespenstischen Schatten auf die gelbe Zeltplane. Hundegebell ertönt aus dem Nachbarzelt. Er wirbelt herum, bleibt einige Sekunden regungslos stehen, beobachtet seine Umgebung. Ich habe das Gefühl, dass mir der Mann jetzt direkt in die Augen sieht. Er hat die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Ich suche nach Schutz, ducke mich hinter den Radkasten des LKWs. Das Bellen ist in misstrauisches Knurren übergegangen. Ich krieche unter den Auflieger hindurch zur anderen Seite. Mit drei, vier schnellen Schritten überbrücke ich die freie Fläche zum Cateringzelt, taste mich dann vorsichtig an der Plane entlang. Eine falsche Bewegung, ein verräterisches Geräusch, und die letzten drei Nächte waren umsonst.

Rasputin, der Köter des Zirkusdirektors, hat sich offenbar wieder schlafen gelegt, und das Pudel-Rudel scheint sich mental auf den Auftritt am Nachmittag vorzubereiten. Die aufgebrezelten Edeltölen eignen sich sowieso nicht als Wachhunde. Einen kurzen Moment hatte ich daran gedacht, Manolo mitzunehmen. Aber mein Hund würde die Zielperson warnen, bevor diese auch nur einen Schritt auf das Gelände gesetzt hätte.

"Ich will, dass Sie den Mistkerl auf frischer Tat erwischen und einkassieren, kapiert?", lautete die unmissverständliche Aufgabenstellung.

Die einsetzende Stille macht mich nervös. Ich trete versehentlich vor einen der eisernen Pflöcke, mit denen die Spannseile im Boden befestigt sind, unterdrücke den aufkommenden Schmerz. Wenige Augenblicke später kann ich den Platz in der Mitte überblicken. Er ist leer. Das verschlossene Zelt gegenüber, in dem die tierischen Stars vom "Zirkus Don Calli" residieren und auf das es der Täter abgesehen haben dürfte, schmiegt sich weiterhin in die schemenhafte Landschaft. Um unbemerkt dorthin zu gelangen, müsste ich den Umweg durch die Wohnwagenburg der Artisten gehen. Dauert viel zu lange. In der Hoffnung auf eine andere Eingebung bleibe ich, wo ich bin und beobachte den Ort des baldigen Geschehens.

Im Vergleich zu den vorhergehenden beiden Nächten, die überwiegend aus Untätigkeit und lauwarmem Kaffee aus der Thermoskanne bestanden, verspricht diese ein gewisses Spannungspotential.

Wenige Minuten später ist es so weit. Aus der mobilen Tierunterkunft dringt eine merkwürdige Unruhe.

Wie ist er da reingekommen?

Die Frage kriecht noch durch meinen Verstand, als die Zeltplane aufgeht und einen Wimpernschlag später Zirkusponys über den Platz galoppieren, gefolgt von einem Kamel, zwei Lamas und dem verschlafen dreinblickenden Pudel-Rudel. Untermalt wird das Ganze von Rasputins wütendem Gebell. Okay, Zugriff!

Während das Kamel die gewonnene Freiheit zunächst für eine intensive Darmentleerung nutzt, renne ich los. Im nächsten Augenblick erkenne ich den Kerl mit dem Messer in der Hand. Er bleibt für den Bruchteil einer Sekunde stehen, sieht zu mir herüber, rennt dann in Richtung des Kassenhäuschens. Gut zwanzig Meter liegen zwischen uns. Ich laufe vor das Hinterteil eines Lamas, fünfundzwanzig Meter. Egal, das ist zu schaffen. Ich ziehe das Tempo an, zumindest möchte ich das. Aber ausgerechnet in diesem Augenblick rutscht mir an der Stelle, an der sich vor wenigen Minuten noch der Kamelschwanz gehoben hat, das Standbein weg, und ich klatsche bäuchlings auf die Wiese. Scheiße.

Ich richte mich auf, meine Blicke wandern hochgradig verärgert über die verdreckten Klamotten, da kitzelt etwas in meinem linken Ohr. Als ich mich herumdrehe, sehe ich in die grinsenden Augen des Kamels.

"Musst du ausgerechnet hierhin kacken, du Mistvieh", schreie ich den Wüstenfrachter an. Der mahlt noch zwei Runden mit den Kiefern und trottet dann gelangweilt davon. Aus dem Augenwinkel bemerke ich, dass in den Wohnwagen rundum nacheinander die Lichter angehen. Aufgeregtes Stimmengewirr dringt durch die lauwarme Nacht. Mir reicht's, das brauche ich jetzt nicht. Feierabend.

Al

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen