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Hunsrück Blues Kriminalroman von Neß, Carsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Hunsrück Blues

Vor vielen Jahren fl oh Liedtexter Chris Mayer in die Einsamkeit einer alten Hunsrücker Mühle - jetzt scheint er das Opfer eines Gewaltverbrechens geworden zu sein, aber seine Leiche findet man nicht. Die Kommissare Buhle und Reuter müssen tief in die Vergangenheit eintauchen, um das Rätsel zu lösen. Doch selbst dann noch bleibt eine Frage unbeantwortet: Wer ist Opfer . . . und wer Täter? Ein atmosphärischer Kriminalroman um Schicksal, Schuld und Hoffnung. Carsten Neß, Jahrgang 1964, studierte in Trier Geografie/Geowissenschaften. Heute arbeitet er in Bernkastel-Kues als Landespfleger. Mit seinem Debütroman gewann er den Krimiwettbewerb von Emons Verlag und Trierischem Volksfreund.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 17.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863589769
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2903 kBytes
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Hunsrück Blues

2

Hunolstein, Montag, 29. Juli

Mailin Wend war schon am vergangenen Freitagabend zur Mathysmühle gefahren. Es war fast dunkel gewesen, und der Regen hatte für einen Moment aufgehört. Nachdem die Tür verschlossen war und Chris auch nicht auf ihr Klopfen und Rufen reagiert hatte, war sie davon ausgegangen, dass er doch wieder weggefahren war. Der Streit am Mittwochabend zuvor war so eskaliert, dass sie gar nicht mehr wusste, wie er geendet hatte. Als sie wieder zu sich gekommen war, hatte sie zu Hause auf ihrem Sofa gelegen und einen großen dunklen Fleck auf den Bezug geheult. Während sie an dem Abend noch grenzenlose Wut übermannt hatte, war sie am Freitag nur enttäuscht gewesen, enttäuscht und zunehmend desillusioniert.

Das ganze Wochenende war sie mit Führungen und Museumsdiensten total ausgebucht gewesen und hatte sich über Chris' Abwesenheit keine weiteren Gedanken gemacht. Sonntagabend hatte sie wiederholt versucht, ihn auf seinem Handy zu erreichen: vergebens. Auch das war nicht weiter verwunderlich, weil er es unterwegs meistens ausgeschaltet ließ, um nicht gestört zu werden. Für Mailin war das bislang kein Problem gewesen, doch hatte sein Wunsch nach Ungestörtheit nun eine ganz andere Bedeutung erhalten.

Trotzdem hatte sie beschlossen, es heute nach der Arbeit noch einmal direkt in der Mathysmühle zu versuchen. Er musste jetzt eigentlich da sein. In den letzten Jahren war er nie länger als drei Tage fort gewesen, ohne sie zu bitten, auf dem Grundstück nach dem Rechten zu sehen. Das hatte sich auch zuletzt nicht geändert, trotz allem.

Es war seit Langem wieder ein warmer Abend im Hunsrück. Mailin hatte schon von ihrem Büroschreibtisch aus dauernd nach draußen in den blauen Himmel geschaut und sich gefragt, warum das bescheuerte schöne Wetter nicht schon zwei Tage früher gekommen war. Sie hatte tags zuvor die geplante Führung durch die Hölzbachklamm abbrechen müssen, weil die Schlucht wegen des Regens nicht gefahrlos begehbar gewesen war. Jetzt war es windstill und sommerlich.

Mailin öffnete mit einer Hand die Pforte und schob ihr Mountainbike durch die schmale Öffnung. Alles sah unverändert aus. Sie stellte das Fahrrad an der Hauswand ab und rief laut nach Chris. Es rührte sich nichts. Sie versuchte vergebens, die Haustür zu öffnen, ging ums Haus und schaute kurz durch die Fenster ins Innere. Irgendwie kam ihr alles etwas zu ordentlich vor. Als ob Chris aufgeräumt hätte. Das tat er für gewöhnlich aber nur selten oder vor Reisen. Wenn er geplant hatte, länger unterwegs zu sein, warum hatte er ihr nichts gesagt?

Sie blieb hinter dem Haus stehen, und ihre Augen suchten das Gelände ab. Eigentlich war nichts Auffälliges zu sehen, dennoch hatte sie das ungute Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Sie ging auf die alte Scheune schräg hinter dem Hauptgebäude, etwas weiter vom Mühlenbach entfernt, zu, die Chris als Garage und Werkstatt nutzte. Vorsichtig öffnete sie eines der alten Rundbogentore. Chris' Auto stand an seinem Platz. War er doch schon wieder zurück und im Moment nur zu Fuß im Wald unterwegs?

Es war die einzige sinnvolle Erklärung, und doch schien sie Mailin bloß wie ein herbeigeredeter Hoffnungsschimmer. Sie ahnte, dass es so nicht war. Sie schloss das Tor wieder, nahm ihr Mobiltelefon und versuchte erneut, Chris zu erreichen: nichts. Hier ging er selten ohne sein Handy weg.

Es war so ruhig. Nur ein verhaltenes Plätschern streute sich von der Dhron über die Talwiesen. Normalerweise genoss Mailin diese Stimmung, allein im Tal, das vor Idylle nur so überzulaufen schien. Jetzt fühlte sie nur Beklemmung. Ihre Hand tastete nach dem flachen Schlüsselbund in ihrer Hosentasche. Sie hatte ihn morgens bereits vorsorglich eingesteckt.

Mailin gab sich einen Ruck und ging jetzt zügig zur Haustür zurück. Auch wenn Chris sie nicht darum gebeten hatte, würde sie nachschauen, ob alles in Ordnung war. Vor allem aber

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