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Hurrikan von Francis, Dick (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Hurrikan

Ein Hurrikan ist nicht bloß ein meteorologisches Phänomen. Ein Hurrikan deckt Häuser ab und Geheimnisse auf. Nach dem Sturm gerät so manches an die azurblaue karibische Meeresoberfläche. Perry Stuart, Meteorologe bei der BBC, gibt sich alle Mühe, die Sturmschäden zu begrenzen.

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257606102
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Second Wind
    Größe: 1932kBytes
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Hurrikan

[37] 2

Zutiefst aufgewühlt und aufgebracht übernahm Caspar Harvey das Kommando, als sei Quigley gar nicht da, und so war er es, der den Tierarzt rief, einen alten Bekannten, dem er das doppelte Honorar anbot, wenn er seinen freien Sonntagnachmittag vergaß und sofort in Quigleys Stall erschien.

Direkt konnte er für seine Stute nichts tun, da er nicht wußte, was ihr fehlte, aber er kannte die Macht des Geldes und geizte nicht damit, wenn es seinen Zwecken diente.

"Eine Kolik?" dachte er laut. "Oliver, wäre es nicht besser, Sie führten sie herum? Laufen ist doch gut bei Koliken."

Oliver Quigley hockte sich neben den Kopf des Pferdes und streichelte ihm die Nase. Laufen könne hier eher noch schaden, sagte er, selbst wenn er die Stute wieder auf die Beine bekomme; er werde auf den Tierarzt warten. Und mir fiel auf, daß in dieser kritischen, für eins seiner Pferde vielleicht lebensbedrohlichen Situation sein ständiges Angstzittern nachließ und beinah völlig verschwand.

Caspar Harvey drängte seine Gefühle zurück und dachte an die Zukunft. "Sie...", sagte er zu mir. "Sie meine ich, Stuart... Haben Sie die Kamera bei sich?"

Ich zog sie aus meiner Hosentasche.

[38] Er nickte. "Fotografieren Sie die Stute, für die Versicherung. Bilder überzeugen mehr als Worte."

Ich kam seiner Bitte nach, und es blitzte hell in der dunklen Box.

"Schicken Sie sie mir", sagte er, und ich versprach es ihm.

Belladonna, die mit Kris im Landrover auf den Hof gefahren kam, reagierte auf das Leid der Stute mit verzweifelter, liebender Sorge und vergaß alles andere, bis Kris zu ihrer Empörung sagte, unsere Abflugzeit sei für ihn und mich wichtiger als die Stute, da wir bei Dunkelheit nicht sicher in White Waltham landen könnten. Stute hin, Stute her, meinte er, um halb fünf müßten wir in der Luft sein. Halb sechs sei früh genug, widersprach Bell scharf. Wenn sie uns nicht um die gewünschte Zeit zum Flugzeug bringe, werde er ein Taxi rufen, sagte Kris. Als Ohrenzeuge dieses essigsauren Wortwechsels schien mir, daß sich Caspar Harvey in Sachen Schwiegersohn vorerst nicht zu sorgen brauchte.

Der Tierarzt kam mit quietschenden Reifen, um sein doppeltes Honorar zu verdienen, und sah sich, als er die Stute mit dem Stethoskop abhorchte, vor ein Rätsel gestellt.

"Ich glaube, das ist keine Kolik", sagte er. "Was hat sie gefressen?"

Der Futtermeister und sämtliche Pfleger nahmen ihm das als Ehrbefleckung krumm.

Die Stute habe nichts als Hafer, Kleie und Heu bekommen, schworen sie.

Kris zankte sich hartnäckig mit Bell, die ihrem Vater schließlich erbost mitteilte, sie werde den unmöglichen Kris erst einmal zu seinem Flugzeug bringen. Ihr Vater, ganz auf [39] das leidende Pferd konzentriert, nickte zerstreut und sah mich geistesabwesend an, als ich ihm zum Abschied für das Mittagessen dankte und noch einmal versicherte, er werde die Fotos bekommen.

Bell hielt nach einer übellaunigen Fahrt durch die Stadt mit einem Ruck neben der Cherokee an und hörte Kris finster zu, der sich einmal mehr zu erklären bemühte, daß wir beide am Abend Dienst hätten und deshalb pünktlich zurück sein müßten. Dienst hatten wir tatsächlich, aber es war nicht unbedingt nötig, deshalb schon um halb fünf abzufliegen. Eingewurzelte Loyalität verpflichtete mich jedoch zum Schweigen.

Sie sah zu, wie Kris seinen unverzichtbaren Kontrollgang um die Cherokee absolvierte.

"Er bringt mich zur Weißglut", sagte sie.

Ich nickte. "Ich kümmere mich um ihn. Fahren Sie ruhig wieder zu Ihrem Vater."

Sie sah mich aufmerksam mit ihren blauen Augen an.

"Ich will nicht zickig sein", sagte sie.

Da sie es mit zwei willensstarken Männern zu tun hatte und trotz des lieben Augenaufschlags selbst nicht gerade die Nachgiebigste war, konnte ich mir schwer vorstellen, wie sie ein dreiseitiges Gleichgewich

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