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Ich, Zwölf von Lonski, Günter von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2015
  • Verlag: CW Niemeyer Buchverlage GmbH
eBook (ePUB)
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Ich, Zwölf

Ein Mann sitzt regungslos auf der Treppe am Maschteich. Vermutlich erschlagen von einem Rivalen aus Jugendtagen. Nach amtlichen Unterlagen ist der allerdings vor Jahren tödlich verunglückt. Oder hat die neidische Konkurrenz im Kampf um lukrative Internetgeschäfte gnadenlos zugeschlagen? Und was hat der Sohn des Ermordeten gesehen? Er war am Tatort. Doch der junge Mann ist geistig behindert, nennt sich Zwölf und malt lieber statt zu reden. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Eine Informantin der Polizei wird bei einem Unfall schwer verletzt. Fahrerflucht. In der Altstadt liegt eine alte Frau ermordet in ihrer Küche und ein Hehler verschwindet mit dem Surfbrett spurlos auf der Ostsee. Eine von Zwölfs geheimnisvollen Zeichnungen führt die Ermittler schließlich in Hannovers Unterwelt. Alles scheint mit allem verbunden, über und unter der Erde. Es wird Zeit, dass Kalenberger und Obanczek Licht ins Dunkel bringen. Günter von Lonski wurde 1943 in Duisburg-Laar geboren. Er studierte an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1981 schreibt er Romane, Krimis, Jugend- und Kinderbücher, Hörspiele, Kurzgeschichten, Glossen, Satiren und Schulbuchbeiträge. 2010 erhielt er den Rolf-Wilhelms-Litera turpreis der Stadt Hameln. Günter von Lonski ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in der Nähe von Hannover. Er ist außerdem Autor von bereits zwei erschienenen Weserbergland-Krimis Das letzte Lied und Tödlicher Wind, in denen der akribische Journalist Hubert Wesemann ermittelt - spannend, unterhaltend, mit einem Schuss Humor und Ironie. Mehr über Günter von Lonski und seine Aktivitäten erfahren Sie unter www.vonlonski.net

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 25.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827198655
    Verlag: CW Niemeyer Buchverlage GmbH
    Serie: HannoverKRIMI 5
    Größe: 2127 kBytes
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Ich, Zwölf

EINS

Nun singt die Amsel wieder. Kalenberger tippt auf ihren Wecker, das Display wird beleuchtet. 5:24. Sie rollt sich auf die andere Seite, zieht die Bettdecke über die Schulter, segelt ab in unbekannte Traumwelten. Sie kommt nicht mal aus dem Hafen. Das Telefon klingelt. Ein Telefon, das um 5:27 klingelt, kann kein gutes Telefon sein.

Kalenberger tastet blind den Nachttisch ab. Papiertaschentücher, Wecker, Hustenbonbons, Telefon.

"Ja?"

"Guten Morgen!"

Kollege Obanczek. Jeder Morgen mit ihm ist unerträglich bis zum ersten Schluck Kaffee. Heute Morgen noch unerträglicher. 5:32. "Was gibt's, Nervensäge?"

"Ich bin im Maschpark hinter dem Neuen Rathaus und stehe auf den Stufen der Rathausterrasse mit Blick auf den Maschteich. Einfach wunderbar und wahnsinnig romantisch. Komm doch einfach her und sieh es dir an."

Das Neue Rathaus Hannover wurde 1901 bis 1913 im Stil des Späthistorismus auf 6.026 Buchenpfählen errichtet und in den zehn Hektar großen Maschpark am Südrand der Innenstadt eingebettet. Das schlossähnliche Gebäude ist 129 m lang, 67 m breit und 98 m hoch. Ein einzigartiger Bogenaufzug mit 17 Grad Neigung fährt auf die Kuppel des Rathauses. Jährlich besuchen 100.000 Gäste die Aussichtsplattform. Typisch Hannover: Der Bogenschütze vor dem Eingangsportal zielt direkt auf das Büro des Oberbürgermeisters.

"Was soll ich?", mault Kalenberger.

"Dir das Gesamtkunstwerk ansehen! Wenn du dann schon einmal da bist, können wir uns auch gleich um den armen Kerl kümmern, der zu meinen Füßen sitzt. Offener Mund, starrer Blick auf seine Schuhe, Loch im Kopf."

"Kann ich vorher unter die Dusche?"

"Du kannst dir alle Zeit der Welt lassen. Der läuft uns nicht mehr weg."

Als Kalenberger eintrifft, befragt Obanczek einen dürren Mann im orange-grünen Joggingdress. Viel Energie, wenig Haare. Der Mann scheint sein Morgenpensum noch nicht abgearbeitet zu haben und trippelt auf der Stelle. Oder er friert.

Obanczek nickt Kalenberger zu, weist mit seinem Notizbuch auf die Stufen vor der Terrasse. Die Spurensicherung trifft ein. Als Erstes wird das Treppenportal bis zur Terrasse mit rot-weißem Flatterband abgesperrt.

Was für ein friedlicher Anblick. Zu ihren Füßen der dunkle Maschteich. Der Blick auf den größeren Maschsee wird von hohen Bäumen gerahmt. Erste Boote zeigen sich auf dem leicht bewegten Wasser. Sie müsste auch wieder Sport treiben, Rudern zum Beispiel.

Kalenberger atmet tief durch, dann begibt sie sich zu dem Häuflein Elend am unteren Ende des Treppenportals. Sie verschafft sich einen ersten Eindruck: Mittleres Alter, ältere Jeans, keine Marke, Pullover, schwarze Baseball-Cap mit gesticktem Schriftzug: Nie mehr Rügen! Das Kinn ist auf die Brust gesunken. Kalenberger beugt sich zu ihm hinab. Ein Loch im Hinterkopf, linke Seite; da der Mörder von hinten gekommen ist, muss er ein Linkshänder sein. Sonst hätte er übers Wasser laufen müssen. Die Haare sind vom Blut verklebt. Kalenberger denkt unwillkürlich an einen Besuch im Zoo. Sie hatte mit einer Menge Leute vor einem Brutkasten gestanden und zugesehen, wie sich ein Straußenküken aus seinem Ei befreite. Hier war es genauso, nur umgekehrt.

Obanczek kommt hinzu. "Hast du nach seinen Papieren gesehen?"

"Tut mir leid, in der Eile habe ich meine Handschuhe vergessen."

Obanczek kennt die Ausrede, streift sich seine Plastikhandschuhe über und durchsucht die Taschen des Toten.

"War das ein Augenzeuge?" Kalenberger deutet mit einer Kopfbewegung zum oberen Ende der Treppe.

"Viel konnte er nicht sagen. Er hat den Mann auf seiner Hinrunde entdeckt und für den späten Gast irgendeiner Veranstaltung gehalten. Als er bei seiner Rückrunde noch immer in der gleichen Haltung auf der Treppe saß, hat er ihn sich aus der Nähe angesehen." Obanczek richtet sich auf, zwischen den weißen Handschuhfingern ein älteres Portemonnaie.

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